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Action-Spiel "Forspoken" im Test Wenn Alice im Wunderland Speed einwirft

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Hauptfigur Frey Holland wird von der Schauspielerin Ella Balinska verkörpert.

(Foto: Square Enix)

Die Messlatte für Open-World-Spiele liegt hoch. Das Action-Adventure "Forspoken" zeigt zwar kleinere Schwächen, punktet aber in der Erkundung seiner Welt mit einem erfrischenden Gameplay-Element. Das Spiel lässt dabei sogar eine Trendsportart aus den frühen 2000er Jahren wieder aufleben.

Der eigenen Welt entfliehen, durch den Kaninchenbau ins Wunderland. Das Spiel "Forspoken" von den Entwicklern Square Enix weist einige Parallelen zum Klassiker "Alice im Wunderland" auf. Dabei ist das Open-World-Adventure eher wie ein rauschartiger Trip - mit Parkour-Elementen und Zauberkraft. n-tv.de konnte das Third-Person-Spiel vorab ausgiebig testen und überprüfen, ob die Mischung aufgeht.

Die Hauptfigur ist Frey Holland, eine junge Frau, die sich in den Straßen von New York als Kleinkriminelle über Wasser hält. Auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge durch den Big Apple entdeckt die von Schauspielerin Ella Balinska verkörperte Frey einen schimmernden Armreif. Ein kurzer Einbruch in das Apartment kann ja nicht schaden. Das Schmuckstück teleportiert sie jedoch auf magische Weise in die seltsame Welt von Athia und stattet sie mit magischen Kräften aus. Der Armreif beginnt obendrein auch noch zu sprechen und wird zu Freys wortgewandtem Begleiter.

Die Welt von Athia ist alles andere als idyllisch, auch wenn sie optisch recht majestätisch daherkommt. Einst wurden diese Reiche im Einklang von vier Magierinnen - den Tantas - regiert, eine heimtückische Verderbnis ("der Bruch") zog über das Land und verwandelte alle lebenden Kreaturen in Monster. Aus Menschen wurden "Bruchzombies". Der Bund der Magierinnen zerbrach. Frey ist gegen die Auswirkungen des Bruchs immun und sucht fortan einen Weg zurück in ihre Welt. Dafür muss sie jedoch das Rätsel der Verderbnis lösen und die vier Magierinnen bezwingen. Wie Alice im Wunderland ist auch Frey anfangs nur vom Wunsch getrieben, die neue Welt schnellstmöglich wieder in Richtung New York zu verlassen. Im weiteren Verlauf nimmt sie ihre Rolle als Retterin von Athia an.

Parkour, Parkour, Parkour!

Athias vier Reiche könnten kaum märchenhafter gestaltet sein. Üppige Gebirgslandschaft mit schwimmenden Seeninseln wechseln in riesige Canyons, weitläufige Sumpflandschaften und Auenwälder. Sich wie in anderen Open-World-Spielen zu Fuß oder per Reittier fortzubewegen, würde enorme Zeit in Anspruch nehmen. Daher setzen die Entwickler auf den "magischen Parkour", einen Bewegungsboost, der wie bei einem Parkourläufer rasante Kletterpartien erlaubt und Frey in einem irren Tempo durch Athia sprinten lässt. Spielend lassen sich so Abgründe überwinden oder Hauswände hinauflaufen.

In Kämpfen dient der Boost dazu, heftigen Attacken der Gegner in letzter Sekunde auszuweichen oder selbst mit Angriffen zu kombinieren. Grundsätzlich fokussieren sich die Duelle mit den monströsen Kreaturen von Athia auf den Einsatz von Zaubern. Angriffszauber richten Schaden an, Unterstützungszauber aktivieren verschiedene passive Effekte. Zwar kann von jedem Typ nur einer gleichzeitig aktiv sein, aber Spielerinnen und Spieler können die L1- oder R1-Tasten jederzeit gedrückt halten, um das Geschehen drumherum zu verlangsamen und einen neuen Zauber in den aktiven Slot zu legen. Frey muss die Zauber je nach Gegner anpassen. Gegen manche Attacken sind Gegner immun, für andere dagegen besonders anfällig. So wird man in Kämpfen immer zwischen den einzelnen Zaubern wechseln müssen und bekommt ein vielfältiges Arsenal an Attacken, die sich durch diverse Aufgaben verbessern lassen.

Mit den Unterstützungszaubern können Gegner gefesselt oder abgelenkt werden. Das ist ab und an notwendig, denn abgesehen von Bosskämpfen attackieren die Gegner meist in Horden. Die Palette an Zaubern erweitert sich im Verlauf der Story. Frey startet mit der lila Erdmagie. Damit lassen sich Felsgeschosse, Wurzeln, Stacheln und Gift einsetzen. Die rote Feuermagie erzeugt brennende Barrieren und Flammenklingen. Mit blauer Wassermagie können eisige Pfeile und explosive Kugeln verschossen werden, die grüne Luftmagie setzt auf Blitze und Energieimpulse.

