Redelings Nachspielzeit

"Größte Familie Deutschlands!"Warum der FC Schalke 04 Stars wie Raúl und Džeko so fasziniert

24.01.2026, 07:40 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
Video poster

Die Verpflichtung von Edin Džeko hat viele Fans an die Tage mit dem spanischen Weltstar Raúl erinnert. Und tatsächlich: Der Transfer ist für einen Zweitligisten etwas ganz Besonderes - und konnte wohl nur gelingen, weil Schalke so viele Fußballer auf eine außergewöhnliche Weise fasziniert!

"Dieser Verein und seine Fans sind einzigartig. So etwas gibt es nirgendwo anders, es hat mich sehr berührt." Als der spanische Weltstar Raúl im Sommer 2012 den FC Schalke 04 nach zwei Jahren wieder verließ, blickte er glücklich und zufrieden auf seine Zeit im Ruhrgebiet zurück. Die Menschen in Gelsenkirchen hatten ihn schon bei seiner Begrüßung euphorisch empfangen und in ihr Herz geschlossen. Und so hatte Raúl González Blanco gleich am Anfang seiner Zeit bei den Königsblauen etwas von diesem ganz besonderen Gefühl erlebt, das der "Kicker" im Jahr 1974 einmal treffend mit diesen Worten umschrieb: "Schalke hat die größte Familie Deutschlands!"

Seit Donnerstag nun trägt der ehemalige bosnische Nationalstürmer Edin Džeko das königsblaue Trikot. Die Fußball-Fans, nicht nur im Revier, zeigen sich begeistert ob des unerwarteten Transfers, Peter Neururer hielt ihn zuerst sogar für einen "Versteckte Kamera"-Gag: "Das ist ne irre Nummer für Liga 2!" Das stimmt. Doch was diesen Wechsel aus dem schönen Florenz in Italien nach Gelsenkirchen noch etwas besonderer macht, ist die Tatsache, dass Džeko unbedingt zum FC Schalke 04 wollte, wie er auf der ersten Pressekonferenz ohne Umschweife zugab, und deshalb etwas tat, was in diesem Geschäft absoluten Seltenheitswert besitzt: "Ich habe den ersten Kontakt gesucht."

Zum Autor

Für Džeko aber war diese Art der Transferanbahnung wohl fast schon unumgänglich, denn er hatte beim Gedanken an Schalke etwas in sich gespürt. Körperlich. Und als Džeko dies anlässlich der Pressekonferenz wieder und wieder erzählte, klopfte er sich dabei jedes Mal aufs Neue auf sein Herz. Der Verein habe ihn einfach gepackt, meinte Džeko, und das, obwohl nicht alle in seinem Umfeld sofort verstanden hatten, was da mit ihm los sei: "Viele haben gesagt: Du bist krank. Aber ich bin nicht krank, sondern 100 Prozent da. Seit meiner Zeit in Wolfsburg war Schalke für mich ein großartiger Verein. Das Stadion, die Fans, es war immer geil, hier zu spielen."

"Wenn Schalke anruft, müssen wir reden"

Tatsächlich ist es schon etwas her, dass Džeko bei einem Bundesligaspiel in der Arena auflief. Am 18. September 2009 trat er mit seinem Klub, dem VfL Wolfsburg, bei den Schalkern an - und gewann am Ende dieses lauen Spätsommerabends mit 2:1. Beide Tore für die Wölfe erzielte damals, wie soll es anders sein, natürlich ein gewisser Edin Džeko. Nun wird er versuchen, auf der anderen Seite stehend, Tore zu schießen. Für Schalke. Für den Aufstieg. Für "diese Fans, die immer da sind", wie Džeko mit leuchtenden Augen erzählte.

