Olympia

Fiasko mit Nordkoreas Flagge "Eine Schande" für Olympia

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Eine Stunde lang weigern sich die Spielerinnen, aufs Feld zurückzukehren.

(Foto: REUTERS)

Mit der Flaggen-Panne beim Auftaktspiel der nordkoreanischen Fußballerinnen hat Olympia 2012 seinen ersten Eklat - noch ehe die Spiele so richtig begonnen haben. Während London von einem menschlichen Fehler spricht, wittert Nordkorea politisches Kalkül.

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Auch ein kompletter Rückzug der Mannschaft wurde diskutiert.

(Foto: AP)

Sogar der britische Premierminister musste sich entschuldigen. "Es war ein Fehler, und man sollte nicht so einfach darüber hinwegsehen", sagte David Cameron nach dem Fiasko mit der Flagge von Nordkorea. "Es hätte nicht passieren dürfen", stellte er fest, "aber es ist trotzdem passiert." Die altehrwürdige "Times" sah nach dem Eklat einen "Schatten auf einem Tag, der ansonsten ein unerwarteter Erfolg" gewesen wäre und nannte es "eine Schande", dass der Sport erneut politisch aufgeladen worden war. Es war in der Tat peinlich: Seit zehn Monaten war bekannt, dass die Fußballerinnen aus Nordkorea am olympischen Turnier teilnehmen - nur die Organisatoren der Spiele von London wussten es anscheinend nicht. Zum Auftakt der Vorrunde wurde auf der Anzeigetafel im Hampden Park von Glasgow die Fahne von Südkorea eingeblendet, auch die Bezeichnung "Demokratische Volksrepublik" für Nordkorea wurde vergessen.

Die Nordkoreanerinnen verließen daraufhin das Spielfeld und weigerten sich eine Stunde lang, das Spiel zu beginnen. Cameron versuchte tags darauf, Gelassenheit zu demonstrieren. "Ich bin mir sicher, dass alle notwendigen Schritte unternommen werden, dass so etwas nicht noch einmal passiert", sagte er. IOC-Präsident Jacques Rogge musste indes dem nordkoreanischen IOC-Mitglied Ung Chang versichern, dass es sich bei dem "sehr unglücklichen Vorfall" um einen "menschlichen Fehler ohne politische Note" handelte. "Ich versichere Ihnen, das wird nicht wieder passieren", sagte er.

Bückling und Entschuldigungen

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Erst im zweiten Anlauf gab es die richtige Fahne.

(Foto: AP)

LOCOG-Generalsekratär Paul Deighton hatte da schon den Bückling vor Nordkorea gemacht und bedauert: "Es war ein menschlicher Fehler. Ich kann versichern, dass es nicht wieder vorkommt." OK-Präsident Lord Sebastian Coe mahnte nach dem Eklat: "Die Athleten dürfen niemals Opfer unserer Fehlleistungen werden, das sage ich meinen Mitarbeitern jeden Morgen." Nordkoreas Trainer Gun Sin Ui glaubte freilich nicht an ein Versehen, sondern nach eigener Aussage an eine geplante Aktion der Gastgeber. "Wir waren wütend, weil unsere Spielerinnen präsentiert wurden als seien sie Südkoreanerinnen. Das ist eine Sache, die uns sehr nahe geht. Der Sieg kann das nicht vergessen machen", sagte er nach dem 2:0 gegen Kolumbien. Das ganze Bohei um eine Fahne - "und Glasgow dachte, das Old Firm sei heftig", kommentierte die Times. Das "Old Firm" ist das Stadtduell im Fußball zwischen Celtic und den Rangers.

Kim Jong Un dürfte jedenfalls not amused gewesen sein. Ein paar Stunden vor dem Spiel hatte sich der nordkoreanische Herrscher noch fröhlich lächelnd und erstmals offiziell mit seiner bis dahin unbekannten Ehefrau gezeigt, "Genossin Ri Sol Ju". Wenige Stunden später stand sein Land wieder einmal im Mittelpunkt eines Eklats. Die Panne verdrängte die Turtelbilder aus den Schlagzeilen. Die Zeitung "The Guardian" stellte fest: Im Angesicht der weißen Fahne mit dem rot-blauen "Eum und Yang"-Symbol habe Nordkorea "rot" gesehen.

Unmittelbar nach der Panne verließen die Spielerinnen den Platz, die nordkoreanische Delegation protestierte. Die Mannschaft weigerte sich zunächst anzutreten, sogar über einen kompletten Rückzug von den Spielen wurde diskutiert. Als das Problem gelöst und die Fahne des verfeindeten Bruderstaates durch die "Flagge der Demokratischen Volksrepublik Korea" mit rotem Stern und blauen Balken ersetzt worden war, konnte das Spiel beginnen - mit einstündiger Verspätung.

Nord- und Südkorea, die sich noch immer im Kriegszustand befinden, hatten sich zumindest sportlich zu Beginn des Jahrtausends angenähert. 2000 in Sydney und 2004 in Athen waren beide Mannschaften bei der Eröffnungsfeier gemeinsam eingelaufen. Gespräche über eine Wiederholung dieser Geste waren im Vorfeld der Spiele von London nicht einmal aufgenommen worden.

Quelle: n-tv.de, Marco Mader, sid

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