Redelings Nachspielzeit

Entertainer und Blumenzüchter Wie Kleff Deutschland zum Weltmeister machte

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Wolfgang Kleff war einer der besten deutschen Torhüter seiner Zeit. Und ein großer Entertainer.

(Foto: picture alliance / United Archives)

Heute feiert der legendäre Weltmeister von 1974, Wolfgang Kleff, seinen 75. Geburtstag. Damals kam er in der Nationalmannschaft einfach nicht an Stammkeeper Sepp Maier vorbei. Mit Borussia Mönchengladbach holte er jedoch Titel um Titel - und begeisterte das Publikum durch seine Showeinlagen und Sprüche!

"Mir hat es Deutschland zu verdanken, dass wir Weltmeister geworden sind. Mein Anteil bestand darin, dass ich nicht gespielt habe." Es ist einer dieser typischen Sätze des herausragenden Keepers Wolfgang Kleff. Gesagt hat er ihn in seinem Leben viele, viele Male nach der WM 1974 - denn Wolfgang Kleff war und ist ein echter Typ mit großen und gerne gesehenen Entertainer-Qualitäten. Und: Auch wenn er während des Turniers nur auf der Bank saß, weil Sepp Maier einfach zu stark war, ist Wolfgang Kleff dennoch damals 1974 in München gemeinsam mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Weltmeister geworden.

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Die Rivalität zwischen Maier und Kleff wurde übrigens nicht nur sportlich äußerst fair ausgetragen, sondern hatte auch seine komischen Momente. So soll der Bayern-Keeper einmal während einer laufenden Partie zu Fans hinter seinem Tor gesagt haben: "Ich musste meinen Hund einschläfern. Der hat immer, wenn ich ihn fragte, wer die Nummer eins in Deutschland ist, ›Kläff, Kläff‹ gemeint."

Bei Borussia Mönchengladbach war Wolfgang Kleff in den 70er-Jahren Mitglied einer überragenden Mannschaft. In seiner Zeit dort gewann er fünfmal die deutsche Meisterschaft, einmal den DFB-Pokal und zudem zweimal den UEFA-Pokal. Sportlich erste Sahne blieb auch das Zwischenmenschliche damals nicht auf der Strecke. Der Tag als Gladbachs Coach Hennes Weisweiler seinen frisch engagierten Fitnesstrainer Karl-Heinz Drygalski in der Kabine um eine Analyse des Spiels in Bremen bat, ist Kleff noch in bester Erinnerung.

"Eher züchte ich Anthurien in Afrika"

Drygalski antwortete damals leicht verschüchtert: "Die Laufarbeit war eher nicht ausreichend." Und? "Eines der beiden Tore war haltbar." Und? "Der Kleff läuft auf dem ganzen Fuß - wie eine Frau!" Später auf der Heimfahrt rief Weisweiler zur Belustigung des ganzen Teams quer durch den Bus: "Kleff! Wissen Sie, was der Drygalski sagt? Sie laufen wie ein Weib!" Geschadet hat dieser kleine Spaß des legendären Coachs am Ende weder Drygalski (der später sogar Präsident des Vereins werden sollte) noch Wolfgang Kleff. Die Jahre auf dem Bökelberg waren seine besten und glücklichsten.

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Nach seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach wechselte Kleff zum Nachbarn Fortuna Düsseldorf. Doch weil er dort mitten in der Saison plötzlich mit seiner Rolle unzufrieden war, sprach er eines Tages Reportern folgenden Satz in die Kameras: "Eher züchte ich Anthurien in Afrika, als noch ein weiteres Jahr in Düsseldorf zu bleiben." Dieser Satz sollte sich noch rächen. Denn als es dann auf einmal wieder besser lief und er doch gerne noch länger für die Fortuna spielen wollte, stellte sich das Düsseldorfer Präsidium quer. Und so kam zum Abschied aus Düsseldorf.

