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Kabellose In-Ears mit Pfiff Bragi The Dash Pro sind etwas Besonderes

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Die von Aluminium ummantelte Ladestation der Ohrhörer ist etwa doppelt so groß wie das Case der Apple AirPods.

(Foto: kwe)

The Dash pro von Bragi sind keine gewöhnlichen kabellosen In-Ear-Kopfhörer. Sie erkennen Bewegungen, sind wasserfest und haben einen eigenen Musik-Speicher. Wenn alles passt, sind sie ein wahres Vergnügen.

Auch wenn es der Name nicht vermuten lässt, sind die The Dash Pro von Bragi das Produkt einer deutschen Firma. Sie sind die zweite Generation eines Kickstarter-Projekts, das 2014 für Furore sorgte, weil die Münchner nicht nur die weltweit ersten komplett kabellosen Bluetooth-In-Ears auf den Weg bringen wollten. Es sollten auch gleich smarte "Hearables" sein, die weit mehr als normale Kopfhörer sind.

Zweite Generation

Rund 16.000 Unterstützer brachten Bragi fast 3,4 Millionen Euro ein. Damit waren The Dash Europas erfolgreichstes Kickstarter-Projekt, aber erst nach zwei Jahren kamen die Ohrhörer auf den Markt. Die erste Version war noch etwas wackelig, doch seit einiger Zeit sind die verbesserten The Dash Pro zu haben, bei denen die Kinderkrankheiten ausgemerzt sein sollen. n-tv.de hat sie ausprobiert.

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Wenn keiner der mitgelieferten Aufsätze richtig passt, kann man beispielsweise auf Ersatzstöpsel für die Sony XBA zurückgreifen.

(Foto: kwe)

Die Ohrhörer haben ein nierenförmiges, ergonomisches Design, das inzwischen auch andere Hersteller in ähnlicher Weise verwenden. Um sie einzusetzen, steckt man sie in den Gehörgang und dreht sie dann nach außen, damit sie in der Innenseite der Ohrmuschel anliegen. Klappt dies, sitzen die Bragis äußerst bequem und können auch für längere Zeit beschwerdefrei getragen werden. Man kann sie auch beim Schwimmen nutzen, da sie wasserdicht sind (IPX7).

Sie müssen perfekt sitzen

Der richtige Sitz ist nicht nur für die Bequemlichkeit wichtig, er ist bei The Dash Pro das A und O. Denn nur wenn die Ohrhörer den Gehörgang komplett abschließen und die Sensoren aufliegen, können sie ihr volles Potenzial ausschöpfen. Das ist bei The Dash Pro aber gar nicht so einfach. Im Test passte kein einziger mitgelieferter Aufsatz wirklich gut - alle waren zu klein. Das Ergebnis war ein dünner Sound, der so gut wie keine Bässe lieferte.

Nachdem passende Stöpsel eines Drittanbieters gefunden waren, änderte sich dies gewaltig. Wenn die Ohrhörer perfekt sitzen, liefern sie einen für In-Ears famosen Klang mit kräftigen Bässen, wunderbar ausdefinierten Mitten und klaren Höhen. Der Sound ist vor allem dann eine Wucht, wenn man die Musik-Personalisierung der zugehörigen App nutzt. Dabei hört man eine Reihe von anschwellenden Tönen und tippt auf die Außenseite des rechten Ohrhörers, sobald man sie hört. Das dauert ein paar Minuten, aber das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinne des Wortes hören lassen.

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The Dash Pro sind wasserfest.

(Foto: kwe)

Musik auch ohne Smartphone

Klasse ist, dass die Ohrhörer einen 4 Gigabyte großen Speicher haben, um Musik auch ohne Smartphone abspielen zu können. Gefallen konnte im Test auch die Stabilität der Verbindung. Es gab lediglich kurze Aussetzer, wenn das Smartphone in der linken Hosentasche steckte und der Kopf nach rechts gedreht wurde. Holt man die Bragis aus dem Case und steckt sie ins Ohr, steht die Verbindung in Sekundenschnelle.

Grundsätzlich werden die Ohrhörer über die Touch-Oberfläche auf der Außenseite gesteuert, die ziemlich flott und präzise reagiert. Dabei hat man die üblichen Gesten, die schnell gelernt sind. Beispielseise regelt man die Lautstärke durch Wischer auf der rechten Seite nach vorne oder hinten, ein Tipper pausiert die Wiedergabe, mit zwei Tippern springt man einen Titel nach vorne. Auf der linken Seite schaltet man durch Wischer den Transparenz-Modus ein oder aus. Hält man den Finger länger auf die rechte Seite, startet man Siri, den Google Assistant oder Alexa.

