Schummel, Flüche, OlympiasiegerDer Mann aus den Curling-Schlagzeilen schnappt sich Gold und spricht über Hass

Curling fasziniert alle vier Jahre bei Olympischen Winterspielen die Massen. Diesmal geht es aber besonders heiß her. Mittendrin im Wirbel: das kanadische Team um Skip Marc Kennedy. Dieser wird des Schummelns beschuldigt, er beleidigt - und gewinnt jetzt Gold.
Erst stand er wegen Schummelvorwürfen im Fokus, jetzt ist er zum zweiten Mal Olympiasieger: Marc Kennedy hat mit Kanada das olympische Curling-Turnier gewonnen. Die Nordamerikaner setzten sich in Cortina d'Ampezzo in einem spannenden Finale mit 9:6 gegen Großbritannien durch. Kennedy und seine Teamkollegen fielen sich in die Arme, schrien ihre Freude heraus und feierten dann gelöst mit ihren Fans.
"Es gab in dieser Woche viel Hass da draußen, aber wir haben uns entschieden, diesen Hass nicht in unsere Kabine zu lassen, ihm keinen Raum in unseren Köpfen zu geben und uns einfach gegenseitig zu vertrauen", sagte der 44-Jährige. "Es bedeutet mir die Welt, meine Teamkollegen mit einer Medaille um den Hals zu sehen. Ich weiß nicht, ob die Leute jemals verstehen werden, was wir als Team in dieser Woche durchgemacht haben - was ich ihnen als Team in dieser Woche zugemutet habe", sagte Kennedy. "Ich bin einfach so stolz auf sie. Ich liebe diese Jungs."
Letztmals hatten kanadische Männer bei den Winterspielen 2014 in Sotschi triumphiert - ohne Kennedy. Beim Gold-Triumph 2010 in Vancouver war Kennedy hingegen Teil des Teams gewesen.
Mit Pfiffen empfangen
Weltmeister Großbritannien muss sich derweil erneut geschlagen geben, die mehr als 100 Jahre andauernde Durststrecke hält an. Der letzte Olympiasieg Großbritanniens datiert von der Erstauflage 1924 in Chamonix. Das Finale von Peking vor vier Jahren hatte das Team um Skip Bruce Mouat gegen Schweden verloren. Das Spiel um Bronze am Freitag entschied die Schweiz gegen Norwegen deutlich mit 9:1 für sich.
Im hochklassigen Endspiel vor stimmungsvoller Kulisse machten sich beide Teams gegenseitig das Leben schwer, kein Team konnte sich entscheidend absetzen. Die Vorentscheidung fiel im vorletzten End: Kennedy, dessen Team mit Pfiffen empfangen wurde, drehte den 5:6-Rückstand auf ein 8:6 für das letzte End. In diesem versuchte sich Großbritannien noch in ein Extra-End zu retten, doch scheiterte.
"Fuck off" im vermeintlichen "Gentlemen Sport"
Kennedy hatte zu Beginn des Curling-Turniers wegen einer angeblichen Schummelei großen Wirbel ausgelöst. Der Schwede Oskar Eriksson warf dem Kanadier eine irreguläre mehrmalige Berührung des Steins während der Abgabe vor. Kennedy reagierte sichtlich verärgert, stritt eine Schummelei ab und rief seinem Kontrahenten sogar ein derbes "Fuck off" hinterher: "Verpiss dich."
Der Curling-Weltverband verwarnte Kennedy mündlich und führte wegen mehrerer Vorfälle dieser Art bei allen Spielen eine verstärkte Überwachung der Steinabgaben ein. Auch das Netz schaute genauer hin: Lustige Memes der Schummelei Kennedys eroberten soziale Medien. Seither ist in Anlehnung an das englische Wort für stupsen oder antippen vom "Boop-Gate" die Rede. Kennedy falle es seither schwer noch vom "Gentlemen-Sport" zu sprechen, sagte der Angeklagte kürzlich. "Der Geist des Curlings ist tot."
Die deutschen Curler waren erstmals seit Sotschi 2014 wieder bei Olympischen Spielen dabei. Mit vier Siegen und fünf Niederlagen belegte die Auswahl um Kapitän Marc Muskatewitz Rang sieben und verpasste damit das Halbfinale der besten vier Teams.