Bronze-Flut für Para-BiathletenWalter erlebt nächstes Drama - und darf nach einer Ewigkeit jubeln

Beinahe zwei Stunden muss Leonie Walter bangen, dann bricht Jubel aus: Die deutsche Para-Biathletin hat sich bei den Paralympischen Winterspielen Bronze erkämpft.
Leonie Walter musste warten - und zwar lange. Das nächste Drama um die sehbehinderte Biathletin zog sich eine gefühlte Ewigkeit, fast zwei Stunden wurde die 22-Jährige auf eine zähe Geduldsprobe gestellt, ehe die Jury nach einer Marathonsitzung das große Happy End verkündete. Bronze!
Dank einer Zeitgutschrift von 51 Sekunden für technische Probleme beim ersten Schießen im Finale der Sprintverfolgung rückte Walter vom fünften Platz zunächst an Simona Bubenickova auf Rang drei vorbei. Heftige tschechische Proteste folgten, letztendlich durften beide Athletinnen als Dritte auf das Podest - Walters persönlicher Bronze-Hattrick war perfekt.
Auch Marco Maier und Anja Wicker freuten sich nach der Sprintverfolgung in Tesero über ihr Medaillen-Triple. Das Trio sorgte für Edelmetall Nummer 13, 14 und 15 für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) bei den Paralympischen Winterspielen in Norditalien.
"Dann kann ich auch nicht treffen"
"Durch die Spiegelung vom Schnee auf die Scheibe, ist der Infrarotstrahl gestört worden. Wenn ich keinen klaren Ton habe, kann ich auch nicht treffen", beschwerte sich Walter in der ARD. Nachdem sie den Schießstand wechselte, traf die Paralympicssiegerin von Peking alle fünf Scheiben, die bereits im Biathlon-Sprint und in der Langlauf-Mitteldistanz Rang drei belegte.
Walter verdrängte in 13:59,2 Minuten nach der ersten Jury-Entscheidung Bubenickova (+12,6 Sekunden) vom Podest, ein langer Protest war die Folge. Letztendlich erhielten beide die gleich Zeit und Platz drei. "Es war wieder superkrass", meinte Walters Guide Christian Krasman, der am Dienstag im Skilanglauf-Sprint noch mit einem Technik-Verstoß für eine Disqualifikation gesorgt hatte. Silber war dem Duo daraufhin aberkannt worden. Diesmal profitierten Walter und Krasman vom Entscheid der Jury.
"Ärgert einen schon"
Maier holte seine dritte Bronzemedaille nur etwas weniger dramatisch. Nach der Qualifikation lag der Allgäuer auf Goldkurs, um dann im Finale am Schießstand gleich dreimal daneben zu schießen. "Man kann keine Medaille verlieren", sagte Maier, der zuvor bereits im Sprint und Einzel aufs Podest gelaufen war: "Aber wenn man so nah dran war ganz oben zu stehen, dann ärgert einen das schon." Er würde "sich schon wünschen, das mal alles aufgeht", merkte Bundestrainer Ralf Rombach an.
Auch Wicker gewann ihr drittes Edelmetall. Nach vier Schießfehlern in der Qualifikation startete die 34-Jährige im Finale eine Aufholjagd, blieb cool am Schießstand und rückte noch von Rang vier einen Platz vor. "Ein Happy End", sagte die Stuttgarterin, die am drittletzten Tag in Norditalien ihre insgesamt sechste Medaille bei Winterspielen holte.
Alpine Männer stürzen
Am Tag nach der zweiten Goldmedaille von Forster lief bei den alpinen Männern nur wenig zusammen. Christoph Glötzner schied in Cortina d'Ampezzo wie schon in der Super-Kombination auch im Riesenslalom nach einem Sturz auf der schwierigen Tofana-Piste im ersten Lauf vorzeitig aus.
Auch Monoskifahrer Leon Gensert erwischte es im ersten Durchgang der sitzenden Klasse. Einzig Alexander Rauen kam von dem deutschen Trio durch, mit Guide Jeremias Wilke fuhr der 24-Jährige in der Klasse der Sehbehinderten auf Rang elf (2:30,31 Minuten). Im Banked Slalom landete der deutsche Snowboard-Pionier Christian Schmiedt auf Platz zehn.