Fußball

Bayern gegen BVB nur neben dem Platz interessant Wenn das Topspiel zur Pflichtaufgabe wird

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Es war die Szene des Hinspiels: Ex-BVB-Star Mario Götze entschuldigt sich geradezu für seinen Treffer gegen die alten Kollegen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Um die Fußball-Vorherrschaft geht es nicht, die ist bereits geklärt, wenn heute Bayern und Dortmund aufeinandertreffen. Abseits des Spiels geht es aber rund: Die Bosse gehen aufeinander los, die Trainer nörgeln - einzig Thomas Müller hat Lust, Fußball zu spielen.

Stell dir vor, es ist Topspiel, und keinen interessiert's: Wenn der FC Bayern München am Samstag (18.30 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) auf Borussia Dortmund trifft, ist das Duell aus sportlicher Sicht so interessant, wie Unkraut beim Wachsen zuzuschauen. Vor dem Klassiker geht es offenbar nur noch darum, den jeweiligen Rivalen eine verbale Ohrfeige zu verpassen.

Was waren das noch für Zeiten, als sich die Borussia aus Dortmund und der FC Bayern aus München auf dem Platz um Bundesliga-Punkte beackerten. Exakt vor zwei Jahren traf der BVB am 30. Spieltag auf die damals zweitplatzierten Bayern. Obwohl nur ein Tor fiel, war es ein Spiel, das den Zuschauern in Erinnerung bleiben sollte: Während Arjen Robben beste Chancen ausließ und kurz vor Ende sogar noch einen Elfmeter verschoss, traf Robert Lewandowski und stellte die Weichen für die zweite Dortmunder Meisterschaft in Folge.

"Sensationell guter Zeitpunkt"

Die Chancen, dass die Zuschauer wieder ein Fußball-Fest zu sehen bekommen, sind gering. Die DFL hatte es mit den Fußball-Fans zwar gut gemeint, als sie das Topspiel vor der Saison wieder für den 30. Spieltag terminierte, nur konnten die Planer nicht davon ausgehen, dass der Titel schon vergeben ist. Trennten Dortmund und Bayern vor zwei Jahren vor dem direkten Duell nur 3 Punkte, sind es heute 20 Zähler. Da liegt es in der Natur der Sache, dass die Vorfreude auf den Klassiker nicht mehr allzu groß ist - was allerdings noch nett ausgedrückt ist.

BVB-Trainer Jürgen Klopp macht keinen Hehl daraus, dass er nicht die geringste Lust hat, sich mit den Bayern zu messen. "Einfach ein sensationell guter Zeitpunkt für das Spiel gegen Bayern München - zwischen Madrid und Wolfsburg", sagte Klopp in seiner gewohnt ironischen Art und ließ offen, ob er rotiert und möglicherweise nur die zweite Garde aufstellt. Sein Kollege Pep Guardiola hält es ähnlich. Für den Bayern-Coach zählt nur die Verteidigung des Triples. Mit Blick auf das Halbfinale im DFB-Pokal wird er genauso wie Klopp kein Risiko eingehen wollen, einen Leistungsträger in den Wochen der Wahrheit zu verprellen.

Müller verspricht "gewisse Würze"

Und so geht es im Vorfeld des Topspiels schon lange nicht mehr ums Sportliche, sondern darum, den Rivalen ins schlechte Licht zu stellen. Hans-Joachim Watzke hatte Anfang der Woche behauptet, die Bayern hätten 2005 den damals finanziell angeschlagenen BVB zwar einen Kredit gewährt, allerdings zu ziemlich hohen Zinsen. "Was Herr Watzke da behauptet hat, ist die absolute Unwahrheit", lautete der Konter vom designierten Bayern-Präsidenten Karl Hopfner, der - angesprochen von der "Sport Bild" auf die berühmte Romanfigur - noch einen drauf setzte: "Den Baron von Münchhausen sehe ich da schon als eine andere Figur. Damit wäre Herrn Watzke ja noch geschmeichelt. Und das will ich in diesem Fall absolut vermeiden."

Weil ein Wort das andere gibt und der BVB-Geschäftsführer offenbar (zu) viel Zeit für Interviews hat, meldete sich Watzke im "Kicker" zu Wort. Er räumte zwar ein, dass der Zinssatz niedriger gewesen sei als in "einer spontanen Reaktion" behauptet, schoss aber umgehend Richtung München zurück: "Ich kann ehrlich gesagt mit Blick auf unsere Geschichte und die Vita der handelnden Personen allerdings in keiner Weise erkennen, dass Borussia Dortmunds Verantwortliche - im Vergleich zu denen des FC Bayern München - ein Glaubwürdigkeitsdefizit aufweisen würden." Laut Bayerns Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge sind solche Aussagen nur verständlich: "Ich glaube, ein morgendlicher Blick auf die Tabelle würde mich auch nicht unbedingt fröhlich stimmen."

Im Zwist der Verantwortlichen war unter der Woche mehr Feuer drin, als es am Samstag wohl auf dem Rasen der Allianz Arena sein wird. Was hoffen lässt, ist einerseits die Möglichkeit, dass Dortmund und Bayern im Pokal-Finale noch aufeinander treffen können und sich dann auch endlich wieder sportlich messen, und andererseits der Fakt, dass es noch Typen wie Thomas Müller gibt. Der Mittelfeldspieler der Bayern verspricht den Fußball-Fans einen heißen Tanz: "Es geht ums Prestige. Das wird für uns kein immens wichtiges Spiel, aber wenn es gegen Dortmund geht, ist doch immer eine gewisse Würze dabei."

Quelle: n-tv.de, sport.de