Technik

Zum Start kein Empfang Berlins freies WLAN ist nicht wasserfest

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Bis zum Start der Fußball-EM soll man in Berlin an vielen öffentlichen Plätzen freies WLAN genießen können.

(Foto: Audible GmbH)

Eigentlich soll am Brandenburger Tor feierlich das "Free Wifi Berlin" eingeweiht werden, mit dem Besucher und Einwohner der Hauptstadt an öffentlichen Orten kostenlos im Internet surfen können. Mit Regen hatten die Planer aber offenbar nicht gerechnet.

Schon seit bald zehn Jahren träumt man im Berliner Senat von einem flächendeckenden freien WLAN für die Hauptstadt. Bisher ist dabei allerdings wenig herausgekommen, 2009 scheiterte das Projekt beispielsweise, weil Sicherheitsbedenken und die Sorge ums Stadtbild Router auf Ampeln oder Laternen verhinderten. Jetzt endlich ist es aber so weit, in Berlin wurden am Mittwoch die ersten 100 WLAN-Zonen in Betrieb genommen - theoretisch jedenfalls. Denn der offizielle Start fiel vor dem Brandenburger Tor buchstäblich ins Wasser.

Als der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski im strömenden Regen feierlich den roten Knopf drückte, sei nämlich erstmal gar nichts passiert, berichtet der "Tagesspiegel". Offensichtlich lag er mit seiner Aussage "WLAN ist wasserfest" falsch. Die unter einem tragbaren Zelt dem Wolkenbruch trotzende kleine Schar Journalisten habe vergeblich versucht, eine Verbindung zum Netzwerk "Free Wifi Berlin" herzustellen. Der Chef der mit der Projekt-Durchführung beauftragten abl social federation GmbH soll aber kurz vor dem Starttermin noch "eine ordentliche Download-Leistung von 11 Megabyte" im "stabilen Netz für die smarte City Berlin" gemessen haben.

"Einzigartig in Deutschland"

In der Pressemitteilung steht allerdings nichts von der Regen-Panne. "Ein funktionierendes WLAN-Netz an zentralen Orten, das für alle gratis und immer zugänglich ist, macht Berlin noch mehr als ohnehin schon zu der digitalen Hauptstadt", wird darin der Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning zitiert. "Es ist ein tolles Angebot für Berlinerinnen und Berliner, für Touristen und nicht zuletzt die digitale Wirtschaft." Und er legt noch nach: "Wir sind nicht die erste deutsche Stadt mit einem freien WLAN, aber Free WiFi Berlin ist mit seiner Dimension einzigartig in Deutschland."

Bis spätestens zum EM-Start am 10. Juni sollen alle 100 Access-Points der ersten Ausbau-Welle in Betrieb gehen. Auf einer Karte kann man sehen, wo "Free Wifi Berlin" zur Verfügung steht. Darunter sind viele Jugendclubs und Freizeiteinrichtungen, aber auch Seniorenheime. Außerdem soll es explizit als "outdoor" gekennzeichnete Hotspots geben. Insgesamt sind derzeit 650 WLAN-Zonen geplant, weitere sollen hinzukommen.

Die Begeisterung der Berliner und Touristen könnte sich aber in Grenzen halten. Berlins Ex-Piratenchef Christopher Lauer bringt es auf den Punkt: "Freies WLAN in Berlin ist schön, aber es kommt zehn Jahre zu spät", sagte er der "Berliner Morgenpost". "Heute besitzt fast jeder Smartphones, die mit LTE dreimal schneller sind als durchschnittliche DSL-Leitungen." Sinn würde seiner Meinung nach Gratis-WLAN in U-Bahnen und -Bahnhöfen ergeben, wo der Empfang schlecht sei. Aber: "Im internationalen Vergleich werden wir auch mit den WLAN-Hotspots, die jetzt kommen, dort nachhinken."

Quelle: n-tv.de, kwe

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