Fußball

Historische Leistungen in Serie Schiedsrichterin Steinhaus beendet Karriere

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Bibiana Steinhaus wird sich heute möglicherweise zum letzten Mal von Bayern-Coach Hansi Flick verabschieden.

(Foto: imago images/MIS)

An diesem Mittwochabend wird Bibiana Steinhaus als erste Frau das Spiel um den Supercup zwischen Bayern München und Borussia Dortmund leiten, danach beendet die Pionierin ihre historische Schiedsrichterkarriere - und das schon direkt mit dem Abpfiff. Zu den Gründen des Abschieds will sie sich bald äußern.

Natürlich, am Ende steht eine weitere historische Marke: Wenn Bibiana Steinhaus am Abend das Spiel zwischen Triple-Gewinner Bayern München und Vize-Meister Borussia Dortmund anpfeift, wird die 41-Jährige die erste Frau sein, die die Begegnung um den deutschen Supercup leitet. Wenn sie es abpfeift, wird damit nicht nur das große Spiel, sondern auch ihre große Karriere als Schiedsrichterin beendet sein.

Die Pionierin Steinhaus beendet nun offiziell ihre nationale und internationale Schiedsrichter-Karriere. Das Duell um den Supercup ist für die 41-Jährige der letzte Einsatz. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wenige Stunden vor dem Anstoß in München.

"Wie viele Menschen in der Zeit der Corona-Situation habe ich manches reflektiert und neu bewertet", sagte Steinhaus. Nach einem Gespräch mit Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich habe sie "nach sorgfältiger Abwägung vieler Faktoren" entschieden, ihre Laufbahn zu beenden. "Der deutsche Fußball muss künftig nicht nur auf eine herausragende Schiedsrichterin verzichten, sondern verliert auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit und Pionierin in einer Männerdomäne", sagte DFB-Präsident Fritz Keller.

"Wünsche mir, dass der Fokus allein auf dem Spiel liegt"

Der Supercup, die Begegnung zwischen den beiden erfolgreichsten deutschen Klubs der letzten Dekaden, ist eine passende Bühne für das Finale einer außergewöhnlichen Karriere. Als erste und bislang einzige Frau schaffte Steinhaus den Sprung in die Bundesliga der Männer. Seit 2017 leitete sie 23 Spiele in der höchsten Spielklasse - und wäre bei einem Abschied die einzige Person in der Geschichte, die während ihrer gesamten Bundesliga-Karriere nicht einen einzigen Platzverweis ausgesprochen hat.

Ihr Debüt hatte Steinhaus am 10. September 2017 bei der Partie zwischen Hertha BSC und Werder Bremen (1:1) gefeiert - begleitet von großem medialen Interesse. Zuvor hatte die hauptberufliche Polizistin zehn Jahre lang Spiele in der 2. Bundesliga geleitet. Im Frauenbereich pfiff Steinhaus bei jeweils drei Welt- und Europameisterschaften.

Für Steinhaus ist die Partie in München das erste Spiel seit dem 32. Spieltag der Vorsaison, an den ersten beiden Spieltagen der Profiligen der laufenden Saison war sie noch nicht als Schiedsrichterin im Einsatz. "Für den heutigen Abend wünsche ich mir, dass der Fokus allein auf dem Spiel liegt. Über die Gründe meines Rückzugs werde ich mich zu gegebener Zeit nochmals etwas ausführlicher äußern", sagte sie weiter.

Steinhaus ist seit vier Jahren mit dem ehemaligen englischen Weltklasse-Schiedsrichter Howard Webb liiert, der aktuell in New York lebt. Mehr Zeit wolle sie mit Webb verbringen, mutmaßt die "Bild". Die Zeitung schreibt weiter, dass der DFB seine historische Schiedsrichterin unbedingt weiter einsetzen möchte, auch wenn sie nicht mehr selbst auf dem Platz stehen werde - beispielsweise als Videoschiedsrichterin im Kölner Keller.

Quelle: ntv.de, ter/dbe