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Hinterm schwarz-gelben Vorhang Stimmungsvolle BVB-Doku enthüllt nur wenig

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Was passiert hinterm schwarz-gelben Vorhang? Die neue Amazon-Doku soll darüber aufklären.

(Foto: imago images / Team 2)

Das pulsierende Innenleben von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund will die neue Dokumentation von Amazon durchleuchten. "Inside Borussia Dortmund" liefert spannende Einblicke in die Strukturen des Vereins, das ganz große Kino bleibt jedoch aus.

Nach zahlreichen Football-Teams aus der NFL, dem englischen Fußball-Meister Manchester City oder den All Blacks, Neuseelands erfolgreicher Rugby-Nationalmannschaft, wirft Streamingdienst Amazon Prime Video nun erstmals einen intensiven Blick hinter die Kulissen eines Fußball-Bundesligisten. Unter der Regie von Aljoscha Pause öffnet der BVB in "Inside Borussia Dortmund" den schwarz-gelben Vereinsvorhang.

Auf sympathische Weise inszeniert die vierteilige Serie die Rückrunde der Dortmunder in der abgelaufenen Saison, die vor allem von Tiefschlägen geprägt war. Dabei zeichnet die Doku eine kurzweilige Reise mit Verantwortlichen, Spielern und Mitarbeitern des Klubs, mit authentischer Ausstrahlung, lüftet aber keine großen Geheimnisse. n-tv.de konnte die ersten beiden Folgen bereits vorab sehen.

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Regisseur Aljoscha Pause in der BVB-Kabine.

(Foto: Amazon)

Die Serie setzt zur Winterpause der Saison 2018/19 an - zu diesem Zeitpunkt hatte die Borussia noch sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Bayern München. Sportdirektor Michael Zorc, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sowie die Profis kommentieren die Highlights der Hinrunde einer furios aufspielenden Borussia. Spielszenen und Tore werden von Regisseur Pause mit dramatischer Musik unterlegt und zeigen dem Zuschauer Euphorie und sportliche Höchstleistungen. Last-Minute-Siege, Machtdemonstrationen und natürlich der starke Auftritt gegen den FC Bayern München - alles Bausteine, die eine Mentalität in der Mannschaft haben entstehen lassen. So beschreiben es zumindest Spieler und Verantwortliche.

In vier Folgen durch die BVB-Historie

Den Blick zurück bewahrt sich die Serie in ihrem Verlauf. Immer wieder werden die historischen Erfolge des Klubs bis zurück in die 1960er Jahre aufleben gelassen. Der BVB wird dabei oft in die Position des Underdogs gerückt - wohl eine kleine Vorausdeutung auf den späteren Titelgewinn des FC Bayern.

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"Inside Borussia Dortmund" nimmt den Zuschauer mit bis auf die Massagebank.

(Foto: Amazon)

Und obwohl die Serie sich fortan chronologisch an den Spielen der Rückrunde in Bundesliga, Pokal und Champions League entlangarbeitet, wirken die Rückblicke als bereicherndes Element, das besonders von der Erzählstruktur der Doku profitiert. Es gibt keinen Sprecher oder Erzähler, die Protagonisten selbst treiben in Interviews und Kommentaren die Geschichte voran. Dabei kommen neben Vereinsverantwortlichen, Spielern und Mitarbeitern auch zahlreiche Journalisten zu Wort, die zwar Insiderwissen mitbringen, aber nicht die Vereinsbrille aufhaben.

Den stärksten Eindruck hinterlässt die Dokumentation in den Momenten, die echte Tiefschläge für den BVB darstellen, sowohl auf als auch abseits des Platzes. Bereits in der ersten Folge wird der Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus thematisiert, ein Ereignis, das Spieler auch in der letzten Saison noch verarbeiten mussten.

Spannende, aber wenig überraschende Einblicke

Wenn Torhüter Roman Bürki oder Kapitän Marcel Schmelzer sehr bildhaft die Geschehnisse vom 11. April 2017 und die posttraumatischen Folgen der Attacke beschreiben, läuft dem Zuschauer ein kalter Schauer über den Rücken. Geschäftsführer Watzke räumt im Umgang mit der Attacke sogar ein Fehlverhalten von Vereinsseite ein. "Du hast dann gemerkt, bei welchen Spielern es ging und bei welchen es vielleicht auch besser war, das Umfeld zu tauschen", sagt Watzke in der Doku. Deswegen habe der Verein vor der letzten Saison auch einen sehr großen Schnitt gemacht. "Vielleicht hätte man das auch ein Jahr früher machen können", meint Watzke.

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Elefanten-Runde mit Kehl, Watzke, Sammer und Zorc (v.l.)

(Foto: Amazon)

Die Doku bietet immer wieder gelungene Perspektivenwechsel, ohne den roten Faden zu verlieren. Die Verletzungssituation um Kapitän Marco Reus beschäftigt nicht nur den Spieler. Die ganze medizinische Abteilung konferiert ebenso darüber wie die Verantwortlichen um Zorc, Watzke, Lizenzbereichsleiter Sebastian Kehl und Berater Matthias Sammer.

Im Gegensatz zur medialen Aufarbeitung von Bundesliga-Spieltagen wirken die Statements der Protagonisten, sei es ein Spieler oder Trainer Lucien Favre, deutlich ehrlicher und befreiter. Fußballphrasen über den "besonders schweren Gegner" oder "ganz wichtige drei Punkte" lassen sich allerdings auch nicht ganz ausblenden. Total überladen und wenig abwechslungsreich ist zudem die musikalische Untermalung. Pause überdramatisiert hier vor allem in den Spielszenen. Als Zuschauer kann man hier kaum zwischen Sieg und Niederlage unterscheiden.

Stimmungsvoller Einblick in schwarz-gelbe Seele

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Insgesamt ist die Dokumentation von Pause, was Struktur und Schnitt angeht, sehr gelungen und muss sich nicht hinter seinen vorigen Werken wie "Tom Meets Zizou" (2011) oder "Being Mario Götze" (2018) verstecken. Dazu bietet die Serie inhaltlich einen stimmungsvollen Einblick in die schwarz-gelbe Seele, der vor allem international Eindruck hinterlassen kann.

Das führt allerdings auch zum größten Manko der Serie, für das weder die Macher noch die Protagonisten etwas können. Ob Football, Rugby und selbst die Meistersaison von Manchester City - je größer die Distanz zur Materie, desto größer ist der Erkenntnisgewinn durch eine Dokumentation. Und die schon so gut durchleuchteten Bundesligastrukturen bieten für deutsche Fußballkenner nur noch wenige Überraschungen. Und den ganz tiefen Blick hinter die Kulissen wagt die Serie in den ersten beiden Episoden dann doch nicht.

"Inside Borussia Dortmund" ist ab dem 16. August auf Amazon Prime Video verfügbar.

 

Quelle: n-tv.de

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