Fußball

DFB und Gleichberechtigung Schluss mit den hohlen Parolen!

imago0043129441h.jpg

Die DFB-Kickerinnen um Giulia Gwinn erhalten noch immer nicht dieselbe Bezahlung wie ihre männlichen Pendants.

(Foto: imago images/foto2press)

Der DFB bekennt am Welt-Frauentag mal wieder, viel mehr für den Frauenfußball tun zu wollen. Die Worte verkommen zu fadenscheiniger Substanzslosigkeit, weil der Verband in Sachen Gleichberechtigung und Wertschätzung unverändert hinterherhinkt. Dabei wäre manche Veränderung ganz einfach.

"Der Fußball ist viel zu schön, als dass er eine reine Männersache ist", sagt DFB-Präsident Fritz Keller. Nein, das war kein Kommentar zum heutigen Internationalen Frauentag, diese Aussage traf Keller bei seiner Wahl zum Boss des Verbandes vor anderthalb Jahren. Er erklärte es ausdrücklich zur Aufgabe des DFB, mehr Frauen in die Führungsebene zu bringen. Unter den 257 Delegierten, die damals über die Wahl Kellers entschieden, waren gerade mal zwölf Frauen. "Der DFB muss weiblicher werden", sagte Keller Anfang 2020 dann noch mal. Geändert hat sich seitdem nichts. Unter 19 DFB-Präsidiumsmitgliedern weilt immer noch genau eine Frau.

Natürlich, auch am Frauentag ließen solch durchaus wohlwollend gemeinte Kommentare nicht lange auf sich warten. Es sei "beschämend, wie weit hinten dran wir sind" bei dem Thema, sagte Keller nun. Das Problem: Das alles wurde schon etliche Male durchgekaut, ohne konkrete Schritte als Folge. Schon 2016 brachte der Verband ein Leadership-Programm auf den Weg, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Auch Ex-Boss Reinhard Grindel hatte diesen Schritt angekündigt. Weil seit Jahren nichts passiert beim DFB zum Thema Gleichberechtigung, verkommen Kellers Worte zu hohlen Parolen.

Frauen bekommen im DFB aber immer noch keine Macht zugesprochen, auch werden ihre National-Spielerinnen nicht gleich bezahlt oder gefördert. Bei der WM 2018 hätten die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw beim Titelgewinn jeweils 350.000 Euro kassiert, für die Frauen wären bei der WM 2019 im Erfolgsfall 75.000 Euro pro Spielerin ausgezahlt worden. Parität sieht anders aus. Dass der DFB hier keine Vorreiterrolle einnimmt, obwohl die Gelder des größten nationalen Sport-Fachverbands der Welt ausreichen, und er ungleiche, geschlechtsbasierende Prämien mit seiner Gemeinnützigkeit zu vereinbaren versucht, bleibt beschämend.

"Man kann nur Gleiches gleich behandeln"

Auch die Argumentation des DFB, die Prämien für Turniere würden sich aus den jeweiligen Vermarktungserlösen ergeben, ist Humbug. Schließlich schaffen andere Nationen es ja auch, für gleichen Aufwand gleiche Prämien und Spesen und damit gleiche Wertschätzung bereitzustellen. Der DFB steht aber weiter in einer Riege mit Verbänden aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder dem Tschad, die allesamt auch ihre Männerteams besser bezahlen als die der Frauen. Es sind Verbände von Ländern, die die letzten Plätze von weltweiten Frauenrechtsindizes belegen. Dazu passt die Aussage von Rainer Koch aus dem Jahr 2019: "Man kann nur Gleiches gleich behandeln." Frauen schienen für den DFB-Vize Männern nicht gleichwertig und ihre Erfolgszahlungen dürften ruhig geringer ausfallen.

Auch unter der Corona-Pandemie leidet der Frauen- mehr als der Männerfußball. Als zum Anfang der Geisterspiele die Champions-League-Vereine aus München, Dortmund, Leipzig und Leverkusen finanzielle Hilfen von bis zu 20 Millionen Euro für die restlichen 32 Klubs unter dem Dach der DFL diskutierten, war Solidarität gegenüber dem Frauenfußball kein Thema. Ebenfalls unterordnen, ohne dass etwa der DFB dagegen Stellung bezogen hätte, mussten sich die Fußballerinnen, als ihre für 2021 geplante Europameisterschaft um ein Jahr verschoben wurde, weil die verlegte Männer-EM nun in diesem Sommer stattfindet.

Immerhin, Keller bringt die Probleme des Frauenfußballs häufiger als seine Vorgänger auf den Tisch und wird am heutigen Frauentag mal konkreter: "Ich wünsche mir im DFB mindestens ein Drittel Frauen in Führungspositionen." Er könne sich sogar eine Frauenquote beim Verband vorstellen. Im Anschluss relativiert er allerdings wieder, sagt, dass der Weg noch "ganz lang sei". Solche Rhetorik wird beim Thema Gleichberechtigung gerne benutzt: Die Veränderungen anzustoßen, das funktioniere halt nicht von heute auf morgen. Die verheerende Schlussfolgerung beim DFB scheint deshalb oft zu lauten: Dann ist es ja auch nicht so schlimm, wenn erstmal gar nichts passiert.

Chance beim DFB-Pokalfinale

Wenn Keller so gerne Frauen im Präsidium haben will, warum sagte er dann jüngst, dass er sich eine zweite Amtszeit vorstellen kann? Er könnte ja einfach mal erklären: Auf mich soll eine Frau folgen, basta! Konkrete Schritte in Richtung Equal Pay und Equal Play hätte der DFB längst priorisieren und angehen können. Mit einer Frau an der Spitze des Verbands wäre das sicherlich geschehen.

Beim DFB-Pokalfinale im Mai könnte man beispielsweise mal die so oft formulierte Priorität für den Frauenfußball deutlich machen und die Anstoßzeiten umdrehen: erst das Männer-Spiel, dann das Frauen-Spiel in der Prime Time. Das wäre eine Wertschätzung, die den Fußballerinnen nach dem Endspiel 2020 erneut nicht gezeigt wurde, als die ARD direkt nach dem Sieg des Wolfsburger Frauenteams im Elfmeterschießen umschaltete zu Vorberichten der Männer, anstatt die Siegerehrung zu übertragen.

Aussagen zu wichtigen Themen wie Gleichberechtigung und Vielfalt verkommen aufgrund der jahrelangen Inkonsequenz und Inaktivität des DFB immer wieder zu hohlen Parolen. Der Verband lebt die Worte Kellers schlichtweg nicht vor. Noch schlimmer: Wenn alle Jahre wieder stolz ein Besserungsschwur geleistet wird, denken die alten Herren beim DFB, sie hätten der Gleichberechtigung jetzt so richtig einen Push gegeben und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern. Die offensichtlichen Missstände aber bleiben unbearbeitet liegen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.