Gestensteuerung zum Kopfschütteln

So weit so gut. Aber weil The Dash Pro nicht nur einfache kabellose In-Ears sind, bieten sie viele weitere Funktionen, die manchmal sehr nützlich, manchmal aber eher überflüssig sind. Die Steuerung via Kopfgesten bietet beides. So kann man durch Nicken oder Kopfschütteln Anrufe an- und ablehnen oder Songs überspringen. Das ist praktisch. Man kann aber auch mit Kopfgesten durch das Menü der Aktivitäten gehen, was völlig übers Ziel hinausschießt.

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Wenn sie rot leuchten, sind sie fast leer, bei gelben Licht halb voll, Grün zeigt an, dass sie geladen sind.

(Foto: kwe)

Um es zu starten, muss man erst nach unten blicken, dann wieder geradeaus und auf einen Ton warten. Hört man ihn, blickt man nach oben und dann wieder geradeaus. Jetzt kann man Aktivitäten durchblättern, indem man nach links oder rechts schaut und auswählen, in dem man nach unten blickt und nickt. Total gaga. Viel einfacher ist es, den Finger länger auf den linken Ohrhörer zu legen und dann durchs Menü zu wischen und zur Auswahl zu tippen. Gut, dass man die Alternative hat. Und Bragi entwickelt sein Betriebssystem BOS weiter und findet für die Gesten vielleicht noch weitere sinnvolle Anwendungen.

Cool ist die Shortcut-Funktion. Die Sensoren der Ohrhörer ermöglichen, dass man eine Aktion auch einfach starten kann, indem man mit zwei Fingern auf die rechte Wange tippt. So kann man beispielsweise einfacher Songs überspringen, da man nicht die Touch-Oberfläche des Ohrhörers treffen muss.

Sportliche Sensoren

Die Sensoren sind aber vor allem da, um Fitnessdaten zu messen und aufzuzeichnen. Dazu kann man die Ohrhörer automatisch erkennen lassen, ob man läuft, radelt oder schwimmt. Das klappt aber nur sehr ungenau und startet und stoppt Messungen ziemlich willkürlich. Besser ist es, die Aktivität per Wischgesten oder in der App auszuwählen.

Beim Radfahren werden beispielsweise der Puls, die Dauer, die Trittfrequenz, die Distanz und die Geschwindigkeit aufgezeichnet. Das funktioniert gut, die zurückgelegte Strecke ist allerdings recht ungenau, wenn man das Smartphone zu Hause lässt, da die Bragis kein GPS an Bord haben. Die Daten werden lokal gespeichert, man kann sie aber auch mit anderen Diensten wie Apple Health teilen.

The Dash Pro kommen in einem Lade-Case, in dem sie sicher verstaut bis zu fünfmal aufgetankt werden können. Losgelöst halten sie mit Bluetooth-Verbindung etwa zweieinhalb Stunden durch, spielt Musik vom internen Speicher, sind rund vier Stunden drin. Das ist ordentlich, mehr darf man bei so kleinen Geräten nicht erwarten. Etwas problematisch ist die magnetische Verbindung im Case. Die Ohrhörer schnappen nicht immer richtig ein und werden dann nicht geladen. Nutzt man größere Aufsätze als die mitgelieferten, kann das auch immer scheitern. Im Test war die beste Lösung, die Aufsätze abzuziehen und neben die Ohrhörer ins Case zu legen.

Gut und vielseitig, aber teuer

Unterm Strich sind The Dash Pro sehr gute kabellose Ohrhörer. Wenn sie richtig sitzen, haben sie einen tollen Klang, sie sind wasserdicht und bieten 4 Gigabyte internen Speicher. Sportler haben ihre Freude an dem Headset, sollten aber ohne Smartphone keine allzu akkuraten Werte erwarten. Die "smarten" Funktionen sind interessant und teilweise praktisch, aber nicht immer hilfreich. Spannend ist, dass Bragi durch Updates weitere Funktionen bieten möchte, wodurch die Ohrhörer in Zukunft noch besser werden könnten. Mit einem Preis von rund 350 Euro sind sie allerdings sehr teuer. Das müssen einem die Extras wert sein. Wer nur richtig gute kabellose In-Ears haben möchte, ist wahrscheinlich mit Sonys WF-1000X besser bedient, die man schon für rund 125 Euro bekommt. Oder man greift zu den Jabra Elite 65t, die für knapp 170 Euro angeboten werden.

Quelle: n-tv.de

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