Fußball

Schizophren, Scheiße, saumäßig Werder verzweifelt an sich

Abstiegskampf statt Champions League - bei Werder Bremen geht es nach dem 0:3 in Köln nur noch ums sportliche Überleben. Der ratlose Coach Thomas Schaaf muss sich fragen lassen, wie lange er sich den Job noch antun will. Beim FC wächst derweil der Glaube an den Klassenerhalt.

2vqk3042.jpg4926308167810851113.jpg

In Köln standen zwar elf Bremer auf dem Platz. Von einer Werder-Mannschaft war jedoch nichts zu sehen.

(Foto: dpa)

Den drastischen Worten nach dem Spiel zufolge haben bei Werder Bremen alle den Ernst der Lage erkannt. Auf dem Feld sah das beim 0:3 (0:2) beim 1. FC Köln allerdings ganz anders aus. Ein offenbar zerstrittener Haufen von Fußball-Millionären ergab sich ohne Kampf und Gegenwehr in sein Schicksal. Und so steckt der langjährige Champions-League-Stammgast plötzlich mitten im Abstiegskampf, statt um den Titel geht es um Schadensbegrenzung.

"Es geht ganz klar nur noch gegen den Abstieg", stellte Torhüter Tim Wiese klar und ergänzte: "Es gibt keine Erklärung für die Scheiße, die wir machen." Und Clemens Fritz, Nationalspieler a.D., ergänzte: "Wir haben uns unter aller Sau präsentiert. Wenn wir so auftreten, muss uns angst und bange werden."

In der Tat: Wer die Bremer in Köln auf und neben dem Spielfeld beobachtete, muss sich ernsthaft Sorgen machen um den Verein, der in den vergangenen Jahren als Vorzeigeklub für solides und erfolgreiches Arbeiten galt. Das Team präsentierte sich als Mischung aus Unfähigkeit (Pasanen), Lustlosigkeit (Arnautovic, Pizarro) und Altersschwäche (Frings, Silvestre). Auch Differenzen zwischen den Spielern traten deutlich zutage. Als zehn Bremer zu ihren Fans in die Kurve gingen, um sich auspfeifen zu lassen, fehlte ausgerechnet der in die Kabine gerauschte Kapitän Frings. Und Wiese schimpfte: "Hier verstecken sich alle."

Zermürbt und ratlos

2vqk2001.jpg1320445892234001289.jpg

Ratlos und zermürbt: Thomas Schaaf, Trainer von Werder Bremen.

(Foto: dpa)

Vielleicht ist auch das der Grund, warum Trainer Thomas Schaaf zermürbt und niedergeschlagen wirkte. Auf der Pressekonferenz musste er sich bereits fragen lassen, wie lange er sich "das noch antun" wolle. "Es geht nicht um mich, ich bin nicht so wichtig", sagte er ausweichend: "Wir haben Fans und Freunde, die wir über Jahre gewonnen haben, enttäuscht. Wir müssen wieder da hinkommen, sie zu erfreuen. Ob ich das mache oder ein anderer, ist nicht so wichtig. Hauptsache, wir kommen wieder dahin."

Wie das gelingen soll, schien Schaaf nach dem Spiel noch nicht zu wissen. "Es klingt schizophren, aber wir haben gut trainiert", versicherte er: "Wir haben gewusst, dass es kein leichter Weg wird, aber so eine Leistung haben wir nicht erwartet." Auf die Frage, was gefehlt habe, sagte er: "Alles, und das ist nicht nur ein Wort."

Auch Geschäftsführer Klaus Allofs wirkte ratlos. "Es ist nicht zu erklären. Wir haben unseren Augen auch nicht getraut, was sich hier abgespielt hat", sagte er: "Das war ein grausames Spiel. Kein Kampf, kein Wille, kein Glaube." Dass in der nächsten Woche ausgerechnet die erstarkten Bayern warten, sei "fast schon ein Segen". Was Werder in den nächsten Wochen und Monaten erwartet, ist Allofs, der in dieser Saison schon zahlreiche erzieherische Maßnahmen ausprobierte, diesmal aber "keinerlei Strafen" ankündigte, klar: "Wir sind längst nicht raus aus dem Abstiegskampf."

In Köln wächst der Glaube

2vqk5238.jpg2410641978307920542.jpg

Überragend gegen Bremen: Lukas Podolski spielte wie ein echter Kapitän und traf wie zu besten Zeiten.

(Foto: dpa)

Das sind auch die Kölner nicht, doch der Auftritt der im Winter durch vier Neuzugänge verstärkten Elf macht Mut. Vor allem Nationalspieler Lukas Podolski blüht als neuer Kapitän auf. Zweimal traf er (7./84.), das dritte Tor erzielte Adam Matuschyk (33.).

"Das war auch ein Sieg gegen den Anwalt hier aus Köln", sagte Podolski mit Bezug auf eine Opposition gegen Präsident Wolfgang Overath: "Das hat mich noch mal extra motiviert." Mit seiner Leistung zeigte er auch, dass er unbedingt in Köln bleiben will. Denn ein Abgang im Falle des Abstiegs scheint sicher, die Ablösesumme ist auf angeblich fünf Millionen festgeschrieben. Mit dem vermeintlichen 15-Millionen-Angebot des russischen Meisters Zenit St. Petersburg hat sich Podolski aber nie ernsthaft beschäftigt. "Ich habe nie gesagt, dass ich da hin will", erklärte er lapidar: "Ich kann nichts dafür, wenn einer Interesse an mir hat."

Quelle: ntv.de, sid