Fußball

Fußball-Zeitreise, 5.5.1956 Trautmann holt mit Genickbruch den FA-Cup

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Urlaub bei Freunden in Herzogenaurach: Bernhard Carl Trautmann im Sommer 1956.

(Foto: imago/ZUMA Press/Keystone)

Es ist immer noch eine der unglaublichsten Geschichten des Fußballs. Der deutsche Keeper von Manchester City, Bert Trautmann, erleidet eine Viertelstunde vor Ende der Partie einen Genickbruch, wird bewusstlos und spielt dann doch weiter.

Die atemberaubende Geschichte des 5. Mai 1956 machte den Torhüter von Manchester City, Bernhard Carl, genannt Bert, Trautmann zu einer Fußball-Legende. Doch dieser unvergessliche Tag im Mai hatte eine Vorgeschichte - die genau ein Jahr zuvor ebenfalls im Wembley-Stadion von London spielte. Damals stand das Team von Trautmann gegen Newcastle United im FA-Cup-Finale. Eigentlich hätte der deutsche Keeper nicht auflaufen können, weil er sich fünf Tage vor dem Endspiel im Training verletzt hatte.

Trautmann hatte mit ein paar Kollegen in Vorfreude auf das Finale herumgealbert und sich bei einer Showparade am Nacken verletzt. Bis zu seinem Tod konnte Trautmann nicht sagen, was er damals genau gehabt hat, aber für ihn stand ab diesem tragischen Moment im Training fest: Das Endspiel wird ohne mich stattfinden - zu schwerwiegend empfand er selbst seine Verletzung. Doch es kam anders. Ein blinder Physiotherapeut ertastete seinen Nacken, massierte ihn und versprach Trautmann am Ende der Behandlung mit voller Überzeugung: "Kein Problem, du bist im Finale mit dabei!"

"In einem dunklen Tunnel gefangen"

Und so trat Manchester City an diesem Tag tatsächlich mit Trautmann im Tor an. Ein Risiko, das nicht zu unterschätzen war. Denn damals durften die Teams noch keine Auswechselungen vornehmen. Doch beim Keeper ging alles gut. Ein Mitspieler jedoch musste bereits nach 17 Spielminuten verletzt ausscheiden. Mit nur noch zehn Mann egalisierte City zwar kurz vor der Halbzeit den früheren Rückstand, doch in der zweiten Spielhälfte ließ die Mannschaft von Newcastle United der dezimierten Truppe aus Manchester keine Chance mehr und gewann schlussendlich die Partie mit 3:1.

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Finale gegen Birmingham: Trautmann am 5. Mai 1956 in Aktion.

(Foto: imago sportfotodienst)

Nur ein Jahr später stand Manchester City erneut im FA-Cup-Finale. Dieses Mal hieß der Gegner im Londoner Wembley-Stadion Birmingham City und am Ende entschied das Team aus Manchester die Begegnung mit 3:1 für sich. Doch das Ergebnis spielt in den Geschichten über dieses Endspiel nur noch eine untergeordnete Rolle. Zu spektakulär ist das, was sich an diesem Tag rund um den deutschen Torhüter Bert Trautmann abspielte. Eine knappe Viertelstunde vor dem Ende der Partie knallte der Keeper von Manchester City mit dem gegnerischen Stürmer Peter Murphy zusammen. Oberschenkel und Knie des Angreifers von Birmingham trafen Trautmann im oberen Bereich der Schulter. Er sank bewusstlos zusammen. Dann rappelte er sich wieder auf, spielte weiter und brach in der Folge noch zweimal für kurze Augenblicke bewusstlos zusammen. Trautmann war die restliche Zeit der Partie, wie er selbst es einmal ausdrückte, in "einem dunklen Tunnel gefangen". An diese Minuten des Spiels hatte er später keine Erinnerung mehr. Erst wenige Sekunden vor Schluss kam das volle Bewusstsein zurück.

Dass er die Begegnung zu Ende spielte, hing wesentlich mit den Ereignissen ein Jahr zuvor zusammen. Damals hatte er seine Verletzung am Nacken, wie er glaubte, selbst auch als viel zu schwerwiegend eingeschätzt. Nun wollte und musste er durchhalten – denn eine Auswechselung wie im letztjährigen Finale gegen Newcastle durfte einfach nicht sein. Und so spielte Bert Trautmann die Partie nicht nur bis zum Ende durch, sondern holte sich anschließend auf der Tribüne auch noch die Glückwünsche zum Pokalgewinn ab. Auf den Bildern lächelt Trautmann - doch immer wieder fasst er sich an den Nacken. Als Prinz Philipp ihn fragte, wie stark die Schmerzen denn seien, meinte Trautmann grinsend: "Alles nicht so schlimm. Es fühlt sich ein wenig so an wie Zahnweh."

Gipskorsett mit Schrauben im Kopf

Die nächsten Stunden und Tage nach dem Finale sind in ihrer Dramatik kaum zu überbieten. Am Abend nahm Trautmann am Festbankett teil, fühlte sich aber – verständlicherweise – nicht gut. Als er am nächsten Morgen ins Krankenhaus ging, war es Sonntag und die Ärzte, die Dienst hatten, waren jung und unerfahren. Nach dem Röntgen stellten sie nur eine leichte Sehnenversteifung fest und schickten ihn direkt zum Empfang der Mannschaft. Dort traf Trautmann auf seinen Vorgänger im Tor von City, Frank Swift. Im Überschwang der Freude haute ihm der Ex-Keeper auf die Schulter.

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Bert Trautmanns Körper durchzog ein tiefer Schmerz - doch sein Leiden hatte noch lange kein Ende. Sein Verein schickte ihn zu einem Osteopathen und dieser versuchte Trautmanns Wirbel wieder einzurenken. Dem Keeper von Manchester City wurde bei diesem äußerst schmerzhaften Prozedere schwarz vor Augen. Durch einen glücklichen Zufall überredete am Nachmittag desselben Tages ein Bekannter der Familie Trautmann zu einem Besuch einer Privatklinik. Dort wurde festgestellt, dass der Torhüter im Endspiel einen Genickbruch erlitten hatte.

Noch an Ort und Stelle wurde Bert Trautmann ein Gipskorsett mit Schrauben im Kopf verpasst. Drei Wochen durfte er sich gar nicht bewegen, nach fünf Monaten wurde ihm das Korsett entfernt und bereits nach sieben Monaten stand er für City wieder auf dem Platz. Noch bis 1964 spielte Trautmann für seinen Verein. 2007 wählten ihn die Fans zum besten Spieler aller Zeiten von Manchester City. Die unglaubliche Geschichte des 5. Mai 1956 war für diese Auszeichnung sicherlich nicht ganz unwesentlich.

Quelle: n-tv.de

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