Redelings Nachspielzeit

Redelings über Fußballweisheiten Die elf schönsten Sprüche der Saison

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"Wenn es nach mir ginge, hätte es für die noch nie Bier gegeben." Jürgen Klopp zur Bierdeckel-Aktion der BVB-Fanabteilung "Kein Bier für Rassisten".

(Foto: imago/Jan Huebner)

Fußballsprüche sind häufig lustig, gerne informativ und immer unterhaltsam. Hier verrät Jürgen Klopp, mit wem er das einzige Selfie seines Lebens gemacht hat, und Karl-Heinz Rummenigge, wie es um seine Französisch-Kenntnisse bestellt ist.

Ich stehe ja auf Fußball-Sprüche. "Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien" ist zwar durchgenudelt, aber zu seiner Zeit war das eine ganz große Nummer. Andreas Möller hat ohnehin für einige echte Klassiker gesorgt. Es sei nur einmal an diesen hier erinnert: "Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber". Wenn ich neue, alte Perlen entdecke, ist das immer ein ganz besonderes Hochgefühl. Dettmar Cramer ist in dieser Hinsicht eine hinreißende Fundgrube: "Es hängt alles irgendwo zusammen. Sie können sich am Hintern ein Haar ausreißen, dann tränt das Auge."

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Und der ehemalige Star des Hamburger SV, Kevin Keegan, versteht es jedes Mal aufs Neue zu überraschen: "Ich erzähle euch nur ungern alles, was ich weiß, denn ich weiß wirklich nichts!" Am Wochenende habe ich mich nun durch einen Reigen von Sprüchen der vergangenen Spielzeit geschlagen. Wie in jedem Jahr zeichnet die Deutsche Akademie für Fußballkultur Ende Oktober in Nürnberg den "Fußballspruch des Jahres" aus. Hier meine meine elf Favoriten aus den mehr als 140 Einsendungen:

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

1. "Bei jedem meiner drei Kinder hatte ich das Gefühl, einen Sohn gezeugt zu haben. Bekommen habe ich drei Töchter. Deshalb lasse ich mich von Gefühlen nicht mehr leiten". Hermann Gerland, Co-Trainer des FC Bayern, über sein Gefühl für die Bundesligarückrunde.

2. "Das einzige Mal, dass Breitner Verantwortung übernommen hat, war als Corporal im Film Potato Fritz. Da hat er ein Team geführt." Heribert Bruchhagen, Chef der Frankfurter Eintracht.

3. "Das einzige Selfie meines Lebens habe ich mit Messi gemacht. Musste aber in die Hocke gehen." Jürgen Klopp, mittlerweile ehemaliger Trainer der Dortmunder Borussia.

4. "Der HSV ist so stark wie die CDU in St. Pauli." Oliver Fritsch, Journalist bei Zeit Online.

5. "Glaubt bloß nicht, dass es irgendetwas Schlimmeres im Fußball gibt als ein Eins- gegen-Eins mit Messi im Rückwärtslaufen." Ex-Nationalspieler Robert Huth über Twitter.

6. "Ich habe meine Frau vor die Wahl gestellt. Mallorca oder HSV? Ich habe sie nicht ausreden lassen." Bruno Labbadia, Trainer der Hamburger.

7. "Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées." Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach Franck Ribérys 100. Pflichtspiel-Tor für den FC Bayern.

8. "Wahrscheinlich werden wir erst merken, was passiert ist, wenn uns der Arjen Robben in der nächsten Saison sieben Knoten in die Beine gespielt hat." Florian Jungwirth, Verteidiger beim Aufsteiger SV Darmstadt 98.

9. "Wenn du eine Szene mit Mkhitaryan, Koscielny und Szczesny beschreiben musst, da kannst du auch in die Tastatur beißen." Die geplagten Kollegen der spox.com-Redaktion.

10. "Wenn es nach mir ginge, hätte es für die noch nie Bier gegeben." Jürgen Klopp zur Bierdeckel-Aktion der BVB-Fanabteilung "Kein Bier für Rassisten".

11. "Ich tippe schon lange nicht mehr. Ich habe immer verkehrt getippt. Immer auf Sieg des HSV." Uwe Seeler, Hamburger Institution.

Ich bin sehr gespannt, ob einer dieser elf Sprüche am Ende in der Gunst der Jury vorne liegen wird. Aber noch neugieriger bin ich auf die Zitate in dieser Spielzeit. Wie erwartet hat einer der zuverlässigsten Produzenten der letzten Jahre, Thomas Müller, bereits am Wochenende geliefert. Nach dem Auftaktsieg gegen den HSV sagte der Nationalspieler gewohnt pointiert: "Es macht Spaß uns zuzuschauen, auch wenn ich selbst nicht zugeschaut habe."

"Es kann noch schlimmer werden!"

Ein besonderes Augenmerk wird in dieser Saison natürlich auch auf den beiden Aufsteigern liegen. Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch konnte gleich am ersten Spieltag gefallen, als er die Kritik am Zustand der Kabinen im altehrwürdigen Stadion am Böllenfalltor verbal sehr souverän konterte: "Die Bänke sind zum sitzen da, die Haken, um etwas daran aufzuhängen und die Duschen zum duschen. Also alles ganz normal hier."

Drei Gewinner des Fußballspruch-Preises der letzten Jahre sind übrigens immer noch aktiv. Der Dortmunder Neven Subotic ("Er muss ja nicht unbedingt dahin laufen, wo ich hingrätsche") und der damalige Schalker und heutige Bayern-Keeper Manuel Neuer ("Wir schießen so wenig Tore, vielleicht heißen wir deshalb auch die Knappen") sind jederzeit für eine sprachliche Blüte gut - ebenso wie der aktuelle Trainer des VfL Bochum, Gertjan Verbeek.

Mit seinem Spruch, "Ich hoffe, dass ich 90 Jahre alt werde. Dann kann ich sagen, ich hätte 100 werden können. Aber ich habe in Nürnberg gearbeitet", ist er der amtierende Preisträger und stets für einen neuen Beitrag gut. In Bochum wünschte er sich bei seiner ersten Pressekonferenz einen VfL, vor dem man wieder Respekt hat. Oder um es mit den Worten Verbeeks zu sagen: "Dem Gegner muss es dünn durch die Hose laufen ..."! In diesem Sinne werde ich hier an dieser Stelle die ganze Saison über immer mal wieder die neuen Klassiker ausfindig machen und veröffentlichen - deshalb bitte dranbleiben. Oder um es mit dem großen Heribert Faßbender zu sagen: "Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden!"

Unser Kolumnist Ben Redelings hat zwei Buch-Klassiker zum Thema Fußballsprüche veröffentlicht: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun" und "Tausche Schwester gegen Endspielkarte".

Quelle: n-tv.de

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