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Zum Verlieren bestellt?Deutscher MMA-Kämpfer erlebt absurden Auswärtstrip in die Niederlande

22.02.2026, 10:00 Uhr
imageVon Michael Bauer
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Kennedy Rayomba hat bereits zwei Kämpfe bei Oktagon absolviert. (Foto: Oktagon MMA)

In kleineren MMA-Organisationen wird nicht selten der Lokalmatador gepusht. Sportlich wird er dabei oft nicht sonderlich gefordert. "Record Padding" nennt sich dieses Prozedere. Der Kölner Kennedy Rayomba wäre bei seinem letzten Kampf fast Opfer dieser Praktik geworden.

Der Kölner MMA-Kämpfer Kennedy Rayomba erlebt bei seinem letzten Kampf in den Niederlanden ein absurdes Szenario. Erst liefert er sich eine Schlacht mit dem aufstrebenden Lokalmatador Noach Blyden und gewinnt das Käfigduell nach Punkten, Tage später meldet sich der Veranstalter und erklärt, das Urteil werde angefochten. Die Konstellation des Kampfes wirkt aber eher so, als wäre der Plan der Niederländer nicht aufgegangen.

"Ich sollte dort verlieren", sagt Rayomba im Interview mit ntv.de. "Die Niederländer haben sicher nur meine Statistik gesehen und wollten, dass ich gegen ihren Schützling Noach Blyden kämpfe." Sechs Siege und sechs Niederlagen stehen beim 32-Jährigen zu Buche, zuletzt setzte es drei Niederlagen in Serie. Viel von seinen Qualitäten zeigen konnte der Kölner dabei nicht.

"Man hat klar gesehen, dass er mich als Sprungbrett nutzen möchte, er hat mich gar nicht ernst genommen. Er kam 15 Minuten zu spät zum Einwiegen und hat mich überhaupt nicht wahrgenommen", erzählt Rayomba über die Begebenheiten bei der Veranstaltung in der Nähe von Rotterdam. In größeren Organisationen wäre der Kampf hier schon vom Tisch gewesen. Für das Einwiegen gibt es feste Zeiten, an die sich die Kämpfer halten müssen, damit kein Wettbewerbsvorteil entsteht.

Bilanz aufgepolstert?

Beim Umgang mit dem Deutschen gab es noch einen weiteren fragwürdigen Moment. Rayomba sei gar nicht informiert worden, dass der Kampf schon losging, wie der Kölner sagt. Durch Zufall habe man mitbekommen, dass er in der Halle angekündigt worden war. "Glücklicherweise hatte ich mich schon aufgewärmt. Aber du hast einfach gesehen, der ganze Abend war auf ihn ausgerichtet. Die Leute waren dann geschockt, als sie gesehen haben, zu was ich in der Lage bin. Blyden hat im Kampf mehr und mehr Respekt bekommen."

Dass in kleineren Organisationen gerne der Lokalmatador gepusht, sportlich nicht sonderlich gefordert und alles für dessen Erfolg getan wird, ist nicht selten. Im MMA-Sport nennt sich dieses Prozedere "Record Padding" - das Aufpolstern der Kampfbilanz durch deutlich schlechtere Gegner. Was einer der größten Kritikpunkte am professionellen Boxen ist, etabliert sich mittlerweile auch im boomenden Käfig-Kampfsport. Im Falle von Blyden ging dieser mutmaßliche Versuch nun nach hinten los.

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Entsprechend lief das Duell im Käfig ab. In der ersten Runde konnte der Niederländer noch Akzente setzen, in Runde zwei und drei bekam er die Gegenwehr von Rayomba zu spüren. Während Blyden abbaute, drehte Rayomba auf. Nach Punkten wurde der Deutsche dann zum Sieger erklärt - "einstimmig", wie Rayomba sagt. Die genaue Punkterichterentscheidung kann man auf dem Youtube-Video zum Kampf nicht verstehen, die Reaktion des Gegners und seines Teams aber umso besser. "Keiner hat unmittelbar nach dem Kampf gemotzt oder gemeckert. Mein Gegner hat mir sogar noch die Hand gegeben", sagt Rayomba. "Erst zwei Tage später hat mich der Veranstalter angeschrieben, dass sie das Ergebnis anfechten wollen und dass ich die Gage zurückschicken sollte."

Auf eine ntv-Anfrage haben bislang weder der Veranstalter Heresh XL, noch der vor Ort zuständige Kampfsportverband World Professional Kickboxing League (WPKL) reagiert. Für Rayomba bleibt vorerst nur die Ungewissheit. "Ich weiß nicht, zu welchen Gunsten der Kampf gewertet wird. Da muss ich jetzt abwarten."

Quelle: ntv.de

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