Fußball

Tönnies bleibt, Werte egal Steht auf, wenn ihr Schalker seid!

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Schwamm drüber!

(Foto: dpa)

Der FC Schalke 04 tritt sein Leitbild in die Tonne, lässt dem Aufsichtsratschef Clemens Tönnies eine rassistische Bemerkung durchgehen und diskreditiert sich so selbst. Motto: Werte ja, aber nur, wenn es gerade passt. Können die Fans noch etwas retten?

Die Frage, ob ein Sportverein gesellschaftliche Verantwortung trägt, stellt sich nicht ernsthaft. Natürlich tut er das. Es geht nicht nur um die Profis der ersten Mannschaft, die in der Fußball-Bundesliga sehr viel Geld verdienen. Ein Verein ist viel mehr. Die Stadt Gelsenkirchen hat 260.000 Einwohner, der FC Schalke 04 hat 158.000 Mitglieder. Mehr hat in Deutschland nur der FC Bayern München. Und bisher haben die Schalker den Eindruck erweckt, als meinten sie das mit ihrer Verantwortung ernst. Doch das war nur Gerede.

Sie hatten sich ein Leitbild gegeben, das sie zu leben versprachen: "Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein." Doch als es ernst wurde, haben sie diese Werte verraten, gegen ihre Grundsätze verstoßen, ihr Versprechen gebrochen und sich auf einen oberfaulen und feigen Kompromiss geeinigt. Clemens Tönnies, seit fast 20 Jahren der starke Mann, leitet weiter den Aufsichtsrat. Der Vorwurf des Rassismus sei unbegründet, teilte ein Gremium mit, das sich Ehrenrat nennt. Wie bitte?

Vier alte weiße Ehrenmänner

Tönnies hatte empfohlen, statt Steuererhöhungen für den Klimaschutz einzuführen, lieber Kraftwerke in Afrika zu bauen. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Es wäre interessant zu erfahren, was jemand sagen muss, damit dieser "Ehrenrat" etwas für rassistisch hält. Dabei hatte das Gremium richtig erkannt: "Vorzuwerfen ist ihm allerdings, gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben. Clemens Tönnies hat diese - insbesondere den Vorsitzenden des Aufsichtsrats treffende - Pflicht verletzt."

Nur die Konsequenzen ziehen, das wollten sie nicht. Es ist ja auch nicht so einfach, sich gegen den Mann aufzulehnen, der die Geschicke des Klubs seit zwei Jahrzehnten nicht unerfolgreich lenkt. Und so durfte Tönnies das Strafmaß selbst bestimmen: Er setzt drei Monate aus, wie auch immer das aussehen soll. Das wird ihn sicherlich schwer treffen. Ihn zu entlassen, das hätte die Schalker vor ernsthafte Probleme gestellt. Da mögen sie gedacht haben: Das tun wir uns nicht an. Da eiern wir lieber ein wenig rum, wird schon Gras über die Sache wachsen. Und überhaupt, der Clemens. Hat er wieder einen rausgehauen. Jetzt nehmen wir ihn drei Monate aus der Schusslinie. Und dann machen wir einfach weiter. Schwamm drüber! So ernst müssen wir das mit den Werten nun auch wieder nicht nehmen.

Das können die Schalker so tun. Dann müssen sie aber auch konsequent sein, ihr Leitbild in die Tonne treten und neue Regeln aufstellen: Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wir, aber nur, wenn es uns passt. Und was Rassismus ist, entscheiden wir immer noch selbst. In diesem Fall waren das vier alte weiße Ehrenmänner und eine weiße Ehrenfrau. Und nun? Zum Glück ist der Verein mehr und größer als sein Aufsichtsratschef. Einige Fans hatten schon vor dem Schiedsspruch angekündigt, protestieren zu wollen, sollte Tönnies ungeschoren davonkommen. Jetzt kann es nur heißen: Steht auf, wenn ihr Schalker seid!

Quelle: n-tv.de

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