Redelings Nachspielzeit

Redelings' Highlights im August Avdijaj wäre als Frau "übertrieben geil"

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Draxler brüskiert Romantiker, ein Torwart trifft wie Seeler, Beiersdorfer lässt es krachen, Schalkes Capo als Fan des BVB, Hoeneß bietet eine unglaubliche Summe - und der Schalker Avdijaj redet sich um Kopf und Kragen. Die Fußball-Highlights im August.

Draxler brüskiert die Romantiker

Anfangen wollen wir mit dem Fundstück des Monats: Nationalspieler Julian Draxler auf dem Cover der "SportBild" vom 22. Juni 2011: "Mein Vorbild ist Götze". Das war gestern ein Klickhit. Die Fußballromantiker und Schalker haben nach seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg aufgestöhnt und Verrat gerufen. Aber so ist sie nun einmal, die Fußballwelt. Das Geld regiert. Traurig nur, dass man nie das Gefühl hatte, Schalke hätte sich für seine Identifikationsfigur Nummer eins zerrissen. Aber vielleicht erfüllt sich Draxler seinen Traum aus dem Jahr 2011 ja später - mit Manuel Neuer im Tor: "Mein Platz ist auf Schalke! Ich identifiziere mich total mit diesem Verein. Ich bin mir sicher, dass ich die Meisterschaft als Schalker Spieler erlebe."

Wenn der Torwart trifft wie Uwe Seeler

Das Tor des Monats hat ganz ohne Zweifel der dänische Torwart Martin Hansen geschossen. Am 11. August stand es am ersten Spieltag in der niederländischen Eredivisie bei der Partie ADO Den Haag gegen den  Titelverteidiger und Champions-League-Teilnehmer PSV Eindhoven Sekunden vor dem Abpfiff 1:2. Doch dann eilte der Keeper der Gastgeber in der 95. Minute nach vorne - und verwandelte eine Freistoß-Hereingabe artistisch in der Luft liegend volley mit der Hacke seines rechten Fußes zum Ausgleich. Ein sensationeller Treffer im Stile eines Uwe Seeler. "Ein verrücktes Ende", sagte Hansen danach. "Ich weiß nicht, was passiert ist, das war Instinkt."

Beiersdorfer lässt es krachen

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Der Spruch des Monats kommt von Dietmar Beiersdorfer, dem leidgeprüften Vorstandsvorsitzenden des Hamburger SV. Der hat einen Tag vor der Auftaktpartie der 53. Bundesliga-Saison zwischen dem FC Bayern München und eben seinem HSV auf die folgende Frage des "Hamburger Abendblatts" - "Die Quote für einen HSV-Sieg beträgt 31:1. Kann man guten Gewissens Geld daraufsetzen?" - geantwortet.

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Und zwar folgendermaßen: "Da muss ich an eine Umfrage unter älteren Menschen denken, die gefragt wurden, was sie rückblickend auf ihr Leben anders gemacht hätten. Eine der meistgenannten Antworten war: 'Ich hätte viel mehr riskieren müssen.' Also: Lassen Sie es krachen!" Das ging leider nicht nur für den HSV, sondern auch für mich in die Hose.

Schauet die Lilien!

Das Fan-Plakat des Monats hatten am zweiten Spieltag der Bundesliga die Lilien-Anhänger in Gelsenkirchen beim Auswärtsspiel ihres SV Darmstadt 98 auf Schalke dabei. Auf ihrem Spruchband stand: "Wir wären heute auch mit einer Knappen-Niederlage zufrieden". Großartig! Und immerhin endete die Partie mit 1:1.

"… , dass ich so übertrieben geil bin"

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Kreativ: Donis Avdijaj.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Beim Video des Monats gibt es keine zwei Meinungen. Herrlich unbefangen und vor allem nicht künstlich chemisch reingewaschen präsentierte sich der Schalker Donis Avdijaj, der eine festgeschriebene Ablösesumme von 48 Millionen in seinem Vertrag stehen hat, in einem Video. Avdijaj spielt im Moment für Sturm Graz und hat der "Kleinen Zeitung" ein Interview gegeben. Er musste Sätze vollenden wie diesen: "Wenn ich eine Frau wäre …". Und tat das folgendermaßen: "… würde ich gucken, dass ich so übertrieben geil bin. Und dann würde ich immer jedem Hoffnungen machen, aber keinen an mich ran lassen." Avdijaj musste viel Kritik und Häme einstecken. Schade. Denn viele scheinen zu vergessen, dass dies endlich einmal wieder eine natürliche Wortmeldung eines Spielers war. Im Dschungel der Phrasendrescher eine feine Abwechslung.

