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Vom BVB zu Real - Sahin ein Söldner? Wenn der Kopf das Herz schlägt

Für die Fans des Deutschen Meisters ist das keine gute Nachricht, für die Fußball-Bundesliga auch nicht: Nuri Sahin wechselt von Dortmund zu Real Madrid. Doch wer jetzt schimpft, Sahin sei ein Söldner oder gar ein Charakterschwein, der tut ihm Unrecht. Schließlich ist er Profi.

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Sein Herz schlägt für die Borussia: Nuri Sahin.

(Foto: REUTERS)

Wenn ein Profi, der für Geld Fußball spielt, öffentlich die Verbundenheit zu seinem Verein demonstriert, ist das oft eine zweischneidige Sache. Da küsst er im Stadion das Emblem auf dem Trikot, winkt in die Kurve zu den Fans und versichert, beim tollsten Klub der Welt zu spielen. Drei Monate später ist er weg. Dorthin, wo es mehr Geld gibt. Noch mehr Geld. Das sagt der Profi aber nicht, sondern spricht von einer sportlichen Herausforderung. Und freut sich, nun beim allertollsten Klub der Welt zu spielen. Söldner halt. So einfach ist das. Auch bei Nuri Sahin, der den deutschen Meister Borussia Dortmund verlässt und künftig in Spanien bei Real Madrid spielt.

So einfach ist das? Nein, ist es nicht. Nicht bei allen Profis. Und nicht bei Nuri Sahin. Zu den guten Rechten eines Fußballers zählt es wie bei jedem anderen Berufstätigen auch, den Arbeitgeber zu wechseln. Zum Beispiel wenn er meint, dort bessere Perspektiven zu haben. Und dort mehr Geld verdient. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass er sich nicht mit seinem Verein identifiziert. Manuel Neuer ist so ein Beispiel. Früher stand der in der Nordkurve des Parkstadions, seit 1991 spielt er für den FC Schalke 04. In dieser Zeit ist er ein richtig guter Torhüter geworden, viele sagen, der beste der Welt. Nun hat er seinen Vertrag nicht verlängert und geht. Dorthin, wo er bessere sportliche Perspektiven hat. Und auch mehr Geld verdient. Viele sagen, es wird der FC Bayern München sein, der beste deutsche Verein.

Balljunge im Westfalenstadion

Und Nuri Sahin? Stand früher als Balljunge hinter der Bande im Westfalenstadion. Seit seinem zwölften Lebensjahr spielt er für Borussia Dortmund. Es gibt nicht viele in der überdrehten Welt der Bundesliga, die so mit ihrem Klub verbunden sind. Nuri Sahin ist einer, dem man es ruhig glauben kann, wenn er betont, wie sehr ihm sein Verein am Herzen liegt. Nun, nach zehn Jahren beim BVB, schlägt der Verstand das Herz.

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Bald getrennt: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp und Sahin.

(Foto: REUTERS)

Er geht, zwei Jahre vor Ablauf seines Vertrags. Das ist eine Entscheidung, die weder unverständlich noch inakzeptabel ist. Der Mann ist Profi. Und keinen Profi lässt ein Angebot von Real Madrid kalt. Den Dortmundern bringt das zehn Millionen Euro Ablöse und den Verlust des besten Spielers dieser so grandiosen Meistersaison. Ein denkbar schlechtes Geschäft für den Verein, das die Verantwortlichen aber offensichtlich nicht verhindern konnten. Oder wollten. Weil Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc nicht bereit waren, das Gehaltsgefüge ihres gerade mühevoll finanziell genesenen Vereins für einen Spieler zu sprengen. Auch wenn es der Kopf, das Herzstück, der Taktgeber der Mannschaft ist. Auch das eine Entscheidung, die weder unverständlich noch inakzeptabel ist.

Was genau will er eigentlich bei Real Madrid?

Was bleibt ist die Frage, was genau Nuri Sahin, 22 Jahre alt, bei Real Madrid will. Immerhin könnte er mit der vielversprechendsten deutschen Mannschaft und dem jüngsten deutschen Meister seit langer Zeit in der kommenden Saison in der Champions League spielen. Zumal es Watzke, Zorc und auch Trainer Jürgen Klopp gelungen ist, den Rest der Rasselbande in Dortmund zu halten. In Madrid hingegen erwartet ihn im defensiven Mittelfeld harte Konkurrenz: der spanische Nationalspieler Xabier Alonso und der deutsche Nationalspieler Sami Khedira.

Andererseits muss sich der türkische Nationalspieler Nuri Sahin auch vor diesen beiden nicht verstecken. Zumal er in der Offensive stärker ist. In dieser Saison kommt er auf sechs Tore und acht Vorlagen - ein außergewöhnlicher Wert für einen defensiven Mittelfeldspieler. Gepaart mit seinen Defensivkünsten und seiner Spielintelligenz ist Nuri Sahin ein richtig guter. Viele sagen, einer der besten. Und die spielen nun mal bei Vereinen wie Real Madrid.

Quelle: n-tv.de

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