Olympia-Proteste mit RauchbombenICE-Agenten sorgen weiter für große Wut in Mailand

Bei den Olympischen Spielen werden auch Sicherheitskräfte der umstrittenen ICE-Behörde aus den USA eingesetzt. Sie sollen aber nur dem Schutz von Vizepräsident JD Vance dienen. In Mailand gegen die Proteste weiter.
Der Ärger über die Präsenz der amerikanischen ICE-Agenten in Mailand ebbt nicht ab. Nachdem bereits am Freitag, noch vor der Eröffnungsfeier der Spiele, Hunderte Studenten durch die Stadt gezogen waren, um friedlich gegen die US-Sicherheitskräfte der umstrittenen Einwanderungspolizei von Donald Trump zu demonstrieren, zogen auch am ersten offiziellen Wettkampftag rund 3000 Menschen durch die Stadt. So berichtet die Polizei. Andere Quellen sprechen von 5000 Demonstranten.
Dieses Mal war die Stimmung deutlich aufgebrachter. Begleitet von vielen Sicherheitskräften wurden Rauchbomben und Feuerwerkskörper gezündet. Eine kleine Gruppe bewarf die Polizei zudem mit Steinen, die sie nach einer ansonsten friedlichen Demonstration mit Wasserwerfern auseinandertrieb. Es gab mindestens fünf vorläufige Festnahmen.
Mehrere Tausend Menschen hatten mit der Kundgebung eigentlich auf die negativen Auswirkungen der Spiele in Hinblick auf Umwelt und soziale Themen aufmerksam machen wollen. Die Polizei war nach gewalttätigen Zusammenstößen während einer Demonstration in Turin am vergangenen Wochenende, bei denen über 100 Beamte verletzt wurden, in höchster Alarmbereitschaft.
"ICE=SS"
Die US-Einwanderungspolizei steht national und international massiv wegen ihres teilweise brutalen Vorgehens gegen Migranten in der Kritik. Zwei Menschen kamen durch Schüsse der Agenten ums Leben. Dass ihnen eine Gefahr ausgegangen war, ließ sich in keinem Fall beweisen. Bei den Protesten wurden erneut Plakate mit den Aufschriften "ICE out" ("ICE raus") oder "ICE=SS" gezeigt.
Die Nachricht vom Einsatz der ICE-Beamten hatte große Wut in Mailand ausgelöst. Bürgermeister Giuseppe Sala wurde besonders deutlich: "Das ist eine Miliz, die tötet ... Es ist klar, dass sie in Mailand nicht willkommen sind, daran besteht kein Zweifel. Können wir nicht einmal Nein zu Trump sagen?", sagte er in einem Interview mit dem Radiosender RTL 102.5. Die Regierung in Rom versicherte schnell, dass zum Schutz der öffentlichen Ordnung während der Spiele nur italienische Sicherheitskräfte zum Einsatz kommen.
Katarische Sicherheitskräfte im Einsatz
So ganz stimmt das nicht. So patrouillieren in Mailand auch Einsatzkräfte einer Spezialeinheit aus Katar. Beamte der Lechwija-Einheit sowie Polizisten, auf deren blauen Jacken "Qatar Polizia" steht, wurden in der Stadt gesehen. Darüber berichtet die Deutsche Presseagentur. Hintergrund der Präsenz der katarischen Beamten ist ein Kooperationsabkommen zwischen Italien und Katar, das die Innenminister der beiden Länder vergangenen September zur Vorbereitung der Winterspiele in Italien unterzeichnet hatten. Dieses regele den "Beitrag der katarischen Sicherheitskräfte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung", hieß es in einer Mitteilung nach dem Besuch von Minister Matteo Piantedosi in Doha.
Die ICE-Agenten sollen in Italien dagegen vor allem Vizepräsident JD Vance beschützen. Der reiste als höchster Vertreter der US-Regierung zu den Spielen. Und war dort nicht sehr willkommen. Bei der Eröffnungsfeier wurde er kurz auf den Leinwänden in San Siro eingeblendet und gnadenlos niedergebuht. Der US-Fernsehsender NBCE schnitt die Szene heraus. Vance soll noch bis Montag in Italien bleiben. Ob mit ihm dann auch die ICE-Agenten abgezogen werden, ist noch nicht bekannt.
Für Wirbel mit seinem ICE-Protest hatte der britische Freestyler Gus Kenworthy gesorgt. Kurz vor dem Start der Spiele hatte er auf Instagram ein Bild gepostet, auf dem "Fuck ICE" zu sehen war - nach seinen Angaben hat Kenworthy den Schriftzug in den Schnee gepinkelt. Die Aktion bleibt indes ohne Folgen für den Athleten. "Während der Olympischen Spiele haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Ansichten gemäß den Richtlinien für die Meinungsäußerung von Athleten zu äußern. Das IOC reguliert keine persönlichen Beiträge in sozialen Medien", teilte ein IOC-Sprecher der Press Association mit. Sportlerinnen und Sportlern sind laut der Olympischen Charta Regel 50 politische Proteste oder Botschaften während der Spiele in großen Teilen verboten.