Alarm an der Säbener StraßeSteckt hinter dem Einspruch des FC Bayern in Wahrheit eine große Sorge?
Von Ben RedelingsDer gescheiterte Einspruch des FC Bayern München gegen die Sperre von Luis Diaz beim DFB-Sportgericht hat nicht nur für Verwunderung gesorgt – sondern auch viele Fragen aufgeworfen. Denn eine Erfolgschance gab es nicht. Was also steckt dann hinter dieser eigenartigen Aktion?
Was ist da gerade bloß los beim FC Bayern München? Wieso reagiert der unangefochtene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga, Halbfinalist im DFB-Pokal und fast sicherere CL-Viertelfinalist so seltsam unentspannt nach dem Unentschieden bei Bayer Leverkusen am Samstagabend? Die Reaktionen direkt nach Spielschluss kann man möglicherweise noch mit den Emotionen so zeitnah am Geschehenen rechtfertigen, aber der Einspruch gegen die Sperre von Luis Diaz beim DFB-Sportgericht vom Sonntag wirft eine Menge Fragen auf. Unangenehme Fragen.
Denn dass dieser Einspruch von Erfolg gekrönt sein könnte, war von Anfang an nahezu ausgeschlossen, wie auch Alexander Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiri GmbH, direkt und unmissverständlich erklärte: "Es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung, die man falsch finden kann, aber nicht um einen offenkundigen Irrtum wie bei einer Spielerverwechslung." Am Montag kam dann erwartungsgemäß schnell die Bestätigung: Der DFB wies den Einspruch zügig ab.
Dass es so kommen würde, war natürlich auch den Verantwortlichen des FC Bayern klar. Und deshalb muss man im nächsten Schritt zwangsläufig die Frage stellen, warum machte der FC Bayern München es dann trotzdem? Denn eine Sache hat Didi Hamann völlig zurecht über diesen eigenartigen Einspruch gesagt: "Das ist eines Weltvereins nicht würdig!"
Kompletter Quatsch
Was also steckt hinter dieser Sache dann tatsächlich? Ganz offensichtlich fühlte sich die Bayern-Führung dazu berufen, mit dieser Aktion symbolisch ein Zeichen zu setzen und den Unmut der Fans, der Spieler und Teilen der Offiziellen (dazu zählte ja auch Uli Hoeneß am fernen Tegernsee) zu vereinen - ganz im Sinne der berühmten Wagenburg-Strategie. Das Motto soll lauten: Der leidgeprüfte FC Bayern München gemeinsam gegen die Schiedsrichter und den Rest der Welt.
Dass das natürlich kompletter Quatsch und Irrsinn ist, muss man, wenn man sich alleine die Roten Karten für Hoffenheim und Mönchengladbach bei gleichzeitigem Elfmeterentscheid der letzten Wochen ansieht, nicht weiter ausführen. Fans anderer Vereine werden genug Beispiele über ihre Klubs anführen können, bei denen sie sicher sind, in den vergangenen Wochen und Monaten von den Schiedsrichtern benachteiligt worden zu sein.
Das gehört zum Fußballereignis, leider, einfach mit dazu. Und zumeist versuchen sich wenigstens die Offiziellen nach dem Spiel wieder so gemäßigt zu äußern, wie es auch FCB-Trainer Vincent Kompany tat: "Mein Gefühl ist, dass es eine schlechte Leistung war, aber das ändert meinen Respekt für den Schiedsrichter nicht. Das kann passieren. Ich habe ihm nur gesagt, dass ich natürlich nicht zufrieden bin."
Zeichen der Schwäche
Dass die Bayern-Verantwortlichen nun aber dennoch diesen ungewöhnlichen Weg einschlugen, irritiert und alarmiert zugleich. Nicht alleine, weil so eine Aktion natürlich weitreichende Konsequenzen bis hinunter in den Jugendfußball nach sich zieht ("Wenn sich schon der große FC Bayern gegen die Schiris auflehnt …"), sondern auch, weil der Klub so indirekt ein seltsames und vor allem unerwartetes Zeichen der Schwäche sendet. Man muss sich ernsthaft die Frage stellen: Warum sehen die Bayern-Verantwortlichen es vor den entscheidenden Wochen der Saison als ratsam an, so einen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen?
Aktuell kann man nur Vermutungen anstellen, die angesichts der sportlichen Leistungen und Ergebnisse der letzten Wochen und Monate allerdings eher ins Leere laufen würden. Was also treibt die Bayern-Führung wirklich an? Eine Frage, die wohl erst in der Crunchtime der Spielzeit beantwortet werden wird.
Falls es, wie es momentan scheint, damit zusammenhängen könnte, dass die Verantwortlichen insgeheim befürchten, dass der Kader, auch angesichts der vielen Verletzten, doch nicht ausreichend breit und groß genug aufgestellt ist, um in der entscheidenden Phase der Saison bestehen zu können - dann würde das wenigstens erklären, wie man auf die absurde Idee eines Einspruchs kam. Die Sache im Kern besser machen, würde es allerdings nicht. Ganz im Gegenteil.

