Technik

Schutz teurer Elektrogeräte Bei Blitz und Donner Stecker ziehen?

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2020 wurden den Hausrat- und Wohngebäudeversicherern rund 200.000 Blitz- und Überspannungsschäden gemeldet.

(Foto: picture alliance / PIXSELL)

Bei Gewittern Buchen zu suchen und Weiden zu meiden, ist definitiv falsch und obendrein gefährlich. Aber wie sieht es mit der Regel aus, die Stecker von Fernsehern, Computern und anderen teuren Elektrogeräten zu ziehen, wenn es blitzt und donnert? Ist das auch nur ein Mythos?

Früher war es gang und gäbe, dass man den Stecker des Fernsehers aus der Steckdose zog, wenn ein Gewitter heranzog. Inzwischen gibt es in den meisten Haushalten viele weitere teure und empfindliche Elektrogeräte, aber viele Nutzer unternehmen nichts, um sie vor Blitzeinschlägen zu schützen, weil sie glauben, heutzutage sei dies nicht mehr nötig. Liegen sie damit richtig?

Überspannungsschutz erst seit wenigen Jahren Pflicht

Nein, nicht wirklich. Spätestens seit Ende 2018 eine Übergangsfrist ablief, ist zwar ein Überspannungsschutz in Neubauten unter anderem Pflicht, wenn "in Gebäuden Betriebsmittel der Überspannungskategorie I oder II errichtet sind", wovon in jedem Wohnhaus auszugehen ist. Bei älteren Gebäuden ist dies allerdings nicht der Fall und Blitzableiter sind gesetzlich gar nicht vorgeschrieben.

"Die meisten Häuser verfügen über keinen Blitzableiter auf dem Dach, dem sogenannten äußeren Blitzschutz, der die Energie in den Boden ableitet", sagte Harald Woelffle von ED Netze dem "Energiedienst". "Hat der Hausbesitzer eine Satellitenschüssel auf dem Dach installiert, trifft der Blitz vermutlich zuerst die Schüssel, die wie eine Antenne für den Blitz wirkt. Solche Metallobjekte ziehen Blitze förmlich an und leiten sie weiter in die Hausinstallation. Dann steht es schlecht um die Computer und Haushaltsgeräte."

Dreistufiger innerer Schutz

Um Elektrogeräte zu schützen, benötigt man aber vor allem einen inneren Blitzschutz. Er ist laut Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) in drei Stufen unterteilt. Sie werden auch als Grob-, Mittel- und Feinschutz bezeichnet.

Stufe 1 sind sogenannte Blitzstromableiter, beziehungsweise Überspannungs-Schutzgeräte Typ 1 (SPD 1). Sie sind sozusagen das erste Bollwerk gegen Blitzströme, die über Wasser-, Daten- und andere Leitungen in ein Gebäude eintreten und werden üblicherweise vor dem Stromzähler eingesetzt. Der Grobschutz fängt Allianz direct zufolge den gesamten Energieinhalt des Blitzes ab und verringert die verbleibende Restspannung auf weniger als 1300 bis 6000 Volt.

Überspannungs-Schutzgeräte Typ 2, auch Überspannungsableiter genannt, werden üblicherweise im Zählerkasten oder anderen sogenannten Unterverteilern eingesetzt. Die mittlere Schutzstufe begrenzt die verbleibende Überspannung auf weniger als 600 bis 2000 Volt.

Gebäudeschutz genügt nicht

Dieser Rest reicht aber nach wie vor aus, um Elektrogeräten potenziell den Garaus zu machen. Laut "PC Magazin" müssen die nur 500 Volt aushalten können, um die vorgeschriebene CE-Kennzeichnung zu erhalten. Der Broschüre "Überspannungsschutz" der Initiative Elektro+ zufolge haben elektronische Geräte eine Spannungsfestigkeit für die Stromversorgung von mindestens bei 1.500 Volt. Das bedeutet, dass es selbst bei einem vorhandenen Überspannungsschutz ratsam sein kann, bei wertvollen Elektrogeräten den Stecker zu ziehen, wenn ein Gewitter heranzieht.

Die Methode Stecker ziehen hilft aber wenig, falls niemand zu Hause ist, wenn das Unwetter kommt. Eine Alternative sind Schutzgeräte Typ 3. Normalerweise handelt es sich dabei um Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz. Dieser Feinschutz nützt allerdings wenig, wenn kein Überspannungsschutz der Stufe 1 und 2 vorhanden ist. Außerdem können bei nahen Blitzeinschlägen trotz vorgelagerten Ableitern höhere Spannungen auftreten als die Leisten aushalten. Man sollte beim Kauf also darauf achten, dass sie möglichst viel Strom ableiten können.

Auch Daten- und Telefonkabel ziehen

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Wer seine Geräte schützen möchte, sollte nicht nur an die Stromkabel denken. Angeschlossene Internet-, Telefon- oder Antennenkabel können ebenfalls verhängnisvoll sein. AVM rät daher beispielsweise ausdrücklich, bei Fritzboxen sowie Zubehör oder Festnetztelefonen bei Gewittern die Stecker zu ziehen. Alternativ empfiehlt Elektro+, einen speziellen Kombi-Ableiter für Kommunikationstechnik im Zählerschrank einzubauen.

Spezielle Absicherungen gegen Überspannung benötigen auch Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Gebäudesystemtechnik, et cetera. Informationen und Ratschläge dazu findet man in der Broschüre "Überspannungsschutz".

Quelle: ntv.de

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