Fußball

Nach Sperre nicht im Stadion Tönnies meidet Aufeinandertreffen mit Fans

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Clemens Tönnies trat trotz seiner "Enthaltsamkeitsfrist" bei der Verleihung des NRW-Landesverdienstordens an Manuel Neuer in Erscheinung.

(Foto: imago images/Udo Gottschalk)

In der Nacht zu Donnerstag läuft die Sperre von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies aus. Drei Monate sind seit seiner verbalen Rassismus-Entgleisung vergangen. Er nimmt sein Amt wieder auf, doch ins Stadion des Fußball-Bundesligisten kehrt der 63-Jährige vorerst nicht zurück.

Nach drei Monaten kehrt Clemens Tönnies beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 auf die Kommandobrücke zurück, meidet aber vorerst die Öffentlichkeit. Der Sitzplatz des Aufsichtsratschefs im Stadion bleibt auch im Heimspiel am Samstag (ab 15.30 Uhr beim Bezahsender Sky und im Liveticker bei n-tv.de) gegen Fortuna Düsseldorf leer - wie schon in der gesamten Saison. Nach dem Skandal um seine rassistischen Äußerungen über Afrikaner geht der Fleischfabrikant damit Konfrontationen mit Fan-Gruppen, die seinen Rücktritt fordern, aus dem Weg. Offiziell gibt es aber "berufliche Gründe" für das Fernbleiben des 63-Jährigen, dessen selbst auferlegte Sperre um Mitternacht abläuft.

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Die Fans haben eine klare Meinung.

(Foto: imago images / RHR-Foto)

Die Spiele seines Klubs hatte Tönnies nach dem Eklat im Sommer am Fernseher verfolgt, obwohl nach dem Beschluss des Ehrenrates nur die Sitzungen und die Arbeit im Aufsichtsrat, den er seit 2001 leitet, tabu waren. Schon kurz nach den skandalösen Sätzen beim "Tag des Handwerks" in Paderborn hatten ihm viele Fans demonstrativ die Rote Karte gezeigt.

Beim Erstrundenspiel im DFB-Pokal bei der SV Drochtersen/Assel hatte der Schalker Block fast geschlossen rote Schilder hochgehalten, auf denen "Rassismus" und sein Name stand. Bei seiner Rückkehr in die Arena ist mit weiteren Protesten vor allem der Ultras, die den Milliardär aus Ostwestfalen seit Jahren kritisch beurteilen, zu rechnen. Tönnies wird sich wohl in den kommenden Tagen über die Vereinsmedien äußern, andere Interviews will er nicht geben.

Kritik für Anwesenheit bei Neuers Ehrung

Zuletzt hatte er mit seiner Anwesenheit bei der Verleihung des NRW-Landesverdienstordens an Nationaltorwart Manuel Neuer für Aufsehen und auch Kritik gesorgt. "In den vergangenen 25 Jahren ist es uns gelungen, Schalke 04 in einem sich immer stärker verändernden Fußballgeschäft als ernstzunehmenden Mitbewerber in der Spitzengruppe der Bundesliga zu halten und gleichzeitig unsere Identität zu bewahren. Daran hat Clemens Tönnies in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender einen großen Anteil", sagte Finanzchef Peter Peters. Sportvorstand Jochen Schneider ergänzte: "Clemens Tönnies war derjenige, der mich überzeugt hat, zum FC Schalke 04 zu kommen. Mich hat es vom ersten Moment an beeindruckt, wie sehr sich ein erfolgreicher und vielbeschäftigter Unternehmer für seinen Klub einbringt und wie positiv er Schalke 04 lebt."

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Das Aufeinandertreffen könnte hitzig werden.

(Foto: imago images / RHR-Foto)

Beruflich ist der Fleischfabrikant besonders gefordert. Um eine geplante China-Expansion des Schweine-Schlachtbetriebs gibt es wieder einmal Ärger mit seinem Neffen Robert. Der Sohn des 1994 verstorbenen Schalker Ex-Präsidenten Bernd Tönnies hat ihn verklagt, die Verhandlung ist am Freitag um zwölf Uhr vor dem Landgericht Bielefeld.

Ehrenrat verzichtete auf Rausschmiss

Seit dem 6. August hatte der Schalke-Boss sein Amt ruhen lassen, nachdem er fünf Tage zuvor bei einer Festveranstaltung für einen Skandal gesorgt hatte. In einer Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" empfahl er die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte dabei: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Es folgte ein Aufschrei quer durch Politik und Gesellschaft. Tönnies entschuldigte sich wenig später öffentlich.

Der Schalker Ehrenrat verzichtete auf eine Absetzung des Klubchefs, die Ratsmitglieder erklärten damals, der Vorwurf des Rassismus sei "unbegründet". Auch die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beschäftigte sich mit dem Fall, verzichtete aber ebenfalls auf ein Verfahren. Tönnies habe überzeugend vermitteln können, dass er kein Rassist sei, hieß es. Er habe ehrliche Reue gezeigt.

Quelle: n-tv.de, Thomas Lipinski, sid

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