Technik

Vor FBI eingeknickt? Apple verwirft Backup-Verschlüsselung

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Backups können in iClouds nicht verschlüsselt gspeichert werden - weil es das FBI so will?

(Foto: kwe)

Angeblich verzichtet Apple auf Druck des FBI auf verschlüsselte iCloud-Backups, mehrere Quellen bestätigen dies. Für Nutzer gibt es aber einen anderen Weg, sich vor einem Behörden-Zugriff zu schützen.

Einem Reuters-Bericht zufolge kommt Apple den US-Behörden beim Zugriff auf die Daten von Verdächtigen mehr entgegen, als es dies in der Öffentlichkeit gelegentlich aussehen lässt. So soll das Unternehmen nach einer FBI-Beschwerde seinen Plan für durchgehend verschlüsselte iCloud-Backups verworfen haben. Sechs verschiedene Quellen hätten dies bestätigt, schreibt die Nachrichtenagentur: drei frühere und ein aktueller FBI-Mitarbeiter sowie ein Apple-Angestellter und dessen Ex-Kollege.

Apple habe vor zwei Jahren die US-Behörde von sich aus über das Vorhaben unterrichtet. In "privaten Gesprächen" hätten FBI-Vertreter klargemacht, dass ihnen eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von iCloud-Backups der effektivsten Methode berauben würde, Beweise gegen einen unter Verdacht stehenden iPhone-Nutzer zu erhalten, berichteten die Informanten. Im folgenden Jahr habe Apple den Verschlüsselungs-Plan aufgegeben.

Es könnte auch Zufall gewesen sein

Ob dies im direkten Zusammenhang mit der FBI-Beschwerde steht, konnte Reuters nicht eindeutig ermitteln. Es könnte sich also auch um einen Zufall handeln. Ein früherer Apple-Mitarbeiter sagte "Reuters", möglicherweise habe man die Verschlüsselung aufgegeben, um zu verhindern, dass viele Nutzer nicht mehr auf ihre Daten zugreifen können, wenn sie ihr Passwort vergessen haben.

Ein anderer Ex-Apple-MAngehöriger sagte der Nachrichtenagentur allerdings, Apple habe sich entschieden, nicht erneut ins Wespennest zu stechen. Er bezog sich dabei auf eine heftige Auseinandersetzung vor Gericht, die sich Apple 2016 mit dem FBI nach dem islamistischen Terrorangriff von San Bernardino lieferte, bei dem zwei Attentäter 14 Menschen töteten. Apple weigerte sich damals hartnäckig, ein Attentäter-iPhone zu knacken, um keinen Präzedenzfall zu erzeugen. Die Wogen glätteten sich erst als die Behörde eine Firma fand, die Zugriff auf das Gerät erlangen konnte.

Zwei der ehemaligen FBI-Mitarbeiter gehen davon aus, dass Apple von der Behörde überzeugt worden sei, dass iCloud-Backups in Tausenden von Fällen wichtige Beweise geliefert hätten. Apple habe aus Überzeugung gehandelt, sagte einer von ihnen. Von der öffentlichen Schlammschlacht im San-Bernardino-Fall abgesehen verstehe sich das Unternehmen gut mit den Bundesbehörden.

"Es gibt keine Backdoor nur für die Guten"

Schon seit längerem weigert sich Apple standhaft der Forderung von US-Behörden, Hintertüren in iOS einzubauen, damit sie im Zuge von Ermittlungen Zugriff auf die darauf gespeicherten Daten von Verdächtigen erlangen können. So etwas wie eine Backdoor nur für die Guten gäbe es nicht, betonte Apple kürzlich in einer Stellungnahme, nachdem US-Justizminister Barr dem Unternehmen vorgeworfen hatte, durch seine Verweigerungshaltung nicht dabei zu helfen, die Leben von Amerikanern vor künftigen Terrorangriffen zu schützen. Hintergrund sind die Ermittlungen zum Angriff eines saudischen Offiziers auf eine Marinebasis in Florida, bei dem drei US-Soldaten getötet wurden.

Apple wehrte sich in der Stellungnahme gegen den Eindruck, es habe bei der Pensacola-Untersuchung die Ermittlungen nicht ausreichend unterstützt. Das Unternehmen betonte laut "CNBC", dass es normalerweise sehr schnell, "oft innerhalb von Stunden", auf Anfragen von Strafermittlungsbehörden reagiere. Und man habe den Ermittlern bereits "viele Gigabytes an Informationen" übergeben. Seinem Transparenzbericht zufolge hat Apple alleine im ersten Halbjahr 2019 nach richterlicher Anordnung in 1568 Fällen Backups und andere iCloud-Inhalte von rund 6000 Konten übergeben.

Verschlüsselte Backups trotzdem möglich

Auch wenn es in iCloud nicht klappt, können Nutzer verschlüsselte iPhone-Backups anlegen. Sie müssen sie einfach lokal auf ihrem Computer speichern. Auf Mac-Rechnern und Windows-PCs macht man das via iTunes, auf Macs mit aktuellem Betriebssystem im Finder. Wie es genau funktioniert, erklärt Apple auf einer Support-Seite. Ebenso gibt's eine ausführliche Anleitung zum Verschlüsseln von iPhone-Backups auf dem Computer.

Quelle: ntv.de, kwe