Schalkes Capo als Fan des BVB

Der Fauxpas des Monats passierte dem HSV. Wem sonst? Auf das "Erstklassig. Nur der HSV"-Shirt hatte sich eine Choreo aus dem Block der Berliner Hertha geschummelt. Ein grober Schnitzer. Aber eigentlich nichts gegen die Aktion einer Bank in der Saison 2011/12. Damals warb das Geldinstitut für eine gesponserte Auswärtsfahrt zu einem Spiel des BVB in einem Fan-Bulli. Die Anzeige, die im Stadionmagazin der Borussia erschien, schmückte ein junger Mann mit einem Megafon, der offensichtlich vor einer größeren, begeistert die Hände zum Himmel reckenden Menschenmenge etwas skandierte. Die schwarze Jacke des Mannes zierte auf dem Rücken ein riesiges gelbes BVB-Logo, und auch das Megafon war in den Vereinsfarben gehalten. So weit, so gut, doch jetzt kommt’s: Denn auf dem Bild war kein BVB-Anhänger zu sehen, sondern der Vorsänger, der Capo der Ultras Gelsenkirchen. Mit Photoshop hatte man ihm das Logo der Borussia auf den Rücken gemalt und auch das Megafon gelb eingefärbt. Dumm nur, dass der Grafiker damals auf dem oberen Teil der Flüstertüte den Schriftzug "Ultras Gelsenkirchen" übersah.

Hoeneß bietet eine unglaubliche Summe

Der Rückblick des Monats steht im Zeichen des "Deadline Day". Im August vor 25 Jahren hat der heutige Ko-Trainer des FC Bayern, Hermann Gerland, über seinen ehemaligen Spieler in Nürnberg gesagt: "Wenn Sané nur die Hälfte seiner Chancen nutzen würde, wäre er bald Torschützenkönig. Aber nicht mehr beim Klub, sondern in Mailand." Er sprach über Souleymane Sané. Sein Sohn mit dem Vornamen Leroy mischt gerade die Bundesliga auf.

In Leverkusen wurde Gert-Achim Fischer, der Vorsitzende von Bayer, gefragt, wo denn die Schmerzgrenze bei der Ablösesumme für Jorginho liege? Und Fischer antwortete: "Wir haben grundsätzlich keine Schmerzen. Wir haben Aspirin." Der Brasilianer wechselte zwei Jahre später zu Bayern München - für eine Ablöse von 2,8 Millionen DM. Bei den Bayern lockte 1990 Manager Uli Hoeneß seine Spieler mit einer "Super-Prämie" von 2,7 Millionen DM -natürlich nur für den Fall, dass die Mannschaft alle Wettbewerbe gewinnen würde. Ach so, die 2,7 Millionen DM waren übrigens für alle Bayern-Profis zusammen. Dennoch meinte Hoeneß: "Natürlich sind Spieler mit Summen zu motivieren, wofür andere Monate arbeiten müssen."

Verbeek wechselt nicht die Frau

Und die Nachspielzeit des Monats gebührt dem Tabellenführer der 2. Liga. Der VfL Bochum hat sein fünftes Meisterschaftsspiel in Folge gewonnen. Rekord für den VfL. Trainer Gertjan Verbeek ließ zum fünften Mal die identische Startelf auf den Platz. Die logische Begründung von Verbeek: "Wenn du in der Ehe glücklich bist, wechselst du ja auch nicht die Frau."

Das aktuelle Buch unseres Kolumnisten Ben Redelings ist gerade erschienen (sonst wäre es ja nicht aktuell) und heißt: "Fußball-Fasten. Das Experiment".

Quelle: n-tv.de

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