Olympia

"Habe ich Halluzinationen?"Nazgul sorgt auch ohne Medaille für "einen der schönsten Höhepunkte"

19.02.2026, 11:38 Uhr
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Bei einem Qualifikationsrennen für den Langlauf-Sprint der Frauen sorgt ein Außenseiter für einen großen olympischen Moment. Ein Außenseiter mit vier Beinen und Fell.

Starker Schlussspurt, aber keine Medaille: Bei der Qualifikation zum olympischen Sprintrennen der Langläuferinnen bog am Mittwoch plötzlich ein tschechoslowakischer Wolfshund auf die Zielgeraden ein und stürmte den verdutzten Läuferinnen hinterher ins Ziel. Nazgul heißt er, wie seine Besitzer später dem Sender NPR erzählten und ist einer der jüngsten Helden der Spiele von Mailand und Cortina. Der Zweijährige löste sogar die Zeitmessung und das Zielfoto aus, geht aber trotz Höchstgeschwindigkeit leer aus. "Schau dir den Schritt an, der hat das genau richtig gemacht", staunten auch die Kommentatoren von Eurosport. Instagrambeiträge von Nazguls Coup begeistern Hunderttausende.

Nachdem Nazgul, der laut NPR in einem Hotel nahe der Rennstrecke zu Hause ist, seinen von den Fans auf den Tribünen begeistert umjubelten Zieleinlauf genossen hatte, wurde er von Helfern unter wildem Schmusen eingefangen und von der Strecke begleitet. Der britische "Guardian" vermutet, dass Nazgul seine Fixierung auf die Kamera eine bessere Zeit gekostet hätte - und führt dafür die griechische Athletin Konstantina Charalampidou als Zeugin an. "Er jagte der Kamera hinterher, die an der Ziellinie auf und ab fuhr. Er war niedlich, nicht aggressiv", sagte Charalampidou NPR. "Ich wollte ihn streicheln, aber ich hatte keine Zeit und konnte ihn danach nicht mehr finden."

"Weil er männlich ist - und ein Hund"

Die Kroatin Tena Hadzic, die gemeinsam mit Nazgul ins Ziel jagte und sich sichtbar erschrak, sah die überraschende Begegnung mit dem großen Hund nicht ganz so gelassen: "Ich dachte: 'Habe ich Halluzinationen?'", sagte sie. "Ich wusste nicht, was ich tun sollte, denn vielleicht hätte er mich angreifen oder beißen können. "Es ist keine große Sache, denn ich kämpfe nicht um Medaillen oder etwas Großes. Aber wenn das im Finale passiert wäre, hätte es jemanden wirklich die Medaillen oder ein wirklich gutes Ergebnis kosten können." Nazgul hatte sich selbstständig auf den Weg ins Langlaufstadion gemacht. In der Tat ist der Vorfall nicht nur zum Schmunzeln: Streckenchef Michel Rainer erklärte später gegenüber Eurosport, er habe später einen "kleinen Biss" abbekommen - "aber hey, ich lebe."

Begeisterte Fans des Rüden starteten noch am Mittwoch eine Petition, dass die Organisatoren Nazgul eine Ehrenmedaille verleihen sollten. Die Aussichten auf eine verspätete Ehrung scheinen jedoch gering: "Selbst wenn er das ganze Rennen geschafft hätte, hätte Nazguls Zeit nicht gezählt, da er männlich ist. Und ein Hund", kommentierte der englische "Guardian" korrekt.

Nazgul selbst durfte sich nach dem Wettkampf nicht zu seiner Leistung oder seinen Gefühlen äußern. Dafür sprachen Nazguls Besitzer zu NPR: Der Zweijährige habe wahrscheinlich eher nach Gesellschaft als nach sportlichem Ruhm gesucht. "Er hat heute Morgen mehr als sonst geweint, weil er gesehen hat, dass wir gehen – und ich glaube, er wollte uns einfach nur folgen. Er sucht immer nach Menschen." Nazgul sei "stur, aber lieb".

Auch ohne offizielle Würdigung bleibt Nazguls Auftritt im Gedächtnis: "Der unbeschwerte Moment wurde schnell zu einem der bisher schönsten Höhepunkte der Spiele in Mailand und Cortina", schreibt die spanische Sportzeitung "As".

Quelle: ntv.de, ter

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