Olympia

DBB staunt und muss viel lernen Monster frisst das deutsche Sommermärchen

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17 Länderspiele, 17 Siege: Dončićs Bilanz mit Slowenien beeindruckt.

(Foto: REUTERS)

Das zarte Medaillenträumchen ist geplatzt. Megastar Luka Dončić und Europameister Slowenien lassen den deutschen Basketballern im olympischen Viertelfinale nicht den Hauch einer Chance. Das Team von Henrik Rödl kann trotz des Ausscheidens auf den Erfolgen dieses Sommers aufbauen.

Er war nicht "on fire" wie bei seiner 48-Punkte-Gala gegen Argentinien. Und auch nicht nahezu fehlerfrei wie gegen Japan in Spiel zwei. Dennoch dominierte Sloweniens Jahrhunderttalent Luka Dončić auch gegen Deutschland fast nach Belieben und führte das kleine Land vom Balkan bei seiner ersten Basketball-Teilnahme ins olympische Halbfinale. Das DBB-Team muss nach der klaren 70:94-Niederlage die Heimreise antreten.

Der 22-Jährige von den Dallas Mavericks zeigte eindrucksvoll, dass es nicht immer 30 Punkte sein müssen, um einer Partie allumfassend seinen Stempel aufzudrücken. Dončić zog die Fäden im Angriff und einen Großteil der deutschen Aufmerksamkeit auf sich, vom ersten Sprungball bis zu seiner letzten Auswechslung knapp vier Minuten vor dem Ende der Partie. Die war zu jenem Zeitpunkt längst entschieden.

"Sie haben einen der besten Spieler der Welt - aber er ist nicht alleine. Ich finde es beeindruckend, wie sie als Mannschaft agieren, wie sie den Ball teilen. Jeder kann schießen. Und sie verteidigen sehr stark. Wir konnten uns nur selten freilaufen und werfen. Darum war es am Ende deutlich", konstatierte Nationaltrainer Henrik Rödl nach dem Spiel. Mit 20 Punkten, 8 Rebounds und 11 Assists schrammte Dončić nur knapp am international so seltenen Triple Double vorbei. Sechs seiner elf Vorlagen - mehrere von ihnen "no-look", also ohne Hinschauen serviert - führten zu Dreiern seiner Mitspieler. Das demoralisiert. Mehr als die Hälfte der 94 Punkte gingen als Schütze oder Vorbereiter auf das Konto von Dončić.

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Mund abputzen, weitermachen.

(Foto: AP)

Der dynamische slowenische Angriff war auch von Deutschlands Defensive nicht in den Griff zu bekommen. Das Team von Aleksander Sekulić legte einen Lauf nach dem anderen aufs Parkett, angeführt von Zoran Dragićs 27 Punkten und zahlreichen Tempogegenstößen. Knapp 15 Minuten hielten die Außenseiter mit. Dann wurde die Mischung aus offensiver Effizienz (68 Prozent Zweier, 43 Prozent Dreier) und aggressiver Abwehr zu viel.

Ein Grundstein, mehr aber noch nicht

"Sie haben uns unter Druck gesetzt, über das gesamte Spielfeld. Das hat uns aus dem Rhythmus gebracht", analysierte Flügelspieler Niels Giffey anschließend. Und Topscorer Maodo Lo (11 Punkte) fügte hinzu: "Das war ein hartes Spiel. Wir haben uns aus dem Konzept bringen lassen, in der Transition viele Körbe des Gegners erlaubt. Das hat uns am Ende wirklich zurückgesetzt, solche Fehler dürfen wir uns nicht erlauben gegen so eine gute Mannschaft wie Slowenien."

Kein Profisportler fährt zu einem internationalen Turnier, um "nur mal dabei zu sein". Das gilt auch für deutsche Basketballer - auch wenn die oft einmalige Erfahrung, sein Land bei Olympischen Spielen vertreten zu dürfen, den Schmerz dieses Ausscheidens sicherlich etwas lindern dürfte. Ebenso wie der Blick auf den Weg des DBB in den vergangenen Wochen und Monaten: von PR-Fiaskos über Last-Minute-Absagen und aussichtslos wirkende sportliche Situationen war so gut wie jede Widrigkeit dabei.

