Technik

AV-Test prüft und zeichnet aus Das ist die beste Kinderschutz-Software

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Wenn die eigenen Kinder ins Internet gehen, ist eine Schutz-Software nützlich.

(Foto: imago/Westend61)

Wie sorgt man dafür, dass sich Kinder sicher im Internet bewegen und keine ungeeigneten Websites besuchen? AV-Test prüft sechs Lösungen, darunter zwei spezielle Programme und die Bordmittel von Windows 10. Zwei Pakete bekommen ein Zertifikat.

Kinder kommen nicht nur immer früher mit Smartphones in Berührung, sie gehen auch immer früher ins Internet. Das ist gut und richtig so und viele Seiten sind für Kinder bestens geeignet. Doch ein wohl weitaus größerer Teil des Netzes besteht aus Websites, die aus verschiedenen Gründen für Kinder eher ungeeignet sind. Wer als Eltern seine Kinder nicht ständig beaufsichtigen will, wenn diese im Internet sind, könnte eine spezielle Kinderschutz-Software einsetzen. Das unabhängige Institut AV-Test hat geprüft, ob diese Software-Pakete zuverlässig arbeiten. Zwei Produkte wurden zertifiziert.

Die Herausforderung bei Software zum Schutz der Kinder im Netz besteht aus der ständigen Abwägung: Wie kann man Internet-Angebote so filtern, das interessante und geeignete Seiten zugänglich bleiben und gleichzeitig andere zuverlässig blockiert werden? In der Prüfung von AV-Test mussten sich zwei spezielle Kinderschutz-Programme beweisen, Kaspersky Safe Kids und Norton Family. Außerdem nahmen die Tester Microsoft Family Safety unter die Lupe, die Kinderschutz-Funktionen von Windows 10. Zusätzlich prüften sie die Internet-Schutz-Pakete von F-Secure, Quick Heal und Trend Micro, die alle drei ebenfalls Kinderschutz-Funktionen haben.

Fiktive Testperson ist sieben Jahre alt

Bei der Erkennung und Filterung von Links und Webseiten wurden alle sechs Lösungen miteinander verglichen. Für den besseren Vergleich wurde stets ein fiktives siebenjähriges Kind eingestellt oder die dafür fertigen Vorgaben genutzt. In 8 Kategorien mussten die Programme über 6700 nicht kindgerechte Webseiten herausfiltern und als Gegenprobe 3000 kindgerechte Seiten richtig erkennen. Keines der Produkte lag in allen Fällen richtig, was aber auch kaum verwunderlich ist. Einen Großteil der Seiten filtern die Lösungen mithilfe der Blacklisting-Technologie, bei der sie auf eine Sperrliste mit nicht kindgerechten Seiten zugreifen und diese abgleichen. Den Rest der getesteten Webseiten müssen die Produkte anhand ihrer eigenen Techniken, Logik-, Satz- und Wort-Analyse filtern - ein schwieriges Unterfangen.

Die Kategorien im Einzelnen:

  • Sex, Nacktheit, Pornografie
  • Chats & Foren (alle)
  • Dating & Treffs
  • Filesharing
  • Glücksspiele
  • Unterhaltungsspiele (alle)
  • Shopping-Seiten und Auktionen
  • Waffen & Munition

Spezielle Programme filtern am besten

Die höchsten Filter-Raten im Test erreichten in allen Kategorien die Pakete von Kaspersky und Symantec, wobei Kaspersky vorne liegt. Die Gegenprobe mit "guten" Seiten gelingt Symantec etwas besser. Das Windows-10-Modul filterte nur in der Kategorie Sex, Nacktheit, Pornografie verlässlich, die anderen Kategorien kennt es nicht und lässt damit alle Seiten ungehindert durch. Die Sicherheits-Software von Quick Heal filtert ebenfalls zuverlässig, lässt aber viele kindgerechte Seiten nicht durch. Trend Micro und F-Secure geben ein schlechteres Bild ab.

In den Kategorien Zusatzfunktionen sowie Log- und Berichtfunktionen kamen nur die beiden Kinderschutz-Programme und die Windows-10-Lösung unter die Lupe. Hier zeigt sich der große Vorteil gegenüber den Security-Suiten, denn spezielle Funktionen bieten diese nicht. Für Eltern sind dann auch nur die Lösungen von Kaspersky und Symantec wirklich sinnvoll, das Windows-10-Modul immerhin mit Abstrichen.

Umfangreiches Protokoll

Den Suchmaschinenschutz unterstützen alle drei Lösungen, hiermit lässt sich die zugängliche Suchmaschine festlegen. Auch Zugangszeiten für das Internet lassen sich festlegen, aber nicht die PC-Nutzungszeit. Fernzugriff unterstützen alle drei. Kaspersky und Windows 10 erlauben zudem die Sperre von einzelnen Programmen.  Bei der Facebook-Nutzung liegen Symantec und Kaspersky vorn: Sie protokollieren die gesamte Aktivität und speisen sie später automatisch in den Nutzungsbericht ein. 

Wenn die Kinder älter werden und mehr Ahnung von Computern bekommen, könnten sie versuchen, die Programme zu deinstallieren oder zu umgehen. Löschen oder aus dem Task-Manager entfernen lässt sich keines der Programme, im Abgesicherten Modus können Kaspersky und Symantec allerdings unschädlich gemacht werden. Für die Windows-10-Lösung benötigt man ein  Administrator-Kennwort.

Extra-Lösungen für Handy und Tablet

Mit Hilfe der Log- und Berichtfunktionen sammeln die Programme Daten für die Eltern: Wonach wurde gesucht, welche Webseiten wurden besucht und welche wollte das Kind besuchen. Symantec und Kaspersky merken sich auch, was wann in Facebook gepostet wurde. Kaspersky zeichnet sogar auf, wann und welche gesperrten Programme trotzdem gestartet wurden. Kaspersky und Symantec protokollieren zusätzlich die gesamte Nutzungszeit des PCs.

Damit ist das Fazit der Tester klar: Seiten filtern können auch die Internet-Security-Suiten, doch gerade aufgrund der Zusatzfunktionen bietet sich für Eltern eher eine spezielle Kinderschutzsoftware an. Die Lösungen von Kaspersky und Symantec erhalten beide ein Zertifikat von AV-Test. Pluspunkt: Für Smartphones und Tablets gibt es sowohl von Kaspersky als auch von Symantec Zusatzlösungen für Android und iOS. Die Produkte sind über alle Plattformen aufeinander abgestimmt.

Quelle: ntv.de, jwa