"Jetzt bin ich wirklich gerührt"Deutscher Erfolgstrainer bringt Schwedens Biathletinnen zum Weinen
Johannes Lukas lässt das schwedische Biathlon-Team als Cheftrainer wiederauferstehen. Bei den Olympischen Spielen wird es nun emotional.
Ständig fließen Tränen bei den olympischen Biathlon-Wettbewerben in Antholz, und die Deutschen sind mittendrin. Während die bei ihrem letzten großen Wettkampf an sich selbst scheiternde deutsche Legende Franziska Preuß geschockt die Verzweiflung über vergebene Medaillenchancen beweint, sind die Tränen bei den Schwedinnen nach ihrem Staffel-Silber unterschiedlicher Qualität. In die schiere Freude über den Coup mischen sich Wehmut und pure Rührung. Für alles ist ein deutscher Trainer mindestens mitverantwortlich.
"Eine unglaublich große Bedeutung" habe Johannes Lukas für die Mannschaft, sagte die frischgebackene Silbermedaillengewinnerin Anna Magnusson nach dem Rennen dem schwedischen "Aftonbladet". Und fuhr mit Tränen in den Augen fort: "Gott, jetzt bin ich tatsächlich ein bisschen gerührt. Ich glaube, er hat mir wirklich die Freude am Biathlon wiedergegeben." Lukas, der seine eigene Biathlonkarriere bereits im Alter von 21 Jahren verletzungsbedingt aufgeben musste, ist im zehnten Jahr in Schweden tätig - und wurde schon mit 25 Jahren zum Cheftrainer befördert. Lukas sei "ein fantastischer Anführer", sagte Magnusson noch. "Er hat wirklich an mich geglaubt. Ich denke, er hat meine Karriere ein wenig verlängert."
"Sie bedeuten mir sehr viel"
Der Vertrag des Deutschen in schwedischen Diensten läuft nach der Saison aus, die Sorge ist groß, dass er den Verband nach zehn Jahren verlässt. "Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, wie viel Zeit und Energie er dafür investiert. Dass wir in beiden Staffeln erfolgreich sind, ist ein Riesenerfolg für das Team", sagte Magnussons Staffel-Kollegin Elvira Öberg. Die Männer hatten sich am Vortag die Bronzemedaille erkämpft.
Auch für Lukas, der mit 25 Jahren zum Cheftrainer der schwedischen Männer und Frauen befördert worden war, ist die Beziehung mit seinen Sportlerinnen und Sportlern eine besondere: "Sie bedeuten mir sehr viel. Ich bin jetzt seit zehn Jahren bei ihnen und habe immer gesagt, dass sie meine zweite Familie sind."
Lukas, der zunächst bei Trainerlegende Wolfgang Pichler hospitiert und wenig später dessen Amt in Schweden nahtlos übernommen hatte, feierte den Coup, bei dem man auch den ewigen Rivalen Norwegen distanziert hatte, zunächst zurückhaltend: "Ich hatte vor den Olympischen Spielen einen Traum. Ich wollte unbedingt eine Medaille sowohl in der Frauen- als auch in der Männerstaffel gewinnen", verriet Lukas dem "Aftonbladet".
In dem Moment, als der Traum wahrgeworden war, flüchtete sich der 32-Jährige erst mal in den Wald. "Ja, tatsächlich. Ich brauchte zwei Minuten für mich dort draußen. Normalerweise renne ich schnell zurück, aber es war ein Traum, der wahr geworden ist. Da möchte man es erst einmal selbst ein wenig genießen."
In Lukas' Amtszeit wuchs die Wintersportnation Schweden auch im Biathlon wieder zu einer festen Größe heran. Mit Sebastian Samuelsson und Martin Ponsiluoma bei den Männern und Elvira und Hanna Öberg bei den Frauen formte er vier Weltmeister, dazu holte die schwedische Männerstaffel 2024 völlig überraschend den Titel. Bei den laufenden Olympischen Spielen lief Posiluoma zuvor in der Verfolgung zu Gold, 2022 gelang dieser Triumph der Staffel der Frauen.
Während das enttäuschende deutsche Team vor den abschließenden Massenstartrennen am Wochenende bisher lediglich eine Bronzemedaille in der Mixed-Staffel erkämpfen konnte, haben die Schweden bereits einen kompletten Medaillensatz eingesammelt.
