Fußball

"Wenn das der Anfang war ..." Thomas Tuchel ist überraschend berauscht

Ein 0:0 gegen Wolverhampton ist unter normalen Umständen nicht der Anspruch eines Thomas Tuchel und schon gar nicht der seines neuen Klubs FC Chelsea. Beide haben gemeinsam Großes vor. Etwas überraschend ist Tuchel mit dem Spiel aber so zufrieden, dass er große Worte wählt.

Nein, eine gnadenlose Überlegenheit alleine bringt keine Punkte, solange sie nicht zu Veränderungen auf der Anzeigentafel führt. Das gilt auch im Fußball und auch für Thomas Tuchel. Der ist unbestritten einer der besten Trainer der Welt. Aber der gerade erst beim FC Chelsea vorgestellte Fußballlehrer wirkt nicht durch Handauflegen, sondern durch akribische Arbeit bis ins letzte Detail des Spiels. Auch deshalb machten die hochambitionierten "Blues" aus 79 Prozent Ballbesitz und 14:4 Torschüssen gegen die Wolverhampton Wanderers nicht mehr als ein 0:0. Das ist zu wenig für das Edelensemble, das erst im Sommer für rund 200 Millionen Euro für die Rückkehr mindestens in die nationale Spitze aufgerüstet worden war.

Tuchel war es nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit erstmal egal. "In der Kabine habe ich gerade gesagt, dass es keinen Platz für Enttäuschung und Zweifel gibt", verriet der Trainer DAZN. "Sehr glücklich" sei er mit der Leistung seiner Spieler gewesen. Nicht entgangen war dem Neuling bei seinem ersten Einsatz in der Premier League, dass der Einsatz bei seinem Team zwar gestimmt habe - "ich glaube, wir hatten 16 Balleroberungen im letzten Drittel" - es aber auch große Probleme beim Kreieren klarer Chancen hatte. Lösungen, die Überlegenheit effektiv zu nutzen, fand der FC Chelsea 90 Minuten lang nicht. "Ich bin gekommen, um mit Chelsea Titel zu gewinnen", hatte Tuchel bei seinem Amtsantritt am Mittwoch den vereinseigenen Medien gesagt. Der Weg dorthin ist weit.

Den Sieg, glaubt Tuchel, hätten möglicherweise Fans an der Stamford Bridge gebracht: "Ich denke, sie hätten bei vielen unserer Halbchancen helfen können", bedauerte Tuchel, dass aufgrund der Pandemie in London weiterhin vor leeren Rängen gespielt wird. "Vielleicht hätten wir dann das eine Tor gemacht, das uns die Räume ein bisschen mehr öffnet." Was er den fehlenden Zuschauern zugetraut hätte, traute Tuchel zumindest am Mittwochabend offensichtlich dem deutschen Nationalstürmer Timo Werner nicht zu: Der ehemalige Leipziger, in London nach verheißungsvollem Start zuletzt überaus glücklos unterwegs, blieb gegen die "Wolves" 90 Minuten auf der Bank. Gegen tiefstehende Gäste, so das offensichtliche Kalkül, hätte der gerne mit ordentlich Anlauf arbeitende explosive Werner wenig ausrichten können.

"Wenn das unser Auftakt war ..."

Seine Aufstellung bezeichnete der neue Coach vor dem Spiel am Sky-Mikrofon als "die wahrscheinlich unfairste Aufstellung, die ich je machen musste", für niemanden im Team habe er eine Erklärung gehabt, warum er nicht spielt. Bei seinem Debüt habe er auf Erfahrung gesetzt, so Tuchel. Denn "wir stehen nicht da, wo wir hingehören. Die Erwartungen sind groß, die Anspannung ist hoch." Anders als Vorgänger Frank Lampard setzte Tuchel zu Beginn seiner Amtszeit auf Spielführer César Azpilicueta, dazu verteidigten die gestandenen Kräfte Thiago Silva und Antonio Rüdiger, im Mittelfeld lief Vize-Kapitän Jorginho und ganz vorne der französische Weltmeister Olivier Giroud auf. Statt Landsmann Timo Werner, der das deutsche Trio mit Rüdiger und Kai Havertz komplettiert hätte, wechselte Tuchel später Tammy Abraham ein.

Nach dem Spiel gab sich Tuchel dann selbst überrascht: "Ich hatte nicht erwartet, dass wir nach einer Trainingseinheit und zwei Treffen auf diesem Level sind", sagte Tuchel, der Paris Saint-Germain in der vergangenen Saison ins Finale der Champions League geführt hatte, der BBC. Natürlich, die Meisterschaft, "die ist weit weg. Wir müssen realistisch sein!" Aber das Spiel gebe ihm "ein gutes Gefühl für die Zukunft". Den Abend, der wenig Zählbares, aber offenbar eine Menge guter Gefühle für Tuchel brachte, beschloss der 47-Jährige mit einer Kampfansage: Wir werden ein Team bauen, gegen das absolut niemand spielen will." Ja, wenn "das unser Auftakt war, bin ich gespannt, wo wir noch landen werden." Jetzt beginnt die Arbeit.

Quelle: ntv.de