Wieder keine Biathlon-MedailleHistorische Negativbilanz: Preuß versagen bei Führung erneut die Nerven

Deutschlands Biathletinnen führen im Staffelrennen in Antholz früh. Ausgerechnet Franziska Preuß leistet sich dann erneut einen Fauxpas. Zu einer Olympia-Medaille reicht es wieder nicht, so schlecht waren die deutschen Staffeln noch nie.
Franziska Preuß brauchte nach ihrem nächsten persönlichen Drama Zeit für sich. Während sich Deutschlands Sportlerin des Jahres eine gute Viertelstunde lang in die Kabine zurückzog, konnten ihre Teamkolleginnen das historische Debakel nicht mehr abwenden. Erstmals überhaupt blieben die deutschen Biathleten sowohl in der Männer- als auch in der Frauen-Staffel ohne Olympia-Medaille. In Führung liegend, musste die auf Position zwei vorgezogene Preuß in die Strafrunde, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt konnten diese Hypothek nicht wettmachen.
Vor den Augen von Edelfan Jürgen Klopp reichte es so nur zu Rang vier, 21 Sekunden fehlten nach der Strafrunde sowie acht Nachladern zu Bronze. "Wir sind enttäuscht, dass es nicht zur Medaille gereicht hat", sagte Hettich-Walz: "Ich hätte ein Überrennen gebraucht, um den Anschluss nach vorne wieder herzustellen." Damit bleibt das deutsche Biathlon-Team bei lediglich einer Bronze-Medaille in der Mixed-Staffel.
Deutsche Staffeln so schlecht wie noch nie
2022 hatte das Quartett mit Voigt, Vanessa Hinz, Preuß und Denise Herrmann-Wick in Peking Bronze gewonnen - und damit die erfolgreiche Tradition deutscher Staffeln fortgesetzt. Seit der Aufnahme der Frauenwettbewerbe ins olympische Biathlonprogramm 1992 hatte es in den Staffeln von Männern oder Frauen immer mindestens eine Medaille gegeben. Doch nachdem die Frauen zum dritten Mal nach 2014 und 2018 das Podest verfehlten, ist die historische Negativbilanz nach Platz vier der Männer-Staffel perfekt.
Im Kampf gegen die Probleme beim letzten Schießen hatte ein taktischer Kniff Preuß wieder in die Spur bringen sollen, statt als Schlussläuferin ging sie bereits auf Position zwei ins Rennen. "Bei der Franzi ging es natürlich auch darum, sie bewusst aus dieser Situation rauszunehmen, in der sie jetzt ein, zwei Mal gestrugglet hat", sagte DSV-Sportdirektor Felix Bitterling. Man habe eine Aufstellung gewählt, "mit der man angreifen kann".
Die laufstarke Tannheimer setzte sich mit einer schnellen ersten Runde und einer fehlerfreien ersten Serie mutig an die Spitze, nach zwei Nachladern übergab sie als Zweite mit fünf Sekunden Rückstand auf Schweden. Preuß ging mit einer fehlerfreien Liegendserie in Führung, doch dann ging stehend wieder alles schief: Die Gesamtweltcupsiegerin musste wie schon im Mixed in die Strafrunde. Bitterling und Trainer Sverre Olsbu Röiseland sackten ratlos auf die Knie.
Hat Preuß erneut Selbstvertrauen eingebüßt?
Schließlich entstand ein Loch von 47 Sekunden nach ganz vorne. Hettich-Walz kam vor Tausenden deutscher Fans zwar ein paar Ränge nach vorne, verlor aber weitere Zeit zu den Medaillenrängen. Voigt ging 35 Sekunden hinter Position drei auf die Strecke, schoss fehlerfrei - und kam doch nicht mehr ganz nach vorne. Dort siegten die Favoritinnen aus Frankreich (1 Strafrunde +6 Nachlader) vor Schweden (1+7/+51,3 Sekunden) und Norwegen (0+7/+1:07,6 Minuten).
Preuß dürfte nach ihren bitteren Patzern bei den letzten Schießen im Mixed, Einzel und Verfolgung mit ihrem Auftritt weiteres Selbstvertrauen eingebüßt haben. Der Massenstart am Samstag (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) ist die finale Chance zur Erfüllung ihres Traums von einer olympischen Einzelmedaille. Ob die 12,5 Kilometer sogar ihr letztes Karriererennen sein werden oder sie bis Saisonende weitermacht, ist noch offen.
Außerdem haben sich Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz für den Showdown der besten 30 Frauen qualifiziert. Bei den Männern steht bereits am Freitag (14.15 Uhr/ZDF und Eurosport) mit dem Massenstart das letzte Olympia-Rennen an. Nach der Enttäuschung in der Staffel gehen Philipp Nawrath, David Zobel und Philipp Horn allerdings als krasse Außenseiter ins Rennen.