Technik

Microsoft Flight Simulator 2020 Abheben im detailverliebten Daten-Monster

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New York, Rio, Tokyo - Sightseeing mit dem Microsoft Flight Simulator.

Reisen, wohin man will - und mit dauerhafter Panorama-Ansicht. Der Flight Simulator 2020 macht's möglich und liefert eine ungeahnte Detailtreue in allen Bereichen. Das verzückt nicht nur Flugzeug-Fans. Ein Spaß für jedermann, wären da nicht die hohen Hardware-Anforderungen.

Der Propeller röhrt. Die Cessna 152 Aerobat liegt gut in der Luft. Beste Wetterbedingungen für den Landeanflug auf meinen Heimatflugplatz. In der Panorama-Ansicht mache ich noch einen leichten Schlenker, um meinen Blick über die Eifler Maare schweifen lassen. Im Sinkflug passiert mir dann das Malheur: zu stark eingeschlagen. Die Cessna reagiert sofort, fängt an zu schlingern. Mein Gegensteuern kommt zu spät, die Baumkronen immer näher - ein Absturz ist unausweichlich.

Nichts für Bruch-Piloten, dieser neue Microsoft Flight Simulator 2020. Und nichts für Action-Fans: Flugzeugcrashs werden so unspektakulär wie möglich mit einem schwarzen Bildschirm abgewiegelt. Total detailverliebt und anspruchsvoll kommt die Simulation in ihrer Neuauflage trotzdem daher, verzweifeln müssen Spieler aber nicht. Wer sich mit der Grundsteuerung vertraut und per Tutorial den virtuellen Flugschein macht, wird ein entspannendes und ästhetisch traumhaftes Erlebnis haben.

Mit ganz unterschiedlichen Flugzeugentypen ist der Flight Simulator vollgepackt bis oben hin. Es geht mit Propellerflugzeugen, Jets und sogar einer Boeing 787-Dreamliner in die Lüfte, mehr als 37.000 Flugplätze und Flughäfen können weltweit angesteuert werden. Doch nicht nur Flugzeugfreaks kommen auf ihre Kosten. Die Steuerung kann an das persönliche Können angepasst werden: Wer das (fast) vollständig bedienbare Cockpit eines Airbus A320neo haben will, bekommt es - wer nur Gas geben, Starten und Landen will, schaltet vorab einfach entsprechende Autopiloten dazu.

Missionen bietet der Flight Simulator nicht an, dafür Herausforderungen wie besonders knifflige Landungen oder Panorama-Flüge in Echtzeit. Einmal von der kroatischen Stadt Rijeka mit dem Propellerflieger entlang der Adria-Küste ins griechische Santorini düsen - rund neuneinhalb Stunden Flugzeit müssen dafür eingeplant werden, die Reise lässt sich aber auch etappenweise absolvieren. Das Ganze funktioniert dann sogar mit anderen Spielern im Tandemflug.

Dank des hauseigenen Kartendienstes Bing Maps und Satellitenbildern gelingt Microsoft eine bislang in Simulationen noch nie dagewesene Detailtreue bei der Abbildung der Erde. Grenzen gibt es im Flugsimulator keine: Sehenswürdigkeiten, Metropolen oder die höchsten Gipfel lassen sich von oben erkunden. Selbst der bereits angesprochene Flug übers Heimatstädtchen in der Eifel lässt sich umsetzen. Hier stößt die Software mit zig Mrd. abgebildeten Objekten allerdings an ihre Grenzen. Grundrisse, Straßen, Flüsse - das alles bekommt die Künstliche Intelligenz hin. Gebäude stellt sie in ihren Ausmaßen dagegen oft falsch dar, da sie mit den Luftbildaufnahmen rechnen muss. Ausnahmen sind große Millionenstädte - hier haben die Entwickler selbst Hand angelegt und für eine detailgetreue Abbildung der urbanen Landschaft gesorgt.

Herausforderung für die Hardware

Die virtuelle Erdkugel ist aber alles andere als statisch, es herrscht ordentlich Bewegung. Straßen-, Schiff- und Flugverkehr werden dank Echtzeit-Daten mit abgebildet. Daten des Schweizer Wetterdienstes simulieren zudem das aktuelle Wettergeschehen. Das hat vor allem Einfluss auf die Aerodynamik der Flugzeuge - eine Herausforderung für Hobbypiloten, die sich allerdings auch abstellen lässt.

Doch das sind nicht die einzigen Daten, die über eine Cloud gezogen werden. Der Flight Simulator ist ein echtes Daten-Monster. Für ein flüssiges Spieleerlebnis braucht es eine solide Internetverbindung, denn es werden ständig Daten gestreamt, um die ansehnlichen Landschaften zu generieren. Im Offline-Modus funktioniert das Spiel zwar auch, grafisch muss man dann einige Abstriche in Kauf nehmen.

Bevor es in die Lüfte geht, müssen also die technischen Voraussetzungen stimmen. Der Flugsimulator stellt hohe Ansprüche an die Hardware. Ein Vier-Gigahertz-Prozessor und eine leistungsstarke Grafikkarte der neueren Generation (NVIDIA GTX970 oder besser) sollten es schon sein, wenn das Spiel ruckelfrei und mit ansprechender Grafik laufen soll. Die Framerate und auch die Detailstufe lassen sich beliebig variieren und an die Rechnerleistung anpassen, so richtig überragend sieht der Flugsimulator aber nur mit 60 Frames per Second und hoher Auflösung aus. Trotz entsprechender Hardware können die Ladezeiten mehrere Minuten in Anspruch nehmen.

Spielwiese für Hobbyprogrammierer

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Es stellt sich entsprechend die Frage, ob sich die Anschaffung eines neuen oder das Upgrade des alten PCs für den Flight Simulator überhaupt lohnt. Angesichts des Umfangs und rückblickend auf das Release des Vorgängers 2006 darf man davon ausgehen, dass der aktuelle Flight Simulator noch ein paar Jahre das Maß aller Dinge bleiben wird. Dazu kommt, dass Inhalte stetig weiterentwickelt werden - nicht nur durch Microsoft. Über die Marktplatz-Funktion können Hobbyprogrammierer und Entwicklerstudios Modifikationen von Flughäfen und Flugzeugtypen ins Spiel bringen. 600 Unternehmen schrauben so bereits an kleinen Verbesserungen im Simulator. Die Inhalte stehen dann teils kostenlos, teils entgeltlich im Marktplatz zur Verfügung.

Wer also die Voraussetzungen des Microsoft Flight Simulator 2020 erfüllt, wird nicht enttäuscht. Die Standard-Variante bietet 20 Flugzeugtypen und 30 bis ins kleinste Detail handgefertigte Flughäfen. Deluxe- und die Premium-Version legen jeweils fünf weitere Flieger und Spezialflughäfen oben drauf. Grafik und Umfang alleine sind allen drei Versionen gewichtige Kaufargumente. Und an Detailreichtum wird die Software in den nächsten Monaten sogar noch wachsen.

Quelle: ntv.de