Olympia

"Einst gegen ein Mädchen verloren" Ringer Kudla überrascht alle mit Bronze

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Kudla: "Seit ich sechs Jahre alt bin, tue ich alles für diesen Sport."

(Foto: picture alliance / dpa)

"Gewinnt man eine Medaille, steht man in den Geschichtsbüchern. Ich will auf jeden Fall Teil dieser Geschichte sein." Das sagt Ringer Denis Kudla vor dem Fight um Olympia-Bronze. Er schafft es.

Ungläubig stürzt Ringer Denis Kudla auf die Matte, dann schnappt er sich die deutsche Fahne und rennt nach dem Sensations-Bronze wie ein Irrwisch durch die Halle. "Ein Hammergefühl. Es ist unbeschreiblich", jubelte der junge Mann aus Schifferstadt. "Seit ich sechs Jahre alt bin, tue ich alles für diesen Sport. Die Familie musste leiden, die Freundin, bei täglich zweimal Training. Jetzt hat sich alles gelohnt."

Bundestrainer Michael Carl lobte: "Das ist unfassbar, als Debütant so eine Energieleistung. Er hat einfach einen unbändigen Kampfwillen." Völlig überraschend gewann Kudla die erste Medaille für die deutschen Ringer bei den Olympischen Spielen in Rio - es war das erste Edelmetall seit 2008.

Superschwergewichts-Ringer Eduard Popp aus Neckargartach nutzte dagegen die Chance auf Bronze nicht. Der 25-Jährige kassierte in der Klasse bis 130 kg im entscheidenden Kampf gegen Sabah Shariati aus Aserbaidschan eine Schulterniederlage.

"Eine grandiose Leistung"

Im kleinen Finale der Kategorie bis 85 Kilogramm im griechisch-römischen Stil bezwang der 21-jährige Olympia-Debütant den WM-Dritten von 2013, den Ungarn Viktor Lorincz, sensationell durch die letzte Wertung. Zuvor hatte er in der Hoffnungsrunde gegen den Iraner Jomeh Habibollah Akhlghi ebenfalls dank der letzten Wertung beim Stand von 1:1 gesiegt.

"Eine grandiose Leistung von Denis, besser hätten die Spiele für uns in Rio nicht laufen können", sagte Sportdirektor Jannis Zamanduridis. Zuvor wurde Kudla im Viertelfinale vom Russen Dawid Schakwetadse, dem späteren Olympiasieger, klar mit 0:8 vorzeitig bezwungen. "Die, die er bezwingen musste, hat er besiegt. Daher bin ich sehr zufrieden", sagte Zamanduridis.

Da Schakwetadse wie erwartet das Finale erreichte und es auch gewann, bekam der Junioren-Europameister von 2013 eine zweite Chance - und die nutzte er. Zum Auftakt hatte Kudla in der Arena Carioca in Rio den Kirgisen Zhanarbek Kenzheev mit 2:0 aus dem Weg geräumt. Dann überzeugte er gegen den EM-Zweiten Roberti Kobliaschwili aus Georgien. Dank seiner letzten Wertung wegen Passivität seines Gegners gewann er trotz eines 1:1-Unentschiedens. So war es dann auch im Kampf gegen Akhlghi.

Einst gegen ein Mädchen verloren

Kudla kam frühzeitig zum Ringen. "Durch meinen Vater, dessen bester Freund Ringer war. Erst hat er meinen Bruder hingeschickt, ein Jahr später kam ich dazu", sagte er. Dabei hatte er gleich die Schnauze voll: "Meinen ersten Kampf hatte ich gewonnen, im zweiten dann allerdings gegen ein Mädchen verloren. Da hatte ich keine Lust mehr und habe geweint", sagte er vor dem Bronze-Finale.

Vor seinem Wettkampf musste er in fünf Tagen fünf Kilogramm abspecken. "Kein Eiweiß, keine Kohlenhydrate, dann gibt es nach dem Wiegen immer einen Eiweißshake", verriet der Junioren-Europameister von 2013. Er hatte schon gleich nach seiner Qualifikation gewusst: "Ich will in Rio eine Medaille holen", meinte er und bescheinigt Bundestrainer Michael Carl den größten Anteil an seiner Entwicklung. 

Quelle: ntv.de, bad/dpa/sid