Technik
Die Sony WF-1000X sind bequem, schick und klingen toll.
Die Sony WF-1000X sind bequem, schick und klingen toll.(Foto: kwe)
Freitag, 11. Mai 2018

Drahtlose Ohrhörer: Sonys WF-1000X sind kleine Klangwunder

Von Klaus Wedekind

Wer eine Alternative zu Apples Airpods oder ganz einfach nur hervorragende kabellose Ohrhörer sucht, sollte sich die WF-1000 mal anhören. Sie halten zwar nicht alles, was Sony verspricht, klingen aber fantastisch und sitzen sicher.

Bluetooth-Ohrhörer, die komplett ohne Kabel auskommen, sind kleine technische Meisterwerke. Denn es ist alles andere als einfach, den Ton zwischen den Lautsprechern via Funkverbindung synchron zu halten. Apples AirPods waren daher lange konkurrenzlos, doch inzwischen gibt es auch andere Ohrhörer, die "true wireless" sehr gut beherrschen. Zu ihnen gehören Sonys WF-1000, die n-tv.de ausprobiert hat.

Etui mit NFC, guter Sitz

Das Etiu passt nicht in jede Hosentasche.
Das Etiu passt nicht in jede Hosentasche.(Foto: kwe)

Wie bei der Konkurrenz kommen die japanischen Stöpsel in einer Transportbox, die mit einem integrierten Akku gleichzeitig als Ladestation dient. Das Etui ist allerdings wesentlich größer als beispielsweise bei Apple, Jabra oder Earin und daher nur bedingt für die Hosentasche geeignet. Dafür hat es als Extra einen NFC-Chip, wodurch kompatible Android-Smartphones einfach durch Anlegen gekoppelt werden können.

Die federleichten Stöpsel selbst haben ein gelungenes futuristisches Design und sitzen stabilisiert durch Silikon-Laschen sehr angenehm und sicher im Ohr. Damit der Klang optimal übertragen wird, hat Sony hochwertige Schaumgummi-Polster in drei verschiedenen Größen beigelegt. Außerdem gibt es luftigere Silikon-Aufsätze in vier Größen. Da sollte für jeden eine passende Kombination dabei sein.

Bilderrätsel lösen, Klang genießen

In ihrer Garage können die Stöpsel auftanken.
In ihrer Garage können die Stöpsel auftanken.(Foto: kwe)

Auch ohne NFC läuft die Kopplung unproblematisch, wenn man die Schnellanleitung befolgt. Man muss Sonys Bilderrätsel allerdings erstmal verstehen, denn erklärenden Text gibt es nicht.

Aussetzer kamen im Test selten vor, so lange das Smartphone nicht in der Gesäßtasche getragen wurde. Das ist allerdings auch bei anderen Bluetooth-Kopfhörern der Fall. Zur Not bietet die zugehörige App einen Modus für eine stabilere Funkverbindung, worunter unter Umständen allerdings der Klang etwas leidet.

Der Sound der Sony WF-1000X ist aber so oder so großartig. Sie haben viel Volumen, fast schon zu kräftige Bässe, wunderbar ausgeglichene Mitten und ausgesprochen klare Höhen. Besser hat sich bei n-tv.de bisher noch kein kabelloses Ohrhörer-Paar präsentiert. Dazu bietet die App einen Equalizer mit verschiedenen Modi, mit denen man den Klang den persönlichen Vorlieben oder der aktuellen Situation anpassen kann. Leider beherrschen die Ohrhörer nur AAC, das bei iPhones eine Datenrate mit optimierter Qualität erlaubt - AptX oder Sonys LDAC-Code werden nicht unterstützt.

Ein bisschen ANC

Zwei Tasten, aber kein Lautstärkeregler.
Zwei Tasten, aber kein Lautstärkeregler.(Foto: kwe)

Das ist aber noch nicht alles. Die Stöpsel haben auch aktive Geräuschunterdrückung (ANC). Dabei kann man wählen, ob man die Umgebung möglichst stark ausblenden oder noch mitbekommen möchte, was um einen herum passiert. Auf Wunsch versucht die App den passenden Modus auch selbst zu erkennen, also ob man unterwegs ist, verweilt, joggt oder in einem Transportmittel sitzt.

Von der Geräuschunterdrückung darf man aber nicht zu viel erwarten. Sie bietet vor allem bei gleichmäßigem Rauschen im Flugzeug oder in der Bahn einen hörbaren Effekt, der aber bei Weitem nicht so wirksam wie beispielsweise beim Bose QuietComfort 35 ausfällt. Im normalen Straßenlärm fällt der Unterschied zum Betrieb ohne ANC kaum auf. Der Ambient-Modus, bei dem Umgebungsgeräusche von den Mikrofonen durchgeleitet werden, macht da einen größeren Unterschied.

Die automatische Anpassung ist nur sinnvoll, wenn sich die Situation nicht oft ändert, weil sie ziemlich träge reagiert. Man braucht sie auch nicht, da man die Stufen unkompliziert per Taste am linken Ohrhörer anpassen kann.

Keine Volumen-Taste

Mit der rechten Taste kann man die Wiedergabe starten, Songs pausieren, vor und zurück springen, Anrufe annehmen und auflegen. Von der Schnellanleitung lernt der Nutzer dies aber nicht. Da hilft nur Probieren oder ein Blick ins Internet. Aua.

Ein langer Druck ruft den digitalen Assistenten auf. Eine Lautstärkeregelung gibt es nicht, dazu muss das Smartphone aus der Tasche geholt werden. Das ist bei kabellosen In-Ears nichts Außergewöhnliches, weil der Platz knapp ist. Vielleicht wäre eine Volumen-Taste aber sinnvoller als die ANC-Taste gewesen.

Nicht ungewöhnlich ist auch, dass kabellose Ohrhörer eher kürzere Laufzeiten haben. Die Sony WF-1000X halten knapp drei Stunden durch, was nicht berauschend, aber okay ist. Wenn sie bei Pausen im Lade-Case untergebracht werden, sind insgesamt rund neun Stunden Musikgenuss ohne Steckdose drin.

Ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis

Sonys unverbindliche Preisempfehlung ist rund 220 Euro, man bekommt die WF-1000X aber in allen größeren Online-Shops schon für etwa 145 Euro. Dafür bieten sie ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das liegt vor allem an ihrem hervorragenden Klang, der App mit Equalizer und dem hohen Tragekomfort.

Die aktive Geräuschunterdrückung bietet kaum Mehrwert, andere Stöpsel dämmen ohne ANC fast ebenso gut. Das Ladecase ist zwar funktional, aber etwas zu groß geraten. Die Laufzeit ist durchschnittlich, die Bedienungsanleitung ein gefalteter Witz.

 

Quelle: n-tv.de