Rödl und sein Team machten mehr als das Beste draus, etablierten eine Kämpfer-Identität und legten so den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft. Bei der bis dato letzten Teilnahme an einem olympischen Viertelfinale stand Rödl noch selbst im Kader: vor 29 Jahren wurde Deutschland Siebter, in Barcelona 1992. "Glückwunsch an Slowenien, wirklich beeindruckend. Das nimmt aber von unserem Sommer überhaupt nichts weg. Der war besonders, meine Mannschaft ist besonders, der Teamgeist ist besonders. Es ist eine Freude, diese Mannschaft zu coachen, es ist ein Privileg, hier mit dabei sein zu dürfen. Die Olympia-Teilnahme mit dem Viertelfinale ist ein Riesenerfolg. Ich bin dankbar, das alles begleitet zu haben. Ich habe jede Sekunde hier genossen."

Rödls Vertrag läuft mit Ende dieses Turniers aus. Er hat sich die Chance erarbeitet, bei der EM 2022 im eigenen Land und vielleicht sogar bei der WM 2023 anzugreifen - dann idealerweise mit Deutschland in Bestbesetzung. Wer weiß, was die Basis dieses Teams, verstärkt von den NBA-Talenten Dennis Schröder, Daniel Theis, Maxi Kleber, Isaiah Hartenstein und Franz Wagner zu leisten imstande wäre.

Verliert Luka irgendwann auch mal?

DBB-Präsident Ingo Weiss ist optimistisch: "Unsere Jungs können hocherhobenen Hauptes aus diesem Basketballsommer gehen. Sie haben großartige Leistungen und ganz viel Leidenschaft gezeigt. So muss eine Basketball-Nationalmannschaft auftreten. Immer an sich glauben, nie aufgeben, jeder kämpft für jeden. Das gibt mir ganz viel Zuversicht, besonders auch im Hinblick auf die EuroBasket 2022 in Deutschland. Mit einer solchen Einstellung und Motivation und mit tausenden Fans vor Ort im Rücken ist dann ganz viel möglich. Basketball-Deutschland kann stolz auf diese sympathisch kämpfende Mannschaft sein und sich auf zukünftige Spiele freuen."

Wenn dieses Turnier eines auch gezeigt hat, dann, dass individuelle Topspieler im Basketball wichtiger sind denn je. Wie auch in der NBA, beim Ex-Klub von Dirk Nowitzki, hat sich Dončić auch international in Windeseile zum Superstar entwickelt. Aus den Mavericks hat er ein sicheres Playoff-Team geformt, wurde zweimal in Folge ins "All-NBA First Team" gewählt - die fünf besten Akteure einer Saison. Die Vertragsverlängerung (fünf Jahre, 202 Millionen US-Dollar) in Dallas nach Olympia ist reine Formsache.

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Erster beim Scoring, Zweiter bei den Rebounds, Zweiter bei den Assists... Slowenien ist dank der Führungsqualitäten von "Luka Magic", wie Dončić dank spektakulärer Spielweise genannt wird, bei seinen 17 Auftritten im Nationaltrikot weiterhin ungeschlagen. Der Youngster zelebriert Basketball, seine Persönlichkeit - laut, spielfroh, selbstsicher, ungezwungen - ist zur Identität dieser Truppe geworden.

Nach der sensationellen Euromeisterschaft 2017 soll in Tokio nun olympisches Edelmetall folgen. Es wäre der erste Medaillengewinn bei der Premiere seit Kroatien und Litauen, 1992. Dončić und Slowenien treffen am Donnerstag auf Frankreich, das dank seiner eigenen NBA-Cracks Rudy Gobert, Evan Fournier und Nic Batum in einer hart umkämpften Partie Italien mit 84:75 bezwang. Im zweiten Halbfinale treffen die favorisierten Amerikaner um Megastar Kevin Durant nach ihrem 95:81-Erfolg gegen Spanien auf Australien.

Quelle: ntv.de

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