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Wenn Tradition nur schadet Wie sich der 1. FC Kaiserslautern zerlegt

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Klatsche im Emsland: Mit 1:6 verlor der 1. FC Kaiserslautern beim SV Meppen. Da hat sich die knapp 500 Kilometer lange Anreise ja gelohnt.

(Foto: imago images / Werner Scholz)

Beim 1. FC Kaiserslautern sorgt das hektische und gleichzeitig verwöhnte Umfeld dafür, dass Mannschaft und sportlicher Führung die Zeit fehlt, um sich in der dritten Fußball-Liga zu entwickeln. Die Bedeutung des Klubs für die Region wirkt wie ein Hemmschuh.

Christoph Hemlein möchte erst gar nicht den Eindruck entstehen lassen, dass irgendjemand anderes als seine Kollegen und er den entscheidenden Anteil an der Malaise haben. "Was draußen passiert, darf uns nicht interessieren", sagt der Kapitän des 1. FC Kaiserslautern an diesem Mittwoch, einem herrlich sonnigen Spätsommertag. Der FCK hat den Saisonauftakt in der dritten Fußball-Liga verpatzt und Wogen der Emotionen rund um den Traditionsverein ausgelöst. Die Niederlagen zuletzt halfen nicht, das nervöse Umfeld zu beruhigen.

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Immerhin, in der ersten Runde des DFB-Pokals gewann der 1. FC Kaiserslautern gegen den 1. FSV Mainz 05, hier Kapitän Christoph Hemlein. In der zweiten Runde geht es am 30. Oktober gegen den 1. FC Nürnberg.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Das verlangt mehr als einen Mittelfeldplatz in der Drittklassigkeit, im Moment wird nicht weniger als der Aufstieg erwartet. "Wer damit nicht umgehen kann, darf nicht hier spielen", sagt Hemlein, der in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions sitzt und über den sportlichen Niedergang des Klubs sprechen muss. Der Betzenberg als Heimat des 1. FC Kaiserslautern erhebt sich als Hügel über der Stadt. Die Arena verkörpert die Geschichte des Klubs und die Bedeutung des Vereins für die Region.

Kaiserslautern ist der FCK. Der Klub bewegt und berührt noch immer viele Menschen, daran hat auch der Abstieg aus der zweiten Liga im Frühjahr 2018 nichts geändert. Beim Weg zurück aus der Drittklassigkeit wirkt diese Tatsache mitunter als Hemmschuh. Der gesamte Verein findet nicht zu der Ruhe, die nötig wäre, um das brachliegende Potenzial, die Kraft der Roten Teufel nutzbar zu machen. Der Verein hat am Samstag eine der dunkelsten Stunden seiner Geschichte erlebt.

Die Lauterer verloren beim SV Meppen nicht nur ein Drittligaspiel, sondern gingen beim 1:6 im Emsland unter und zementierten den schlechten Saisonstart. Der Klub hat den Anspruch und die finanziellen Voraussetzungen, um den Aufstieg zu kämpfen. Nach acht Spieltagen ist der 14. Platz zu wenig, um die internen wie externen Erwartungen zu befriedigen. Sascha Hildmann musste gehen. Der 47 Jahre alte Trainer hatte es nicht geschafft, eine Ansammlung starker Einzelspieler zu einer Einheit zu verschmelzen. Deshalb half ihm sein Stallgeruch, Hildmann stammt aus Kaiserslautern und stand als Jugendlicher in der Fankurve auf dem Betzenberg, am Ende nicht mehr. Martin Bader, Geschäftsführer Sport, bedankte sich wie in solchen Fällen üblich für den Einsatz des Trainers und machte sich auf die Suche nach dem nächsten. Das ist Usus im Profifußball.

Verblichener Ruhm und sportlicher Tristesse

Die Schwierigkeit für den erfahrenen Bader ist jedoch, dass sein eigener Vertrag beim FCK am Jahresende ausläuft und im Moment zweifelhaft ist, ob er verlängert wird. Investor Flavio Becca, der den Klub im Sommer vor einer Insolvenz bewahrte und ursprünglich als Baders Befürworter galt, sieht dessen Wirken inzwischen kritischer. Deshalb ist unklar, ob der Manager, dessen Auswahl des neuen Trainers elementar für die nahe Zukunft ist, in seiner Entscheidung frei und unbelastet ist. Ihm dürfte die Ruhe fehlen, um zukunftsorientiert handeln zu können. Zumindest geistern bereits mögliche Wunschkandidaten des Investors für die Besetzung des Trainerpostens durch die Medien. Unabhängig davon, wer letztlich der Neue wird - er muss sofort funktionieren, ansonsten grummeln Fans und Geldgeber weiter.

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Die älteren Fans erinnern sich noch.

(Foto: imago sportfotodienst)

Der 1. FC Kaiserslautern ist nicht der einzige traditionsreiche Verein mit ruhmreicher Vergangenheit, der nach einem sportlichen Absturz gegen die hohen bis übergroßen Erwartungen des Umfelds ankämpfen und sich gegen Ratschläge von ehemaligen Spielern sowie Funktionären wehren muss. Bei den Pfälzern wirkt die Mischung aus verblichenem Ruhm und sportlicher Tristesse der Gegenwart aber deshalb wie ein Brennglas, weil der Zeitraum zwischen den Extremen relativ kurz ist. Vor 21 Jahren wurde der FCK Deutscher Meister und stand im Frühjahr 2001 noch im Halbfinale des Uefa-Pokals. Das bedeutet, dass viele Zuschauer im Stadion dabei waren, als die Roten Teufel große Spiele spielten, was es jetzt noch schwerer verdaubar macht, dass Partien gegen Großaspach, Chemnitz oder Viktoria Köln nicht automatisch mit einem Sieg der eigenen Mannschaft enden.

Damit müssen Kapitän Hemlein, sein Stellvertreter Christian Kühlwetter sowie das gesamte Team umgehen. Hemlein und Kühlwetter räumen ein, dass es nicht einfach ist, wenn beispielsweise darüber berichtet wird, dass die Lizenz des Vereins in Gefahr ist, über die Pläne von Investor Becca gesprochen oder die Erwartungen der eigenen Fans über soziale Netzwerke auf dem eigenen Smartphone landen. Kann man sich davon als Spieler gänzlich frei machen? "Natürlich nicht", sagt Kühlwetter. "Das ist nicht möglich", fügt Hemlein an.

Quelle: n-tv.de

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