Fußball

EM-Gruppe A unter der n-tv.de-Lupe Stolze Équipe, ein Kraftwürfel und viel Beton

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Frankreich und die Schweiz - hier Xherdan Shaqiri und Moussa Sissoko - trafen schon bei der WM 2014 aufeinander. Das Ergebnis damals: 5:2 für die Franzosen.

(Foto: AP)

Der bisher letzte EM-Titel ist 16 Jahre her: Gastgeber Frankreich will den Heimvorteil nutzen und Europameister werden. In der Vorrunde warten eine Bundesliga-Auswahl aus der Schweiz, ein rumänischer Abwehrriegel und ein Exot.

Gestatten, Frankreich

Spielplan der Gruppe A

Freitag, 10. Juni
21 Uhr, St. Denis/Paris: Frankreich - Rumänien
Samstag, 11. Juni
15 Uhr, Lens: Albanien - Schweiz
Mittwoch, 15. Juni
18 Uhr, Prinzenpark/Paris: Rumänien - Schweiz
21 Uhr, Marseille: Frankreich - Albanien

Sonntag, 19. Juni
21 Uhr, Schweiz - Frankreich
21 Uhr, Lyon: Rumänien - Albanien

Wirtschaftskrise, Streiks, die immer stärker werdenden Rechtspopulisten des Front National, die Angst vor Terror - Frankreich erlebt schwierige Zeiten. Umso größer ist die Hoffnung, dass sich ein EM-Sieg der Équipe Tricolore wie Balsam auf die Wunden legt. Sicher ist: Wer über Favoriten spricht, kommt um die Mannschaft von Didier Deschamps nicht herum. Der Heimvorteil hat schon bei der WM 1998 geholfen, als die Franzosen im Finale die Brasilianer furios mit 3:0 demütigten - mit Deschamps als Kapitän. Warum soll 18 Jahre später nicht etwas ähnliches gelingen?

In Frankreich ist eine neue Fußball-Generation herangewachsen: Raphael Varane, N'golo Kante, Paul Pogba, Antoine Griezmann und Anthony Martial sind alle noch jung, spielen jedoch schon Hauptrollen in europäischen Spitzenteams. Im Nationaltrikot profitieren sie von der Erfahrung ihrer gestandenen Nebenleute Patrice Evra, Lassana Diarra und Bacary Sagna. Bei so einem Star-Ensemble kann Coach Deschamps es sich locker leisten, schwierige Charaktere wie Karim Benzema, Ben Arfa oder Samir Nasri zuhause zu lassen. In der Vergangenheit sorgten Egozentriker bei großen Turnieren häufig für Ärger bei den Franzosen. Das soll diesmal nicht geschehen. Es könnte die Mission EM-Titel unnötig gefährden.

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Im November 2015 besiegte die Équipe Tricolore die deutsche Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel 2:0.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Die Franzosen verpassten nach 1960 fünfmal die Teilnahme an der EM-Endrunde, 1984 holten sie erstmals den Titel. Vier Jahre später scheiterten sie erneut an der Qualifikation. Den zweiten Titelgewinn schaffte Frankreich 2000, per Golden Goal gegen Italien.

Gestatten, Schweiz

Für die Schweiz gab es in der Geschichte der Europameisterschaften wenig zu holen. Dreimal (1996, 2004, 2008) scheiterte die "Nati" in der Vorrunde, ansonsten kam sie gar nicht erst bis zur Endrunde. Dass der Schweizer Fußball durchaus aufsteigende Form verzeichnen kann, ließ sich bei der WM 2014 besichtigen. Die Mannschaft zog durchaus eindrucksvoll ins Achtelfinale ein und scheiterte dort erst nach Verlängerung knapp an Argentinien. Trainer Wladimir Petkovic und seine Spieler wollen auch bei der EM für Furore sorgen.

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Im Nationalteam sind sie Mannschaftskollegen, im Verein bald nicht mehr: die Herren Sommer und Xhaka.

(Foto: imago/Schwörer Pressefoto)

Wie schon vor vor zwei Jahren treffen die Schweizer in der Vorrunde auf die Franzosen. Dennoch sind die Aussichten günstig. Der Kader der Eidgenossen ist gespickt mit bekannten Namen. Zwölf Spieler kicken in der Bundesliga. Auch Eren Derdiyok und vor allem Xherdan Shaqiri (Spitzname: Kraftwürfel) machten sich dort einen Namen. Seit seinem Weggang vom FC Bayern reifte der quirlige Tempodribbler bei Inter Mailand und Stoke City zum Topspieler. Neben Sechser Granit Xhaka, der im Sommer von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal wechselt, Torwart Yann Sommer (ebenfalls Gladbach) und Linksverteidiger Ricardo Rodriguez (VfL Wolfsburg) gehört er zu den wichtigen Stützen. Sie alle sind hungrig, wollen mindestens ins Achtelfinale kommen - und am besten noch weiter.

