Fußball

Schlüsselspieler der Niederlande Virgil van Dijk - geehrt, verehrt, gefürchtet

Die niederländische Abwehrkante Virgil van Dijk überstrahlt im Weltfußball derzeit Superstars wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Der Profi vom FC Liverpool erhält eine Ehrung nacheinander. Nicht nur die deutschen Spieler begegnen ihm vor dem Duell in der EM-Qualifikation mit Respekt.

Die niederländische Zeitung "De Volkskrant" war am Tag danach ziemlich erschüttert. Überflüssig fanden die Kollegen die Heim-Niederlage von Oranjes Fußballern in der EM-Qualifikation gegen Deutschland (2:3) am 24. März. Und auch ein bisschen dumm sei sie gewesen, diese Pleite. Tatsächlich ließ sich die gefeierte Abwehr um das Supertalent Matthijs de Ligt und den wohl derzeit besten Verteidiger der Welt, Virgil van Dijk, in der ersten Halbzeit von Leroy Sané und Serge Gnabry zweimal überraschend leicht überrumpeln. Vor dem 0:1 rutschte de Ligt weg, vor dem 0:2 gab van Dijk eher den Beschützer, als den Bekämpfer. Und auch beim späten Siegtreffer durch Nico Schulz wirkte der Liverpooler Abwehrchef leicht desorientiert.

"Wenn man die erste Halbzeit des letzten Spiels sieht, dann war das nicht gut genug", sagt der 28 Jahre Hüne im exklusiven Interview mit n-tv und RTL. "In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht. Wir haben es als ganzes Team viel besser gemacht. Wir haben das Spiel analysiert und können das Gelernte nun hoffentlich umsetzen." Nun, das bedeutet an diesem Freitagabend in Hamburg (20.45 Uhr bei RTL sowie im Liveticker bei n-tv.de). Im ausverkauften Volksparkstadion geht es in der EM-Qualifikation um die nächsten drei Punkte. Und der Druck liegt bei den Gästen. Zwar haben diese erst zwei Spiele bestritten und neben der Hinspielpleite gegen Deutschland ein souveränes 4:0 gegen Weißrussland eingefahren. Allerdings ist der Rückstand auf den ungeschlagenen Tabellenführer aus Nordirland bereits groß. Die "Green & White Army" hat ihre vier Duelle mit ebenfalls Weißrussland und Estland allesamt gewonnen.

Deutschland - Niederlande, Freitag 20.45 Uhr

Deutschland: Neuer - Ginter, Süle, Tah - Klostermann, Kimmich, Kroos, Schulz - Reus, Gnabry, Werner (Brandt); Trainer: Löw.
Niederlande: Cillessen - Veltman, de Ligt, van Dijk, Blind - de Roon, de Jong, Wijnaldum - Promes, Depay, Babel; Trainer: Koeman.
Stadion: Volksparkstadion (Hamburg)
Schiedsrichter: Soares Dias (Portugal)

Allerdings ist es auch so: Die beiden Erstplatzierten dieser Gruppe, die DFB-Elf ist mit drei Siegen aus drei Spielen Zweiter - sind bei der Europameisterschaft 2020 auf jeden Fall dabei. Und im schlechtesten Fall hätte Oranje selbst als Gruppendritter noch stabile Chancen auf die Teilnahme an den Play-offs im März kommenden Jahres. Dann werden in vier Viererturnieren die letzten vier der insgesamt 24 Berechtigungen für die kontinentale Meisterschaft ausgespielt. "Wir wollen uns für die EM qualifizieren, egal wie. Wir werden gegen Deutschland auf Sieg spielen und gucken, was wir holen können", sagt van Dijk. Naiv ins neue, deutsche Tempospiel werden die Niederländer aber nicht laufen. Zu viel Qualität sieht er bei der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw. "Sie haben fantastische Spieler, wir müssen in jeder Sekunde hellwach sein. Aber wir wollen zeigen wozu wir fähig sind, wir haben ein großartiges Team, wir können es ihnen sehr schwer machen."

Ein "brutaler Schrank"

Ganz besonders van Djik selbst. Vor dessen stattlichen 193 Zentimetern und 92 Kilogramm haben die deutschen Angreifer massig Respekt. Allein durch seine körperliche Präsenz strahlt er eine natürliche Autorität aus. "Wenn man neben ihm steht", sagt RB Leipzigs Timo Werner, "wird es relativ schnell dunkel". Bayerns Gnabry nennt den Modellathleten, der zu Beginn seiner Profikarriere bei Willem II tatsächlich mal mit einem Pizza-und-Pommes-Laster zu kämpfen hatte, gar einen "brutalen Schrank".

Kürzlich, so sagte es eine viel beachtete Statistik, wurde der Koloss zum ersten Mal seit über einem Jahr ausgedribbelt! Arsenals Rekordtransfer Nicolas Pepe, vor dieser Spielzeit für 80 Millionen Euro vom OSC Lille gekommen, war demnach mit seiner Aktion in der siebten Minute des Premier-League-Duells zwischen den "Gunners" und van Djiks "Reds" der erste Fußballer nach 50 Ligaspielen, der den Niederländer überwand. "Wenn man so etwas hört, ist man schon beeindruckend", sagt Werner. Auch in der Heimat des 28-Jährigen sind sie beeindruckt. "Er ist im Moment das Aushängeschild des holländischen Fußballs, gerade auch, weil er jetzt zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde und als Weltfußballer nominiert ist. Das ist gut für uns, dass wir da mal wieder jemanden stellen", sagte Roy Makaay dem Portal Sportbuzzer.

Der ehemalige Stürmer des FC Bayern vergleicht van Dijk mit den härtesten Gegenspielern in seiner Zeit zwischen 1993 und 2010. "Ich hatte es mit Roberto Ayala zu tun, mit dem jungen Sergio Ramos - Marco Materazzi! Seine harte Gangart wäre heutzutage gar nicht mehr möglich mit dem Videobeweis, gehörte aber damals einfach dazu. Ich habe immer versucht, in Bewegung zu sein, dass sie einen gar nicht erst treten konnten. Vom Namen ist van Dijk heute sicher aus derselben Liga."

"Er wurde viele Jahre ein bisschen unterschätzt. Aber die letzten zwei, drei Jahre ist er bei Liverpool der Fels in der Brandung, und auch in der Nationalmannschaft", sagt Bundestrainer Löw. "Van Dijk ist extrem kopfballstark, extrem zweikampfstark, er hat ein sehr gutes Auge, und in der Spielauslösung ist er die letzten Monate stark gewesen." Ein kompletter Abwehrspieler sei er. Ein Vorbild gar für Niklas Süle, den neuen deutschen Abwehrchef. Laut Löw müsse man schon sehr viel "investieren, wenn man ihn aus dem Gleichgewicht bringen will." Einmal haben die Deutschen ja bereits gezeigt, wie es geht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema