"Verpiss dich!"Wüste Pöbelei und Betrugsvorwürfe bei Curling-Duell
Beim Curling geht es üblicherweise spannend, aber zutiefst friedlich zu. Beim olympischen Duell zwischen Titelverteidiger Kanada und Schweden kommt es jedoch zu wüsten Beschimpfungen.
Plötzlich ging es auf dem Eis der Curling-Halle in Cortina d'Ampezzo heiß her: Beim Vorrundenduell der Schweden gegen Kanada flogen wüste Beschimpfungen hin und her. Das Spiel entwickelte sich zum Krimi, die Nerven lagen blank. Am Ende kühlten sich die Gemüter wieder runter, doch zuvor wurde es hässlich. Es ging um Schummelvorwürfe!
Schon früh in einem erst am Ende so richtig engen Spiel gab es Ärger: Schweden behauptete, ihre kanadischen Gegenspieler würden den Stein zu lange und über die so genannte "Hog-Line" hinaus mit der Hand führen. Die Schiedsrichter sollten bitte künftig genauer darauf achten. Das kanadische Team wies das scharf zurück und forderte die Schiedsrichter seinerseits dazu auf, schwedische Verstöße im Auge zu behalten. In der Folge stellten sich die Kanadier bei den Versuchen der Schweden demonstrativ an der Hog-Line auf.
"Fuck off!"
Als Schweden im vorletzten End mit zwei Punkten auf 6:7 herankam, kochte der Druck über: Schwedens Oskar Eriksson rief seinem Gegenüber Marc Kennedy zu, dass er ihm nach dem Duell ein Video zeigen würde, in dem dieser den Stein auch nach der Hog-Line noch berühre. Zu viel für Kennedy: "Wer? Ich? Ich habe das kein einziges Mal gemacht, fick dich!" Der kanadische Routinier forderte Eriksson auf, sich "zu verpissen" ("Fuck off!").
Nach dem Duell, das die Kanadier schließlich mit 8:6 für sich entschieden, ordnete Kennedy den Disput ein. "Da sind Hog-Line-Geräte angebracht. Ich weiß nicht. Und er beschuldigt uns immer noch des Betrugs. Das hat mir nicht gefallen. Also habe ich ihm gesagt, wo er sich das hinstecken kann", sagte Kennedy. "Denn wir sind das falsche Team, um so etwas zu tun. Also ist es mir egal."
In der Tat sind bei den Olympischen Spielen Sensoren in den Griffen der Steine integriert, die Alarm schlagen, wenn Spieler sie noch über die Hog-Line hinaus berühren. Nach Ansicht der Schweden hätten mehrere Kanadier den Stein jedoch unterhalb des Griffs berührt und damit keinen Alarm ausgelöst. Den Stein unterhalb des Griffes zu berühren, ist auch vor der Hog-Line verboten. "Wir sind alle super gute Freunde", zeigte sich der schwedische Skip Niklas Edin von dem Ärger mitgenommen. "Wir kennen uns seit 20 Jahren. Und [Regelverstöße] sind schon oft vorgekommen, daher ist es einfach traurig, dass es zu hitzigen Diskussionen auf dem Eis kommt, anstatt einfach nur nach den Regeln zu curlen, aber so ist es nun mal."
"Das hat mir nicht gefallen"
Der Vorwurf des wissentlichen Betrugs wiegt schwer. "Das ist okay. So ist der Sport. Es sind die Olympischen Spiele. Beide Teams versuchen zu gewinnen. Oskar hat uns des Betrugs bezichtigt. Das hat mir nicht gefallen", sagte Kennedy. Der Olympiasieger versuchte sich auch an einer Erklärung für die Attacke des Schweden: "Vielleicht war er verärgert, weil er verloren hatte", sagte Kennedy. "Vielleicht war er verärgert, weil sie die ersten beiden Spiele verloren haben und nach Strohhalmen griffen. Ich habe ihm nur noch einmal gesagt, dass ich ihn als Spieler sehr respektiere. Ich habe nie ein schlechtes Wort über Oskar Eriksson gesagt. Ich weiß nicht wirklich, was er damit bezwecken will."
Nach dem hitzigen Duell wurde Kennedy von schwedischen Reportern noch provoziert. "Wie sehr kannst du jemanden respektieren, zu dem du 'Verpiss dich!' sagst?", fragte ein Journalist der Zeitung "Aftonbladet". "Hast du noch nie zwei Männer gesehen, die sich heftig gestritten haben?", antwortete der Kanadier. "Ich muss mich nicht vor einem Reporter verteidigen. Ich mag es nicht, nach 25 Jahren auf der Curling-Tour und vier Olympischen Spielen des Betrugs bezichtigt zu werden."
Immerhin: Nach dem aufreibenden Duell kamen beide Teams zusammen und gaben sich die Hand. Schweden hatte vor vier Jahren in Peking mit Eriksson die Goldmedaille gewonnen, nun steht der Titelverteidiger nach drei Vorrundenspielen noch mit leeren Händen da. Kanada, Bronzemedaillengewinner von Peking, gewann seine ersten drei Spiele, unter anderem gegen die deutsche Mannschaft (7:6).