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Zum Entspannen spielen die Schweizer Kicker in der Vorbereitung gern Ping Pong. Gelson Fernandes, ehemaliger Verteidiger des SC Freiburg, verriet, wer der Beste ist: Granit Xhaka.

Gestatten, Rumänien

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Team ohne große Stars: Rumänien

(Foto: imago/Catalin Soare)

Nordirland, Ungarn, Finnland, Faröer, Griechenland - so richtig schwer hatten es die Rumänen in der EM-Qualifikation nicht gerade. Die Osteuropäer meisterten die Hürde lässig. Die Tordifferenz sagt viel aus über das Team von Trainer Anghel Iordanescu: elf Tore, zwei Gegentore. Der Abwehrriegel um Vlad Chirches und Dragos Gigore dürfte die Gegner auch bei der EM in Frankreich vor die größten Schwierigkeiten stellen, die rumänische Offensive hingegen niemandem Angst machen. Kein einziger Mittelfeldspieler oder Stürmer ist bei einem namhaften europäischen Verein unter Vertrag. Ein neuer Gheorghe Hagi ist beim besten Willen nicht in Sicht. Einziger Trost: Schon ein Sieg gegen Albanien könnte für den dritten Platz und das Achtelfinale reichen. Denn die besten vier Drittplatzierten kommen weiter.

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Nur einmal, im Jahr 2000, gelang es der "Tricolorii" (Dreifarbige) bisher, die EM-Vorrunde zu überstehen. Die Rumänen spielten damals Remis gegen Deutschland und besiegten England durch ein Tor von Ioan Ganea in letzter Minute mit 3:2. Erst im Viertelfinale schieden sie durch ein 0:2 gegen Italien aus. Superstar Hagi sah in seinem letzten Länderspiel Gelb-Rot.

Gestatten, Albanien

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Die Fahne ist politisch umstritten. Sie zeigt den doppelköpfigen albanischen Adler auf den Umrissen von "Großalbanien". Dieses umfasst neben dem jetzigen albanischen Staatsgebiet auch Teile von Griechenland, Serbien, Mazedonien, Montenegro und den Kosovo.

(Foto: imago/Camera 4/International)

Albanien ist ein echter Exot. Die "Kuq e zinjtë" (Rot-Schwarze) haben noch nie an einer EM oder WM teilgenommen. In der Qualifikation ließ die Elf von Trainer Giovanni de Biasi immerhin Dänemark und Serbien hinter sich. "Die Euphorie ist riesig. Alle Albaner, egal, wo sie leben - teilweise in Amerika - fiebern mit", sagt der Albaner Altin Lala. Der frühere Spieler von Hannover 96 sieht sogar Chancen auf das Achtelfinale. Die Elf Albaniens gilt als defensiv kompakt, in der Offensive fehlt jedoch vor allem ein Torjäger. Keinem Spieler aus dem Kader gelang in den acht Qualifikationsspielen mehr als ein Tor. Viele spielen in unterklassigen Mannschaften. Als einzige Trümpfe bleiben die Außenseiter-Rolle und die riesige Euphorie über die erste EM-Teilnahme. Dass mit den Rumänen zumindest ein Gruppengegner auf Schlagdistanz ist, macht einen Achtelfinaleinzug theoretisch möglich.

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Das Qualifikationsspiel Albanien gegen Serbien wurde am grünen Tisch entschieden - mit 3:0 für Albanien. Der Grund: Bei der Partie am 14. Oktober 2014 in Belgrad flog eine Drohne mit der Flagge Groß-Albaniens ins Stadion. Daraufhin kam es zu schweren Krawallen. Das Spiel wurde in der 41. Minute abgebrochen. Beide Verbände wurden bestraft. Die Schuld für den Spielabbruch wurde Gastgeber Serbien gegeben.

Auf diesen Spieler müssen Sie achten

Breel Embolo. Der 19-Jährige vom FC Basel gilt als eines der vielversprechendsten Talente in Europa. In der abgelaufenen Saison schoss der athletische Mittelstürmer 10 Tore in 27 Ligaspielen. Zuletzt wurde Embolo angeblich auch vom Bundesligisten VfL Wolfsburg umworben. Das Fußballportal transfermarkt.de taxiert den Marktwert des Schweizers auf 20 Millionen Euro. Wegen des Turniers könnte der Preis noch steigen.

Wie geht die Gruppe aus?

  1. Frankreich
  2. Schweiz
  3. Rumänien
  4. Albanien

Quelle: n-tv.de

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