Redelings Nachspielzeit

DFB-Pokal gegen den FC Bayern Wird das Schalke-Spiel abgebrochen?

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Der FC Schalke setzt sich selbst unter Zugzwang. Bei Vorkommnissen wie den Bannern gegen Dietmar Hopp soll die Mannschaft den Platz verlassen.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

Die Bosse des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 wollen ein Zeichen setzen, als sie verkünden, bei entsprechenden Vorkommnissen das Spielfeld zu verlassen. Doch wie und warum das genau vonstatten gehen soll, das ist unklar. Eine fatale Situation, in die sie sich ohne Not gebracht haben.

An diesem Dienstagabend schaut ganz Fußball-Deutschland voller Interesse nach Gelsenkirchen - und das hat nur indirekt etwas mit dem Ausgang des DFB-Pokal-Viertelfinalspiels des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München zu tun. Die entscheidende Frage vor der Partie in der Arena Auf Schalke lautet: Wird die Begegnung regulär zu Ende geführt oder wird sie zuvor abgebrochen?

Die Mitteilung des FC Schalke 04 vom vergangenen Sonntag hat zu Recht viel Beachtung erfahren: "Wir distanzieren uns ganz klar von derartigen Plakaten, diffamierenden Äußerungen und persönlichen Beleidigungen und akzeptieren keinerlei Bagatellisierung. Wir werden dieses Verhalten gemäß der Stadionordnung konsequent ahnden, die Verursacher dieser Diffamierungen ausgrenzen. Sollten am kommenden Dienstag (3. März) im Pokalspiel gegen den FC Bayern München, beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim (7. März) oder auch bei zukünftigen Spielen derartige Vorkommnisse in der Veltins-Arena sichtbar werden, wird unsere Mannschaft den Platz verlassen - ungeachtet der Spieldauer, des Resultats oder etwaiger Konsequenzen."

"Platz für Meinungsäußerungen"?

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Was fängt der Klub mit derartigen Bannern an?

(Foto: imago images / RHR-Foto)

Eine Mitteilung, die weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen kann beziehungsweise vermutlich sogar wird. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob sich die Schalker Verantwortlichen in ausreichendem Maße mit der Tragweite ihrer Entscheidung beschäftigt haben? Und vor allem auch: Sind sie sich bewusst, dass diese für die Öffentlichkeit formulierte Mitteilung sehr schwammig ist und unglaublich viel Spielraum für Interpretationen und Fragen lässt? Denn man fragt sich als Betrachter von außen: Wo genau beginnen denn diese genannten "diffamierenden Äußerungen und persönlichen Beleidigungen" und wo enden sie? Was heißt es konkret, wenn man sagt, "man wolle Platz für Meinungsäußerungen lassen. Aber wir wollen keine Beleidigungen"? Wer entscheidet im Einzelfall, wo eine Grenze überschritten wurde und ruft die Mannschaft vom Platz? Und geht es, wie geschrieben, tatsächlich nur um "Plakate" oder werden auch Gesänge bzw. verbale Äußerungen (wie beispielsweise auch Affenlaute) sanktioniert?

All diese Fragen offenbaren bereits, wie vollkommen unzureichend und angreifbar diese Mitteilung des FC Schalke 04 ist. Der Verweis auf die Stadionordnung kann da bestenfalls als eiliger Versuch entlarvt werden, die äußersten Leitplanken zu setzen. Im konkreten Einzelfall wird sie sicherlich nicht als schnelle Entscheidungshilfe taugen.

Halbherziges Agieren geht nicht mehr

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Natürlich handeln die Schalker Verantwortlichen mit den allerbesten Absichten - doch Gutes wollen und Gutes tun, sind nicht immer dasselbe. So wie Schalkes Vorstand Jochen Schneider am Wochenende im Fall Nübel schon deutlich übers Ziel hinausschoss und in der Sache komplett falsch lag, als er die Raus-Rufe gegen den S04-Torhüter mit dem Selbstmord des an Depressionen erkrankten Keepers Robert Enke in eine inhaltliche Verbindung brachte, so muss man auch diese Aktion kritisch hinterfragen. Die Büchse der Pandora, die Schalke da vor dem heutigen Spiel ohne Not geöffnet hat, wird sich nicht mehr so leicht schließen lassen. Anstatt erst einmal die Funktionsweise des Drei-Stufen-Plans weiter zu testen und dem Schiedsrichter-Gespann das Urteil darüber zu überlassen, zu entscheiden, was ahndungswürdig ist und was nicht, bringen die Schalker Verantwortlichen sich und zusätzlich die Unparteiischen in Zugzwang.

Ob es bereits am Abend so weit sein wird, dass die Schalker Mannschaft den Platz vorzeitig verlässt, muss man abwarten. Vielleicht geht es auch für die Fans beider Vereine um zu viel in einem einzigen Spiel. Interessant zu beobachten wird aber in jedem Fall sein, wie die S04-Verantwortlichen in Zukunft beispielsweise auf die üblichen Gesänge gegen Borussia Dortmund, die das berühmte Schmähwort, das immer im Zusammenhang mit Dietmar Hopp fällt, enthalten, reagieren werden. Man darf ehrlich gespannt sein, welche Maßstäbe die Schalker in den kommenden Wochen und Monaten finden und anwenden werden. Und vor allem: Ob sie ihren durchaus vollmundigen Ankündigungen auch Taten folgen lassen? Denn genau in diese äußerst schwierige Lage haben sie sich nun selbst gebracht. Halbherziges Agieren kann und wird es in Zukunft nicht mehr geben (können). Fußball-Deutschland schaut auf Schalke. Und das nicht nur an diesem Abend.

Quelle: ntv.de