Während man die beiden Zaubervarianten einsetzt, wird Freys Schubmagie aufgeladen - eine Art ultimativer Angriffszauber, der sich ebenfalls variantenreich belegen lässt. Ist die Leiste aufgeladen, lässt er sich per Tastenkombination entfesseln. Liegt ein Gegner geschwächt am Boden, kann Frey ihm einen Todesstoß verpassen. Die Entwickler setzen auf actionreiche Animationen, die das Kampfgeschehen nochmal optisch aufwerten.

Alles in allem ist das Kampfsystem gut ausbalanciert, Duelle mit Gegnerhorden oder Bossen haben durch die Parkour-Einlagen immer etwas Dramatisches. Die Immunitäten der Gegner zwingen den Spieler förmlich dazu, alle Zauber einzusetzen und nie in ein monotones Kampfmuster zu verfallen.

Immer schöne Fingernägel

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Looten und Leveln kommt in "Forspoken" nicht zu kurz, wird aber nicht wie in anderen Open-World-Spielen überstrapaziert. In Athia sammelt man so ziemlich alles auf, was rumliegt. Von Salbeipflanzen für Heiltränke oder verschiedensten Gesteinen und Metallen, um den Umhang zu verbessern. Ein schöner Aspekt: Was Rüstung und Artefakte angeht, ist das Spiel eher puristisch. Frey kann verschiedene Umhänge tragen, die sich auch optisch unterscheiden. Dazu eine Halskette - das war's. Die beiden Objekte beeinflussen die Basiswerte bestehend aus Trefferpunkten, Ausdauer, Verteidigung und Heilung.

Dazu kann Frey ihre Nägel mit bestimmten Mustern und Farben lackieren. Diese Form der Folklore ist zwar ein optisches Detail, das nur in den Zwischensequenzen auffällt, dafür aber Fertigkeiten und Zauberkraft einen kleinen Boost verschafft.

Jagt man einmal nicht der Hauptstory hinterher, bleiben genug Nebenquests, um die eigenen Fertigkeiten zu verbessern. Die Entwickler bedienen sich hier aber altbekannter Muster aus dem Questlehrbuch. Von Glockentürmen lässt sich die Region überblicken. Höhlen, Dörfer und Festungen warten mit Mini-Bossen und Belohnungen auf. Eine Foto-Quest lädt dazu ein, mit dem Smartphone die schönsten Panoramen und Sehenswürdigkeiten von Athia zu knipsen. Dazu kann Frey unter der Oberfläche jeder Region Labyrinthe entdecken.

Im Rausch durch Athia

Wer in "Forspoken" abtaucht, der wird sich vor allem vom magischen Parkour begeistern lassen. Stellenweise hat es etwas Rauschartiges, sich durch die offenen und sehr weiten Welten zu bewegen. Immer wieder sind Manaquellen platziert, die einen Ausdauerschub geben und die Fortsetzung der wilden Hatz erlauben. Wie auf Speed scheinen Hunger, Durst und Schmerzen vergessen. Essen muss der Spieler als Frey ohnehin nicht - zu Beginn bekommt Frey einen Apfel, den sie wohlwollend weiterverschenkt. Schlafen kann man in den zahlreich platzierten Kapellen (Zuflucht), muss man aber nicht. Getrunken werden nur Heiltränke.

Der Speed-Trip von "Forspoken" hat seine Highlights. Im Rausch gehen allerdings viele Dinge verloren. Für einen mutmaßlichen Triple-A-Titel, der nur für die PS5 und PC (mit hohen Hardwareanforderungen) erhältlich ist, fehlt es im Detail an Qualität. Grafisch sind alle Zwischensequenzen zwar top, die Spielwelt wirkt aber nur in den Panorama-Ansichten richtig zauberhaft. Viele der Charaktere, abgesehen von Frey und ihren Antagonisten, wirken wie vom Reißbrett - und geraten schnell in Vergessenheit.

Und dann wird alles schwarz

Während die Story an sich gut erzählt ist, wird es immer wieder holprig, wenn Ladezeit für Szenenwechsel benötigt wird. Eigentlich ist bei großen Titeln der neuen Konsolengenerationen mittlerweile Standard, dass der Ladebildschirm mit Animationen oder Zwischensequenzen kaschiert wird. Bei "Forspoken" gibt es dagegen häufig noch Schwarzblenden.

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Eine in sich schlüssige Open-World-Story zu kreieren, ohne auf eine Vorlage zurückzugreifen, versprüht grundsätzlich seinen Reiz. Das Setting aus "Alice im Wunderland" auf einem Zaubertrip spielt sich gut herunter, für den ganz großen Wurf fehlt an vielen Ecken einfach der Feinschliff. "Forspoken" folgt im Genre - wie viele andere Spiele aus dieser Sparte - keinem grundlegend neuen Ansatz, hat mit dem magischen Parkour aber ein tragendes und erfrischendes Element, das für stundenlangen Spielspaß sorgt. Diesem Rausch kann man sich bedenkenlos hingeben.

"Forspoken" erscheint am 24. Januar für Playstation 5 und PC. Wer das Spiel antesten will, kann bereits auf die kostenlose Demoversion im Playstation Store zurückgreifen.

Quelle: ntv.de

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