Strittige Hinspiel-Szene nervtHansi Flick feiert "fantastisch" gescheiterten FC Barcelona

Hansi Flick schnuppert mit dem FC Barcelona am erhofften Pokal-Wunder, verspielt den ersten möglichen Titel der Saison aber dann doch auf dramatische Weise. Am Ende fehlt ein Tor gegen Atletico. Es bleibt ein kleines Geschmäckle aus dem Hinspiel.
Hansi Flick und sein FC Barcelona haben die Welt wieder ein kleines bisschen in Ordnung gebracht. Und dennoch sind der deutsche Trainer und seine Fußballer im Halbfinale der Copa del Rey gescheitert. Die 0:4-Hypothek aus dem Hinspiel bei Atletico Madrid wog dann doch ein kleines bisschen zu schwer. Mit 3:0 gewann Barca das Rückspiel, zum Weiterkommen reichte das nicht.
Was waren Flick und Barcelona nach dem ersten Spiel von den Medien zerrissen worden. Von einer "vernichtenden Niederlage" war zu lesen gewesen. Von einem Barca, das man gar nicht mehr "wiedererkennen würde". Und natürlich wurde auch mit den Begriffen "Katastrophe", "Debakel" und "Fiasko" um sich geworfen. Bei den Leidenschaftsmonstern aus Madrid waren sie untergegangen.
Wieder wie ein Spitzenteam
Und nun, an diesem Dienstagabend, wieder auferstanden. Zumindest emotional. Der arg ramponierte Ruf als Spitzenmannschaft ist wieder hergestellt. Der gerade mal 18 Jahre junge Marc Bernal (29., 72.) und Kapitän Raphinha (45.+5, Foulelfmeter) ließen Barcelona auf eine erfolgreiche Aufholjagd hoffen. Doch die Defensivspezialisten von Atlético retteten den Vorsprung mit Glück und Geschick über die Zeit. Nach dem dritten Tor der Gastgeber ließen sie tatsächlich kaum noch etwas zu.
Die Katalanen hatten früh einen Rückschlag verkraften müssen, als Abwehrspieler Jules Koundé (12.) verletzt vom Platz ging. Der für ihn gekommene Alejandro Balde musste ebenfalls angeschlagen ausgetauscht werden (70.). Doch Flicks Mannschaft spielte davon unbeeindruckt selbstbewusst nach vorne, hatte über 70 Prozent Ballbesitz und schoss vier mal so oft aufs Tor wie die Gäste.
"Ich bin enttäuscht, weil wir viele Chancen hatten, mehr Tore zu erzielen, aber wir haben ein großartiges Spiel gemacht", bekannte Flick. "Ich bin stolz auf meine Spieler. Alle haben mit ganzem Herzen für diesen Klub gespielt. Sie haben alles gegeben, sie waren fantastisch." Sie hatten sich nicht nur fußballerisch wieder deutlich gesteigert, sondern spielten auch aggressiv und intensiv. Das war im Hinspiel noch ganz anders gewesen, da hatten sie der Leidenschaft der Rojiblancos nichts entgegenzusetzen.
Aberkanntes Tor aus dem Hinspiel nervt
Sportdirektor Deco, der nach dem ersten Duell stinksauer war, zeigte sich nun versöhnlich: "Uns war klar, dass es sehr schwierig werden würde, einen 0:4-Rückstand aufzuholen. Deshalb habe ich mich auch so über Pau Cubarsís aberkanntes Tor im Hinspiel beschwert. Aber man kann nicht jedes Jahr gewinnen. Mit diesem Kampfgeist können wir von Großem träumen."
Die Szenen um Cubarsis Tor hatten auch Flick massiv verärgert. Dass es lange dauerte, bis der VAR den Treffer aberkannt hatte, bezeichnete der Coach als Katastrophe. "Für mich ist es verrückt, solange zu brauchen, um eine solche Situation zu klären. Sieben Minuten, bitte!", betonte Flick, der aber auch einräumen musste: "Wir haben nicht gut gespielt." Dass haben sie an diesem Dienstag besser gemacht und die Barca-Welt damit wieder kleines bisschen in Ordnung gebracht.
Barca bleiben nun noch zwei Titelchancen in dieser Saison. In der Meisterschaft ist die Mannschaft auch dank der Schwäche des Erzrivalen Real Madrid Spitzenreiter mit vier Punkten Vorsprung. In der Champions League steht Flicks Mannschaft im Achtelfinale und trifft dort in der nächsten Woche auf Newcastle United mit dem deutschen Fußball-Nationalstürmer Nick Woltemade.