Fußball

Regelkonform, dennoch kurios Warum Schalkes Coach wirklich Rot sah

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"Ich habe null Erklärung für die Rote Karte", sagte David Wagner direkt nach dem Spiel. Nun weiß er Bescheid.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

In der zwölften Minute der Verlängerung des Pokalspiels zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC sieht Trainer David Wagner die Rote Karte. Der Schalker weiß nicht, warum - und auch sonst herrscht vorerst Rätselraten. Nun hat sich der Schiedsrichter erklärt. Fragen aber bleiben.

Nein, David Wagner wusste nicht, warum er in Minute 102 des DFB-Pokal-Achtelfinals zwischen seinem FC Schalke 04 und Hertha BSC die Rote Karte gezeigt bekam. "Ich habe null Erklärung dafür", klagte er nach dem dramatischen 3:2 (2:2, 0:2)-Erfolg, der von rassistischen Fan-Anfeindungen gegen den jungen Berliner Jordan Torunarigha überschattet worden war. Der diskriminierte Abwehrspieler hatte in der 100. Minute für einen Moment die Beherrschung verloren. Nach einer extrem harten Grätsche von Omar Mascarell vor der Bank des Gegners hatte der 22-Jährige sich eine Wasserkiste gegriffen und sie vor Schalkes Trainer auf den Boden geschmissen - dafür hatte er die Gelb-Rote Karte gesehen.

Während die Entscheidung inhaltlich klar war, auch wenn die Herthaner Schiedsrichter Harm Osmers mangelndes Fingerspitzengefühl angesichts der rassistischen Rufe vorwarfen, so sorgte der Platzverweis für Wagner für Ratlosigkeit. Eine Tätlichkeit, so der Verdacht. Tatsächlich fand sich die Hand des 48-Jährigen kurzzeitig am Hals von Torunarigha. Aber der Trainer beteuerte glaubhaft, dem Spieler nur aufhelfen zu wollen. Mehrere Videobilder stützen diese Aussage. Die Bilder hatte sich auch Osmers angeschaut. Umso überraschender wirkte seine Entscheidung. Eine Tätlichkeit hatte der Schiedsrichter indes gar nicht gesehen, auch wenn dieses Vergehen auf dem Videowürfel in der Arena angezeigt worden war. Die Ansage, was geprüft wird, kommt aus Köln, vom Videoschiedsrichter.

"Passus in der Regel ist noch relativ neu"

Dem "Kicker" hat der 35-Jährige nun erklärt, warum er Wagner Rot gezeigt hatte. "Für mich war [...] maßgeblich, dass er durch sein Verhalten die Spielfortsetzung verzögert hat. Rot wegen einer Tätlichkeit kam nicht in Betracht", sagte Osmers. Er könne allerdings auch verstehen, "dass diese Rote Karte in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Der Vorgang ist für einen Außenstehenden schwierig nachzuvollziehen, weil dieser Passus in der Regel noch relativ neu ist und es erst wenige Referenzfälle gibt". Die Erklärung von Osmers wirkt einigermaßen kurios, sie passt nämlich nicht zur offiziellen Ansage aus Köln im Stadion. Und sie passt auch nicht zu dem, was der Unparteiische dem Trainer noch gesagt haben soll. Demnach habe er ihm, so Wagner, noch "während des Spiels gesagt, dass ich Torunarigha am Nacken gepackt habe".

Tatsächlich ist die Entscheidung von Osmers durch die Regeln gedeckt. Unser ntv.de-Schiedsrichterexperte Alex Feuerherdt erklärt: "Grundsätzlich ist es so, dass die Verzögerung der Spielfortsetzung des Gegners durch einen Spieler der anderen Mannschaft mit Gelb zu bestrafen ist." Bei Teamoffiziellen gelten indes andere Regeln, ein vergleichbares Vergehen wird deutlich härter sanktioniert, weil diese mit Geschehen auf dem Platz nichts zu tun haben. So gilt Regel zwölf des offiziellen Regelwerks. Feuerherdt, der auch die Kolumne "Collinas Erben" schreibt, erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: "Verzögert ein Offizieller das Spiel der eigenen Mannschaft sieht er Gelb. Verzögert er das Spiel der gegnerischen Mannschaft sieht er Rot." Also alles richtig gemacht? Nun: "Ich würde die Aktion von Wagner nach Ansicht der Bilder immer noch anders interpretieren", so Feuerherdt.

Quelle: ntv.de, tno