Olympia

Hunderttausende auf den Straßen Fancouver feiert sich selbst

Das erinnert an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland: Hunderttausende kanadische Fans verwandeln Vancouver beim Spiel gegen die USA in eine Partymeile. Und das, obwohl ihr Team verliert. Schließlich gilt: Für Kanadier ist das Glas immer halb voll.

Ausnahmezustand in "Fancouver": Hunderttausende Fans haben die Olympiastadt am Super Sunday des Eishockey-Turniers eingenommen und in eine einzige Partymeile verwandelt. Selbst die 3:5-Pleite Kanadas gegen den Erzrivalen USA konnte die ausgelassene Stimmung nur kurz trüben. Denn kaum war der erste Schock überwunden, setzten die meisten ihren Feier-Marathon fort und freuten sich schon auf das unverhoffte Extra-Spiel ihrer Lieblinge am Dienstag (1.30 Uhr MEZ) gegen Deutschland.

"Das ist der Grund, warum es Bier gibt", sagte der Animateur des Canada Hockey House nach der Schlusssirene und brüllte seine Botschaft ins Mikrofon. Viele der zunächst geschockten 3000 Fans stürmten daraufhin die Tresen und feierten sich selbst. "Ich lebe seit meiner Geburt in Vancouver, aber so heiß war die Stadt noch nie. Hier ist seit Tagen Rock 'n' Roll angesagt, ich liebe es", sagte der 23-jährige Jeff Brennan.

"Die Jungs bleiben unsere Helden"

Am Sonntag schien die ganze Stadt auf den Beinen zu sein. Im Zentrum verstopften unzählige in Rot und Weiß gekleidete Menschen auf der Suche nach einer Bar oder einem Public Viewing die Straßen. Der populäre Robson Square im Herzen Vancouvers musste schon Stunden vor dem Duell der Kanadier gegen die USA wegen Überfüllung für weitere Zuschauer geschlossen werden.

Überall in der Stadt litten die Fans mit den Ahornblättern. Doch nur die Wenigsten ließen sich durch die Niederlage ihre Party-Stimmung komplett vermiesen. "Wir sind Kanadier, und für uns Kanadier ist das Glas immer halb voll. Die Jungs bleiben unsere Helden", sagte ein 22 Jahre alter Anhänger. Für diese Unterstützung wollen sich die kanadischen Kufencracks jetzt natürlich mit einem Sturmlauf im Play-off-Spiel gegen das bislang enttäuschende deutsche Team bedanken. "Es ist gar nicht so schrecklich, dass wir noch ein zusätzliches Spiel haben. Wir werden bereit sein", sagte Sidney Crosby. Der Superstar hatte mit seinem Anschlusstreffer zum 3:4 drei Minuten vor Schluss noch einmal für Hoffnung gesorgt.

Getränkeläden machen dicht

Auch im mit 16.500 Zuschauern ausverkauften Canada Hockey Place hielt sich der Frust in Grenzen. Das lag auch daran, dass die Fans den spektakulärsten Spieltag der Olympiageschichte im Mutterland des Eishockeys präsentiert bekamen. In gleich drei Blockbuster-Duellen standen sich die sechs besten Teams der Welt gegenüber und gaben einen Vorgeschmack auf packende K.o.-Spiele.

Anders als Kanada sicherte sich Weltmeister Russland nach dem 4:2 gegen Tschechien das Direkt-Ticket fürs Viertelfinale. Auch Olympiasieger Schweden hat nach dem 3:0 gegen den Turin-Zweiten Finnland einen Tag mehr Zeit zur Regeneration.

Die Polizei hatte Vorkehrungen für eine friedliche Eishockey-Party in der Stadt getroffen. Ab 19 Uhr mussten die Getränkeläden im Zentrum ihre Türen schließen. Außerdem hatte Vancouvers Bürgermeister Gregor Robertson an die Vernunft der Leute appelliert: "Die Scheinwerfer sind auf uns gerichtet, wenn wir mit den Gästen aus aller Welt feiern. Lasst den Alkohol zu Hause!"

Quelle: ntv.de, örg Soldwisch, sid

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