"Sie liegen im Sterben!"Youtuber Jake Paul bläst zum Großangriff auf die UFC

"Der MMA-Sport ist wie der Wilde Westen", sagt Youtuber Jake Paul und nimmt die Rolle des neuen Sheriffs ein. Mit einem Event der Superlative greift er den Branchenprimus UFC an - und teilt verbal kräftig aus.
Mit Promi-Box-Events macht sich Youtuber Jake Paul einen Namen in der Sport- und Streamingwelt. Der 29-Jährige will als Veranstalter nun auch die Mixed-Martial-Arts-Szene erobern - und meint es ernst. Ohne große Probleme wird Paul das reichweitenstärkste MMA-Event aller Zeiten auf die Beine stellen und sagt gleichzeitig dem Branchenprimus den Kampf an.
"Der MMA-Sport ist wie der Wilde Westen. Ich glaube, wir haben die Möglichkeit, das Ganze aufzuwirbeln und die Kämpfer an erste Stelle zu bringen, ihnen das zu zahlen, was sie verdienen, ihnen die Plattform zu geben, die sie verdienen. Die UFC liegt im Sterben und MVP ist gekommen, um zu übernehmen", sagte Paul bei der Pressekonferenz zur Ankündigung des Events am 16. Mai in Los Angeles. Mit MVP meint der Youtuber und Gelegenheitsboxer seine Promotionsfirma, die erstmals ein MMA-Event auf Netflix bringen wird.
Im Hauptkampf werden Ronda Rousey und Gina Carano antreten, zwei der bekanntesten MMA-Kämpferinnen aller Zeiten, die für diese Traumkonstellation aus der Rente zurückkehren. Rousey war nicht nur UFC-Champion, sondern zeitweise auch die bestbezahlte Sportlerin der Welt. Beide waren in den vergangenen Jahren zwar nicht im Kampfsport aktiv, ihre Bekanntheit ist durch andere Aktivitäten aber deutlich größer geworden. Rousey ging nach ihrem letzten Kampf zur WWE. Fünf Jahre war sie als professionelle Wrestlerin eines der Aushängeschilder der Organisation, wurde auch hier Champion. Carano dagegen wechselte komplett das Genre. Sie arbeitete als Schauspielerin. Nach kleineren Auftritten in Filmen wie "Deadpool" und "Fast & Furious 6" hatte sie ihre erste feste Nebenrolle in der Erfolgsserie "The Mandalorian". Sie wurde im Februar 2021 aufgrund kontroverser Social-Media-Posts entlassen. Carano hatte in einem Instagram-Post das damalige politische Klima in den USA rund um die Corona-Politik der Biden-Regierung mit der Judenverfolgung im Holocaust verglichen.
Beim Netflix-Event gesellen sich noch der ehemalige UFC-Schwergewichtschampion Francis Ngannou und der Brasilianer Felipe Lins dazu. Die beiden werden den zweiten Hauptkampf des Abends machen, und während man bei Rousey und Carano nicht so genau weiß, was man sportlich erwarten kann, agieren Ngannou und Lins klar in der Weltspitze.
Paul holt mit den Ansetzungen enorm viele Fans ab, die sich derzeit von der UFC vernachlässigt fühlen. Die groß angekündigte Veranstaltung der Elite-Organisation vor dem Weißen Haus am 14. Juni bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück. UFC-Boss Dana White wisse selbst, dass die Kampfansetzungen "scheiße" sind, sagte Rousey, die eigentlich eine enge Freundin von White ist.
"Die UFC war einst der Ort im Kampfsport, wo man hingeht und fair bezahlt wird, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten", führte die 39-Jährige aus. "Mittlerweile ist es einer der schlechtesten Orte, zu dem man gehen kann." Viele der Top-Athleten verließen aus finanziellen Gründen die Organisation, kritisierte Rousey. "Diese Firma hat gerade 7,7 Milliarden US-Dollar eingenommen. Es gibt keinen Grund, warum die UFC ihren Athleten nicht mehr bezahlt oder gleichzieht mit Gehältern in anderen Sportarten." Wie könne man so erwarten, dass junge Sportler eine Karriere in MMA anstreben und nicht in Football oder Boxen, fragte Rousey offen. "Sie verlieren Talente aufgrund ihrer kurzfristigen Gier."
MVP-Mitgründer Nakisa Bidarian legte nach: "Die UFC hat eine enorme Marge. 40 Prozent. Das gibt es in keiner anderen Sportart." Die UFC würde zwar betonen, sich besser um die Bezahlung der Kämpfer zu kümmern, aber gleichzeitig ihre Margen schützen zu wollen. "Das ist unfair und viele Kämpfer werden das merken", sagt Bidarian.
Wird MVP eine neue große MMA-Organisation und Netflix die neue Plattform? Dafür fehlt vor allem dem Paul-Unternehmen noch die Struktur. Am Erfolg der Premierenveranstaltung gibt es allerdings schon jetzt keine Zweifel. Die schiere Abonnentenzahl von 300 Millionen sollte reichen, um einen neuen Rekord an Zuschauern bei einem MMA-Event auf die Beine zu stellen. Beim Boxkampf zwischen Jake Paul und Mike Tyson schauten bereits mehr als 100 Millionen Menschen bei der Rückkehr des Box-Rentners zu. Die Hürde ist für die beiden MMA-Rentnerinnen mit rund 20 Millionen Zuschauern bei einem Event in Japan Anfang der 2000er Jahre sogar deutlich niedriger.