Das Pech von Wolfgang Kleff wurde damals zum Glücksfall für den VfL Bochum. Mit 38 Jahren und nach einer längeren Pause half er 1985 dem VfL aus der Patsche. Weil in Bochum sämtliche Torhüter aus unterschiedlichsten Gründen ausfielen, sollte Kleff kurzfristig einspringen. Doch man war sich beim VfL nicht so sicher, ob der körperliche Zustand Kleffs einen sofortigen Einsatz möglich machen würde. Der ehemalige Meisterkeeper verstand es jedoch, mit einem Satz alle Bedenken hinfort zu wischen: "Ich habe mich die ganze Zeit über mit Waldläufen durch die Düsseldorfer Altstadt fit gehalten." In Bochum angekommen, trainierte Kleff ("Ich bin hier nur der Aushilfskellner"), trotz seiner intensiven Läufe durch die Altstadt, erst einmal etwas bedächtiger. Seine humorvolle Begründung klang einleuchtend: "Mit Muskelkater kann ich mich so schlecht bücken."

"Älterer Herr setzt sich gerne auf die Parkbank"

Doch der alte Hase hatte schnell Spaß an seinem Job beim VfL. Nach einem 5:3 in seinem Eröffnungsspiel gegen Düsseldorf schwärmte der Keeper: "Das war nach langer Zeit endlich wieder großer Fußball. Ich ertappe mich dabei, dass ich als alter Mann, der im November 39 wird, ins Schwärmen gerate wie ein Teenager!" Als schließlich kurz vor Ende der Vorrunde die eigentliche Nummer eins, "Katze" Ralf Zumdick, wieder fit war, lehnte sich Wolfgang Kleff lächelnd auf der Auswechselbank zurück, blinzelte zufrieden in die winterliche Sonne und sagte ruhig und gelassen: "Kein Problem. Ein älterer Herr setzt sich auch ganz gern auf eine Parkbank."

Nach seiner aktiven Karriere versuchte der 72er-Reservetorwart der Europameistermannschaft einige berufliche Zweige aus. Unter anderem züchtete Kleff tatsächlich exotische Blumen. Mit einer Boutique, die er schon zu Spielerzeiten betrieben hatte, ging er pleite. Dabei hatte sich Kleff schon in den 1970er Jahren von einem seiner Mannschaftskollegen exklusive Ware besorgen ließ. Rainer Bonhof war Dressman für den renommierten Pariser Modeschöpfer Cacharel geworden und hatte dabei sogleich an seinen Gladbacher Kameraden gedacht: "Ich habe auch etwas für den Wolfgang Kleff tun können. Er wird künftig in seinem ›men-shop‹ in Mönchengladbach Cacharel-Artikel verkaufen." Übrigens hatte Kleff einen ganz besonderen Kleidungstick: Kein Ersatzspieler der Borussia konnte die Nummer 15 erhalten. Aus Aberglauben trug der Gladbach-Keeper das Trikot stets unter seinem Pullover.

"Es waren immer die kleinen Gesten"

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch ("60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Und dann feierte Wolfgang Kleff noch ein irres, allerdings sehr befristetes Comeback. Weil der Torhüter damals das Geld nicht ausschlagen wollte und Spaß an der Idee hatte, ließ er sich mit 61 Jahren zu einer Rückkehr auf den Fußballplatz überreden. Beim Mittelrhein-Landesliga-Aufsteiger FC Rheinbach waren der Stammtorhüter mit einem Beinbruch und sein Stellvertreter wegen eines Trauerfalls kurzfristig verhindert. Rheinbachs Geschäftsführer sprach deshalb auch nicht von einem PR-Gag, sondern von "Rettung in höchster Not". Doch leider konnte Kleff nur 35 Minuten seine Klasse unter Beweis stellen. Dann musste er nach einem unglücklichen Zusammenprall das Feld verlassen. 1:0 führte seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt. Der Rheinbacher Feldspieler kassierte anschließend noch vier Tore. Für Kleff war es der letzte Ausflug aufs Feld.

Wolfgang Kleff ist den Fußballfans bis heute in guter Erinnerung geblieben, weil er nicht nur ein herausragender Torhüter war, sondern auch ein besonderer Mensch ist - der sich und seinen Beruf ernst, aber nie zu ernst nahm. Er selbst hat es einmal so auf den Punkt gebracht: "Es waren immer die kleinen Gesten, die meinen Kontakt zu den Leuten ausmachten. Sich 90 Minuten zu konzentrieren, da tränen einem ja die Augen." Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag, alles Gute und Glück auf, lieber Wolfgang Kleff!

Quelle: ntv.de

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