Fußball

Der mysteriöse Erfolg des FC Schalke Stevens hält Langweiler nicht auf

Warum ist der FC Schalke 04 eigentlich so erfolgreich? Huub Stevens ist der dritte Trainer in diesem Jahr und muss mit dem auskommen, was seine Vorgänger ihm hinterlassen haben. Dennoch steht die Mannschaft in der Fußball-Bundesliga auf Platz drei. Und in der Zwischenrunde der Europaliga.

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Am besten immer ein Tor mehr als der Gegner: Huub Stevens, Trainer des

(Foto: dpa)

Auch wenn er Fragesteller bisweilen ungehalten abkanzelt - Huub Stevens bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Das mag an seinem Charakter oder seiner reichen Erfahrung als Fußballtrainer liegen. Das kann aber auch darin begründet sein, dass seine Mannschaft zurzeit relativ erfolgreich ist. Erfolgreicher zumindest, als viele ihr zugetraut hätten. Allen Irrungen und Wirrungen zum Trotz steht der FC Schalke 04 gut da. In der Bundesliga auf dem dritten Tabellenplatz, und in der Europaliga ist ihm Rang eins in der Gruppe J nicht mehr zu nehmen, die Zwischenrunde fürs kommende Jahr ist gebucht.

Da muss schon einer kommen und nach dem Spruch fragen, der ihn begleitet, seit er 1997 in seiner ersten Amtszeit mit den legendären Eurofightern den Uefa-Pokal nach Gelsenkirchen geholt hatte, damit Huub Stevens die Fassung verliert. "Die Null muss stehen", soll er damals gesagt haben. Und am vergangenen Freitag in Berlin nach dem 2:1-Sieg bei der Hertha in der Bundesliga hat ihn tatsächlich jemand darauf angesprochen, ob das immer noch sein Motto sei - was den Schalker Trainer zu einem gespielten Schluchzen und dann aber doch einem breiten Grinsen veranlasste. Wichtig sei, dass seine Mannschaft ein Tor mehr als der Gegner schieße. Das sei dann auch in Ordnung.

Werder ist wichtiger als Haifa

Heute Abend ist selbst das egal. Ab 21 Uhr spielt der FC Schalke im letzten Vorrundenspiel der Europaliga bei Maccabi Haifa. Und Huub Stevens ist gar nicht erst mit nach Israel geflogen. Am Flughafen in Düsseldorf ereilte ihn die Nachricht, dass seine 85 Jahre alte Mutter Mia krank ist. Die Mannschaft hob ohne ihn ab, Assistent Seppo Eichkorn kümmert sich. Aber die Partie ist, wie erwähnt, eh ein Muster ohne Wert. So hatte Stevens bereits in Berlin durchblicken lassen, dass in Haifa nicht die besten Spieler auf dem Platz stehen werden. Kein großes Thema, wie der Niederländer findet. "Oder was würden sie tun?", fragte er die Journalisten, bevor er sich selbst die Antwort gab. "Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Jungs sich ausruhen und fit in das Spiel gegen Bremen gehen."

Der SV Werder gastiert am Samstag zum Abschluss der Hinrunde in Gelsenkirchen, und weil da der Tabellendritte auf den Fünftplatzierten trifft, geht das - auch mangels Konkurrenz an diesem 17. Spieltag - als Spitzenpartie durch. Nur: Warum ist der FC Schalke 04 eigentlich so erfolgreich? Und steht nun mysteriöserweise sogar vor den hochgelobten Mönchengladbachern und nur knapp hintern den Bayern und den Dortmundern? Mit einer zusammengewürfelten Mannschaft, die sich in diesem Jahr bereits mit dem dritten Trainer arrangieren muss. Bis Mitte März schwang Felix Magath das Zepter, dann kam Ralf Rangnick - und trat Ende September "aufgrund eines Erschöpfungssyndroms" zurück, was Huub Stevens zu seiner zweiten Chance in Gelsenkirchen verhalf.

"Ich halte die Jungs nicht zurück"

Und er hat sie genutzt. Pragmatisch, schnörkellos und auswärts durchaus defensiv. Seine Mannschaft sammelt zwar Punkte, spielt aber selten schön. Der Trainer lässt seine Spieler das machen, was sie können. Beim Sieg in Berlin sah das so aus, dass die Schalker den eifrigen aber spielerisch arg limitierten und kreativlosen Herthanern häufig den Ball überließen, auf dass sie ihn besaßen, aber wenig damit anfangen konnten. Drei Ecken holten die Gelsenkirchener heraus, 15 die Berliner. Doch Klaas-Jan Huntelaar, Schalkes überragender Stürmer, und Teemu Pukki trafen. Huub Stevens war zufrieden. Schließlich hatten sie ein Tor mehr geschossen als der Gegner. Und zum Schluss waren sie sich ihrer Sache so sicher, dass sie bis auf einen halbherzigen Versuch kurz vor dem Abpfiff gänzlich darauf verzichteten, das Tor des Gegners mit einem Konter zu bestürmen.

Das sieht langweilig aus, und ist es auch. Aber erfolgreich. Mit einem guten und jungen Lars Unnerstall im Tor, der dem nach der Verletzung von Stammtorwart Ralf Fährmann verpflichteten Ex-Nationalspieler Timo Hildebrand ausgestochen hat. Mit einer soliden und kompakten Viererkette, in der der österreichische Nationalspieler Christian Fuchs und der deutsche Nationalspieler Benedikt Höwedes die Außenpositionen besetzen und Joel Matip, Nationalspieler Kameruns, sowie Kyriakos, Nationalspieler Griechenlands, innen verteidigen. US-Nationalspieler Jermaine Jones und der offensivere deutsche Nationalspieler Lewis Holtby bilden die Doppelsechs im defensiven Mittelfeld, hinter den Spitzen Pukki und Huntelaar, Nationalspieler aus den Niederlanden und Finnland, agiert der unermüdliche spanische Altstar Raúl, etwas weiter rechts sein Landsmann José Manuel Jurado. Der peruanische Nationalspieler und Flügelstürmer Jefferson Farfán, großartig an Ball und im Äußern von Wechselabsichten, ist zurzeit am Knie verletzt. Alles in allem keine Mannschaft für den großen Rausch, aber eine, die sich in der Liga und auch in Europa behauptet.

Huub Stevens nennt die Tabelle zwar eine Momentaufnahme, womit er grundsätzlich nicht Unrecht hat. Auch nicht mit der Feststellung, die Schalker wüssten, " dass wir am Ende nicht ganz oben mitmischen werden". Dafür habe seine Mannschaft noch nicht die Stabilität, die ich mir wünsche". Huub Stevens sagt aber auch: "Ich halte die Jungs nicht zurück, wenn sie es doch schaffen wollen." Auch Manager Horst Held hält den Ball flach und sagt: "Wir können uns schon richtig einordnen. Die Mannschaft spielt erfolgreich, aber nicht perfekt." Und wer wissen will, wie ernst die Schalker das Spiel heute Abend nehmen, kann einen Blick auf die Aufstellung werfen.

Maccabi Haifa - FC Schalke 04
heute ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de

Haifa: Saranov - Meshumar, Falach, Buljat, Twatha - Boccoli, Dgani, Katan, Vered - Dwalischwili, Azrieli
Schalke: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Metzelder, Escudero - Höger, Moritz - Jurado, Baumjohann, Draxler - Marica
Schiedsrichter: Fautrel (Frankreich)

Quelle: n-tv.de

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