"Es ist wie immer"Olympiasiegerin verhöhnt Gegnerinnen, Schweden stichelt zurück

Weil Schwedens Langläuferinnen im olympischen Staffelrennen nach einem Sturz viel Zeit verlieren, gewinnen die Norwegerinnen die Goldmedaille. Danach übertreiben sie es aus Sicht mancher Schweden allerdings etwas.
Sieben von neun möglichen Medaillen holen die Schwedinnen vor dem olympischen Staffelrennen, ihre Übermacht ist in den Tagen der Winterspiele von Mailand und Cortina erdrückend. Entsprechend eindeutig ist auch ihre Favoritenstellung für das 4x7,5 Kilometer-Rennen. Doch weil ihre zweite Läuferin Ebba Andersson furchtbares Sturzpech hat, können die übermächtigen Schwedinnen nur noch die Silbermedaille retten. Gold holt der ewige Rivale Norwegen - und provoziert mit einer frechen Geste.
Als sie einsam ins Ziel fährt, hält sich Norwegens Schlussläuferin die Hand an die Stirn und tut so, als würde sie die weit distanzierten Schwedinnen suchen. Das Quartett um Topstar Frida Karlsson überfährt erst ewige 50 Sekunden später die Ziellinie. Geschuldet ist das - bei allem Respekt - nicht der sportlichen Ausnahmeklasse Norwegens, sondern dem Drama, das die Schwedinnen auf der zweiten Runde produzierten.
"Glaube nicht, dass sie darüber nachdenkt"
Bei "kriminellen" Bedingungen, wie es aus dem deutschen Lager hieß, kam Ebba Andersson auf Platz zwei liegend zu Fall, überschlug sich sogar, ein Ski war nach dem Unfall nicht mehr zu benutzen. Mehr als eine Minute musste sie auf einem Ski weiterrutschen, ehe ihr ein Betreuer einen Ersatz brachte. Durch den Sturz fiel Schweden weit zurück, Andersson übergab als Achte an Doppel-Olympiasiegerin Frida Karlsson - mit beinahe eineinhalb Minuten Rückstand. Gold war außer Sicht, die Silbermedaille ein schwacher Trost. Und dann stichelten auch noch die Rivalen. Nach ihrem Triumph schrie Weng den geschlagenen Schwedinnen noch mehrfach ein lautes "Jaaaaaa!" hinterher. Das kam nicht gut an.
"Die Schwedinnen hätten nicht geschrien. Fairplay ist wichtig, aber ich glaube nicht, dass Heidi Weng darüber nachdenkt", sagte Schwedens Nationalmannschafts-Chef Anders Byström dem "Aftonbladet". Und Byström stichelte zurück: "Es ist kein schöner Anblick. Aber gleichzeitig kann man ihre Freude verstehen. Sie hatten eine harte Meisterschaft und waren weit davon entfernt, Gold zu gewinnen. Deshalb sind sie stolz auf ihre Goldmedaille. Ich hoffe aber, dass sie jetzt im Nachhinein Mitgefühl zeigen. Ich hoffe, sie verstehen, wie sehr es unseren Mädchen wehtut."
"Es ist wie immer"
Die schwedische Langläuferin Emma Ribom, die nicht für die Staffel nominiert worden war, fand klare Worte: "Es ist wie immer. Natürlich kann man feiern, aber ich denke, es geht auch darum, den anderen Teams, die teilgenommen haben, Respekt zu zollen. Vielleicht sogar etwas mehr, nachdem es dann so mit dem heftigen Unfall in Ebba geendet hat."
Die unglücklich geschlagenen Staffelläuferinnen selbst wollten den Vorfall indes nicht zu hoch hängen: "Ich war für die Unterstützung, die ich nach dem Sturz erhalten habe, kaum empfänglich. Genauso unempfänglich war ich für ihre Feierlichkeiten", sagte der niedergeschlagene Pechvogel Ebba Andersson. Und Frida Karlsson, die durch den Fauxpas ihre dritte Goldmedaille bei den Spielen von Mailand und Cortina verpasste, gab sich diplomatisch: "Ich verstehe ihre Freude und dass sie mit ihren Gedanken nicht bei dem sind, was um sie geschieht."
"Aftonbladet" wollte die Dinge allerdings nicht so einfach auf sich beruhen lassen - und erinnert an eine WM-Episode aus dem Jahr 2021. Damals habe Weng nach dem norwegischen Staffel-Triumph auf rüde Art ein Interview mit Karlsson mit ihrem Jubel unterbrochen. "Furchtbar unsportlich" sei die Norwegerin schon damals gewesen.