Technik

Googles Project Ara wird Realität Baukasten-Handy in den Startlöchern

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So gut kann ein Baukasten-Smartphone aus dem Project Ara aussehen.

(Foto: Google ATAP)

Da kann man nicht nur den Akku wechseln: Google will schon 2015 das erste Smartphone verkaufen, das Nutzer mit Modulen ihren Bedürfnissen anpassen können.

Als im vergangenen Oktober Motorola das Konzept eines modular aufgebauten Smartphones vorstellte, schien dessen Verwirklichung noch in weiter Zukunft zu liegen. Doch Google hat "Project Ara" schneller vorangetrieben als erwartet und kürzlich auf einer Entwicklerkonferenz das erste Baukasten-Smartphone schon für 2015 angekündigt. Es soll laut Googles Projektmanager Paul Eremenko nur 50 Dollar kosten. Wie "MotorolaAra.com" schreibt, ist dies allerdings der veranschlagte Herstellungspreis, der vermutlich Entwicklern vorbehalten bleibt. Wann das erste Ara-Phone für Endkunden auf den Markt kommt und was es kosten wird, ist demnach noch offen.

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Ohne Kabel läuft beim Prototypen noch nichts.

(Foto: Phonebloks/Youtube)

Das vorgestellte Basismodell besteht lediglich aus einem Aluminiumrahmen mit Bildschirm, Prozessor und WLAN-Einheit. Alle weiteren Komponenten können die Käufer nach ihren Wünschen einfach dort anstecken. Die Module haften elektromagnetisch an dem "Endoskelett" ("Endo"), die Kommunikation zwischen den Bauteilen erfolgt über Kontaktpunkte im sogenannten Uniport-Standard.

Module von Drittherstellern

Nutzer können unter anderem die Kamera, den Akku, Sensoren oder Lautsprecher frei wählen. Auch Farbe und Design überlässt Project Ara vollständig den Käufern, das erste Basis-Gerät ist grau. Ob und welche Komponenten zum Verkaufsstart angeboten werden, ist allerdings noch offen. Denn Google wird lediglich die Endoskelette bereitstellen, die Module sollen Dritthersteller anbieten. Dafür stellt Project Ara das Module Developers Kit (MDK) zur Verfügung. Ein wichtiger Partner von Project Ara ist 3D Systems, mit dessen 3D-Druckern nicht nur Gehäuse-Komponenten schnell und günstig produziert werden könnten.

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Dave Hakkens Entwurf eines modularen Smartphones.

(Foto: Phonebloks)

Künftig soll es für das Baukasten-Smartphone drei unterschiedlich große Endos geben. Je kleiner das Skelett ist, desto weniger Komponenten kann es tragen. Die nur vier Millimeter hohen Module haben drei verschied ene, auf Quadraten basierende Größen, was ein wenig an die Kachel-Oberfläche von Windows Phone erinnert. Der gezeigte Prototyp ist etwa 9,7 Millimeter dick.

Sechs Jahre aktuell

Um den Nutzern die Auswahl der Module zu erleichtern, plant das Ara-Team eine App herauszubringen, in der man das Baukasten-Smartphone virtuell zusammenstecken kann. Die Lebensdauer der Endoskelette setzt Paul Eremenko auf fünf bis sechs Jahre an.

Das Betriebssystem des Ara-Phones wird selbstverständlich Android sein. Google muss bis dahin aber noch ein größeres Hindernis aus dem Weg räumen. Denn wie Eremenko bei der Ara-Entwicklerkonferenz einräumte, unterstützt Android bisher modulare Systeme nicht. Spätestens im Dezember sollen aber Treiber zur Verfügung stehen.

Project Ara ist eine Kooperation zwischen Motorola und "Phonebloks", dem Konzept eines modularen Smartphones des niederländischen Designers Dave Hakkens. Namensgeber war Motorolas Chefingenieur Ara Knaian. Google hat zwar inzwischen Motorola an den chinesischen Computerbauer Lenovo verkauft, behielt aber die Entwicklungsabteilung Advanced Technology and Projects (ATAP), zu der auch Project Ara gehört.

Quelle: ntv.de, kwe

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