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Usain Bolt wegen Fehlstart raus Keine Extras für Superstars

Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt ist der prominenteste Leidtragende einer neueren Fehlstartregel. Eine nun wieder aufflammende Diskussion darüber ist überflüssig. Denn die Regel ist nicht zu streng.

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Nach wenigen Sekunden hatte Bolt sein Aus begriffen.

(Foto: AP)

Superstar Usain Bolt hat gekriegt, was er verdient. Auf seiner Paradestrecke 100 Meter, wo er den sensationellen Weltrekord von 9,58 Sekunden hält, ist der Jamaikaner bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Daegu wegen eines eindeutigen Fehlstarts disqualifiziert worden. Er ist das bislang bekannteste "Opfer" der Fehlstart-Regelung, die 2010 beschlossen wurde und erstmals bei einer Weltmeisterschaft greift. Danach wird ein Athlet bereits nach dem ersten Fehlstart disqualifiziert. Vorher musste der Verursacher erst beim zweiten Verstoß die Bahn verlassen, unabhängig davon, ob er auch am ersten schuld war. Die neue Regelung war vor allem bei Athleten umstritten. Die IAAF wollte mit der Verschärfung gegen die gängige Trickserei am Startblock vorgehen. Manche Stars nutzten die alte Regel, um mit einem gezielten Fehlstart ihre Gegner zu verunsichern.

Gleiche Regeln für alle

Kaum trifft es ein prominentes Beispiel, geht die Diskussion wieder los, ob die Regel zu streng sei. Der Drittplatzierte Kim Collins sagte nach dem Rennen: "Leute auf der ganzen Welt wollten ihn heute Abend sehen und dazu ist es nicht gekommen. Ich glaube, wir brauchen ihn hier. Die Zuschauer kommen nicht wegen Blake und mir". Dahinter steht nichts als Sensationslust. Natürlich ist es schade, den besten 100-Meter-Läufer der Welt nicht antreten zu sehen. Aber so ist die Regel. So ist der Sport. Dass nicht nach Glamour-Faktor des Sportlers entschieden werden kann, wann eine Regel greift und wann nicht, ist selbstverständlich. Und somit stand es nach dem Fehlstart gar nicht zur Debatte, ob Bolt ausgeschlossen wird oder nicht. Dennoch ließ die IAAF sich zu dem überflüssigen Statement hinreißen, in dem sie betont, dass die Regeln für alle gelten.

Es ist fraglich, ob es jemanden interessiert hätte, wäre nicht Usain Bolt das Opfer gewesen. Denn er ist derzeit der beste und beeindruckendste Läufer, wenn nicht gar Sportler der Welt. Jeder kennt ihn und seine Show. Ein 100-Meter-Finale ohne ihn ist nicht nur für Leichtathletik-Fans eher eine buchstäblich lahme Veranstaltung. Doch er hat gegen eine Regel verstoßen, die Sinn macht. Einen Fehlstart zu verursachen kann eine Taktik sein, die Gegner zu verunsichern. Das ist unsportliches Verhalten und verdient ebenso Konsequenzen wie Doping. Denn Sport ist nicht nur eine körperliche Leistung, sondern auch eine Einstellung. Da auch Bolt die neue Regel kennen dürfte, kann man ihm kaum unterstellen, er hätte hier gepokert. Er hat schlicht einen Fehler begangen, der jedem Sportler unterlaufen kann.

Meister der Verunsicherung

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Auch eine Niederlage hält Bolt nicht vom Spiel mit der Kamera ab.

(Foto: AP)

Nun ist Usain Bolt aber selbst ein Meister darin, seine Gegner zu verunsichern. Als würde seine sportliche Überlegenheit die Mitstreiter nicht schon genug einschüchtern, unterstützt er diese mit großen Gesten. Seine Siegerpose mit den ausgestreckten Armen wurde zum Markenzeichen. Kaum war die Kamera auf ihn gerichtet zupfte er sich vor einem imaginären Spiegel die Augenbrauen zurecht. Während andere Läufer in sich gehen und sich auf den Start konzentrierten, wurde Bolt erst ruhig, wenn die Kamera in die Totale ging. Vielen ging seine Zeremonie der Selbstinszenierung auf die Nerven. Wenn er noch während des Rennens seine Gegner angrinste oder in der Qualifikation zum Ende noch absichtlich verlangsamte, bekamen seine Mitstreiter und Zuschauer das Gefühl, er nehme die Sache nicht wirklich ernst. Das ist anmaßend gegenüber den anderen Läufern wie beispielsweise seinem Erzrivalen Tyson Gay, der sich stets professionell nicht von der Show beeindrucken ließ.

Bolts endgültige Leistung machte sein Getue wieder wett. Er konnte halten, was er versprach, augenscheinlich leichtfüßig setzte er sich immer souverän an die Spitze. Dass aber diese Form der Unkonzentriertheit eines Tages Konsequenzen haben würde, war abzusehen. Vielleicht ist es sogar gut, dass es den besten Läufer der Welt getroffen hat. Kein Sportler wird beim Start mehr nachlässig sein, wenn er gesehen hat, wie tief man fallen kann.

Quelle: n-tv.de

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