Fußball

Betrieb bleibt lahmgelegt Werder fühlt sich vom Senat "bloßgestellt"

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Florian Kohfeldt kann derzeit nur eingeschränkt am Klassenerhalt arbeiten.

(Foto: imago images/foto2press)

Die Fußball-Bundesliga ist derzeit auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Trotzdem müssen die Klubs trainieren und fangen in dieser Woche damit wieder an. Außer: Werder Bremen. Der Bremer Senat bremst den Abstiegskandidaten weiter aus.

Auf den Fußballplätzen neben dem Bremer Weserstadion geht es derzeit ruhig zu. Keine Journalisten, die neben dem Grün auf ein Interview warten, keine Fans, die nach dem Training auf Autogrammjagd gehen. Nur vereinzelt trabt ein Profi über den Rasen. Während andere Bundesligisten ab Montag langsam wieder mit dem Training beginnen, wenn auch in Kleinstgruppen, muss sich der Profi-Kader von Trainer Florian Kohfeldt weiter individuell beschäftigen. Der Grund: Der Bremer Senat lehnt es bisher ab, eine Ausnahmegenehmigung für die Wiederaufnahme des Trainings zu erteilen.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte seinen Mitgliedern aus Bundesliga und 2. Liga empfohlen, das Training am 6. April wiederaufzunehmen - solange die Behörden es zulassen. Und diese Entscheidung ist Ländersache. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sagt: "Wir halten den Ball flach." Im Hinblick darauf, dass der Hamburger SV und St. Pauli im 130 Kilometer entfernten Hamburg wieder trainieren dürfen und Bremen das einzige Bundesland ist, das bisher auch noch am Demonstrationsrecht festhält, wirkt die weitere Aussetzung des Fußballtrainings etwas überraschend. Und kommt für die Grün-Weißen, die mitten im Abstiegskampf stecken, zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

"Wir befinden uns in dem Spannungsfeld, dass Mitkonkurrenten an anderen Standorten bereits seit Längerem im Gruppentraining arbeiten. Wir hoffen, hierbei keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, sondern würden eine bundesweit einheitliche Lösung begrüßen", sagte Florian Kohfeldt, fügte aber auch hinzu, dass "der Fußball sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und alle Maßnahmen entsprechend den geltenden Verordnungen und Gesetzen erfolgen. Wir werden weiterhin die Vorgaben der Behörden in allen Bereichen vollumfänglich umsetzen."

"Nachweislich falsch"

Werder Bremen fühlt sich vom Senat "bloßgestellt", sagte Klub-Manager Frank Baumann gegenüber dem "Weser-Kurier". Zuvor hatte Mäurer einen Auszug aus einem mehrseitigen Werder-Antrag auf einer Pressekonferenz vorgelesen, "ohne sich seit der Antragstellung mit uns abzustimmen", so Baumann. Die Pressekonferenz machte für Baumann den Eindruck, "dass wir den Ernst der Lage nicht erkannt haben und die Gesundheit der Allgemeinheit aufs Spiel setzen". Und legte nach: Dies sei "nachweislich falsch". Werder habe "lange bevor es behördliche Regelungen gab" Maßnahmen für die Einhaltung von Sozialdistanz getroffen, etwa durch die Verlegung des Trainings ins Stadion.

Mäurer kritisierte bereits am Freitag die Empfehlung der DFL, das Training am 6. April wieder aufzunehmen - falls die Behörden denn mitspielen. "Das ist kein wirklich gutes Signal an die Republik", befand er. Die Entscheidung, wie und ob auch Werder Bremen wieder in der Mannschaft, oder zumindest in Kleingruppen trainieren darf, ist für Anfang der Woche angekündigt. Und für diese Entscheidung wolle sich Mäurer auch bei den anderen Bundesländern erkundigen, wie das Thema dort behandelt wird, um eine "einheitlich abgestimmte, bundesweite Vorgehensweise" zu erzielen.

Spieler halten sich im Kraftraum fit

In der Vorbereitung auf die Wiederaufnahme des Abstiegskampfes bleibt Werder deshalb weiterhin nur individuelles Training zu Hause und im Kraftraum sowie individuelle Einheiten auf dem Platz - weit weg von den Trainern und Mitspielern. "Die Spieler haben einzelne Trainingstermine, an denen sie entweder auf dem Platz oder im Kraftraum individuell arbeiten. Darüber hinaus haben sie ein individuelles Laufprogramm zu absolvieren", beschrieb Kohfeldt den Inhalt der nächsten Trainingstage.

Für Mäurer sowieso ausreichend: Fußballern sei doch erlaubt, "so viel zu laufen, wie sie können", sagte er. Dass das gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf allerdings nicht ausreichen dürfte, ließ er außen vor. Augsburg zum Beispiel hat schon zu einem frühen Zeitpunkt wieder mit dem Training begonnen und in dieser Woche ziehen andere Teams wie der FC Bayern und auch Schalke nach. Bei allen Klubs geschieht das in enger Absprache mit den lokalen Gesundheitsbehörden und der Politik - und deshalb ist auch Werder Bremen auf ein klares Votum des Bremer Senats angewiesen.

Update: Werder Bremen darf ab sofort in kleinen Gruppen von bis zu vier Personen unter freiem Himmel trainieren. Das hat Bremens Innensenator Ulrich Mäurer am Montagnachmittag entschieden. "Das ist aus sportlicher Sicht für uns eine positive Entscheidung und ein wichtiger Schritt, nachdem die Spieler in den letzten drei Wochen nahezu ausschließlich zuhause trainiert haben", freute sich Werder-Manager Frank Baumann. Weiterhin werde Werder ohne Körperkontakt trainieren und die Abstandsregeln einhalten und auch weiterhin auf die Einhaltung aller relevanten Hygieneanforderungen achten, so Baumann weiter. Die Genehmigung gilt vorerst bis zum 19. April.

Quelle: ntv.de