Und von diesen Fans gibt es eine ganze Menge. Egal, in welcher Liga sich die Königsblauen gerade auch befinden. Der Comedian Bernhard Hoëcker hat einmal etwas unorthodox versucht die Frage zu beantworten, wie viele Schalker es denn genau gibt: "Ich habe keine Ahnung. Aber egal, wo auf der ganzen Welt du auch 'Scheiß Schalke' schreist - es steht immer irgendjemand auf und haut dir aufs Maul." Es ist wohl tatsächlich so, wie es einst der Schalker Präsident Günter Siebert beschrieb: "Wir Schalker sind wie Spatzen. Überall auf der Welt zu Hause."

Und, was auffällt: Auch erstaunlich viele aktive Profis bekennen sich zum FC Schalke 04. Erst vor wenigen Tagen meinte der in Brasilien geborene und aktuell für Southampton spielende Ex-Königsblaue Leonardo Scienza wehmütig: "Das Einzige, was ich in meiner Karriere nicht wollte, war es, Schalke zu verlassen. Ich war sehr traurig darüber, weil ich als Schalke-Fan unbedingt bei meinem Herzensverein bleiben wollte. Mein größter Traum im Leben ist es, irgendwann für ein Jahr in der Veltins-Arena als Profi aufzulaufen. Ich hatte zwei wunderschöne Jahre in der U23, habe damals aber leider nicht die Chance in der ersten Mannschaft bekommen. Wenn Schalke anrufen sollte, würden wir reden müssen."

Die schöne Krankheit Schalke

Wahrscheinlich gilt dies auch für den Lauterer Marlon Ritter, der am Sonntag mit seinem Klub aus der Pfalz zur möglichen Džeko-Premiere in die Arena kommt. Der in Essen geborene Profi wuchs in einer dieser im Revier so typischen Schalke-Familien auf. Opa, Oma, Onkel, Tante, Vater, Mutter, Bruder, Schwester - alle königsblau. Natürlich hat da auch Marlon Ritter dieses Virus ("Schalke ist wie eine schöne Krankheit. Wenn du sie einmal hast, wirst du sie Gott sei Dank nicht mehr los", Schalke-Fan Hubert Tecker) gepackt. Ritters Trainer Torsten Lieberknecht musste sogar einmal eine Trainingseinheit früher abhalten, weil sein Kapitän ein dringendes Anliegen hatte: "Marlon war es ganz wichtig, dass wir frühzeitig hier los reisen. Er hat gesagt: Freitagabend spielt Schalke, das will er schon gucken."

Anzeige
Ein Tor würde dem Spiel guttun: Das ultimative Buch der Fussball-Wahrheiten
15
16,90 €

In der Arena wird Ritter dann am Sonntag auf einen anderen großen Schalke-Fan auf dem Spielfeld treffen. Als der S04-Profi Timo Becker noch für Holstein Kiel aktiv war, raste er nach eigenen Spielen nicht selten zusammen mit seinem Kollegen Steven Skrzybski aus dem hohen Norden direkt nach Gelsenkirchen, um sich unter die Fans der Nordkurve zu mischen und die Spieler in den blau-weißen Trikots anzufeuern. Diese spezielle Liebe zum Verein, diese Faszination FC Schalke 04, die offensichtlich auch Edin Džeko zu diesem ungewöhnlichen Schritt bewegte, ist so einmalig im Fußball.

Als der spanische Superstar Raúl González Blanco damals ging, hing in der Arena ein Banner mit dem schönen Spruch: "Dat mit Raúl erzähl ich meine Enkel". Auf Schalke träumen aktuell nicht wenige Fans davon, dass man im Sommer einen anderen Star auf den Händen aus der Arena trägt. Zum Aufstieg. Vielleicht mit einem entscheidenden Tor von Edin Džeko. Wohin er dann auf seinem Trikot zeigen würde, hat er ja bereits bei der ersten Pressekonferenz geübt. Mitten aufs Herz. Dahin, wo ihn sein neuer Verein getroffen hat.

Quelle: ntv.de