Technik

Ein Spiel, zwei Versionen FIFA 23 macht nächsten Schritt - aber nur für Auserwählte

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Ist der Star in FIFA 23 und bekommt seine eigene "Moments"-Sektion: Kylian Mbappé.

Viel Neues verspricht Entwickler EA Sports bei FIFA 23. Die neue Ausgabe der Fußballsimulation kann in vielen Bereichen zulegen. Allerdings kommen nicht alle Zocker in den Genuss. Wer das Spiel für die PS4 oder Xbox One kauft, erhält am Ende nur ein Kaderupdate.

Die Erwartungshaltung an die erfolgreiche Fußball-Simulation FIFA ist jedes Jahr enorm. Nach dem angekündigten Ende der Zusammenarbeit mit dem Weltverband verspricht Entwickler EA Sports bei der neuesten Ausgabe sogar die "größte und besten Spielerfahrung" jemals. Die Latte liegt also hoch, wer allerdings keine Konsole der neuen Generation oder einen leistungsstarken PC hat, wird den gleichen Niveaulimbo unter der Latte hindurchtanzen wie im Vorjahr.

Wenn sich ein Spiel wie die Vorgängerausgabe anfühlt, die sich wiederum schon wie die Version aus dem Vorjahr angefühlt hat, dann bleiben eigentlich wenig Argumente für den Kauf. Die Tatsache, dass die FIFA-Serie mittlerweile so konzipiert ist, dass vor allem der beliebte Ultimate Team Modus nur ein Jahr spielbar ist - danach setzt ein Deckeneffekt bei den Spielerstärken ein und es gibt kaum noch Content - verleitet viele Fans der Reihe dazu, sich jedes Jahr mehr oder weniger ein "Kaderupdate" für die PS4 oder Xbox One zu kaufen. ntv.de konnte beide Versionen von FIFA 23 ausgiebig testen, mit dem Resultat: Für die neue Konsolengeneration und den PC fühlt sich FIFA wie der nächste Schritt an, auf den älteren Konsolen dagegen wie der gelebte Stillstand.

Buzzword-Wahnsin zwischen "AccelleRATE" und "Hypermotion"

Und das spürt man vor allem beim Gameplay. Der ganze Spielablauf wirkt etwas langsamer. Abrupte Stopps und blitzschnelle Richtungswechsel weichen Auslaufen, schrittweisem Abbremsen und einem deutlich anspruchsvollerem Zweikampfverhalten. Insgesamt sieht das nochmal realistischer aus, ist aber vor allem in den ersten Spielen eine große Umstellung.

Den größten Einfluss hat das neue System zum Laufverhalten der Spieler. Durch "AccelleRATE" wird nun in "kontollierten", "explosiven" und "ausdauernden" Sprints unterschieden. Bei kontrolliert halten sich Antritt und Ausdauer die Waage, bei explosiv ist der Antritt stark, die Sprintgeschwindigkeit baut aber auf längere Distanz ab.

Spieler mit ausdauerndem Sprintverhalten kommen erst nach einigen Meter auf Topspeed. Das verändert sowohl das Spielverhalten im Angriff, als auch in der Abwehr. Gnadenlos an Spielern vorbeisprinten wird deutlich schwieriger und es bleibt immer das Gefühl, dass sich der Verteidiger noch einmal heransaugt. Der Balance von FIFA 23 tut das auf jeden Fall gut.

Mehr Realismus bringt zudem "HyperMotion2". Da "HyperMotion" bereits im Vorjahr seine Premiere gefeiert hat, darf man das in FIFA 23 als Update sehen. Die Technologie kombiniert 11-vs-11-Capturing und Maschinenlernen, um Tausende realistische Animationen zu erzeugen. So wirken viele Situationen frisch und abwechslungsreich. Ein Beispiel: Spieler, die den Ball blocken, gab es ja bereits zuvor, jetzt greifen auch die Stürmer ein und wollen den Ball in bestimmte Situationen noch aktiv abfälschen und gefährlich machen. Und diesen "Okay, das geht also auch"-Effekt wird man oft erleben. Denn was generell Ballphysik angeht, hat das Spiel einen Sprung gemacht.

In den Genuss von "AccelleRATE" und "HyperMotion2" kommen Spieler von PS4 und Xbox One nicht, ein paar Änderungen gibt es aber dann doch versionenübergreifend. Ein neues System für Standardsituationen ist eine echte Bereicherung. Statt Zielfadenkreuz wird nun die mögliche Flugkurve des Balles eingeblendet, am Spielgerät selbst muss der Kontaktpunkt markiert werden. So lassen sich Effet und Schusstechnik bestimmen. Das neue System ist schwer zu meistern, aber unfassbar belohnend, sollte man per Freistoß oder Ecke erfolgreich sein.

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Ballphysik auf dem nächsten Level in FIFA 23.

(Foto: EA)

Neben einigen neuen Tricks und angetäuschten Schüssen gibt es zumindest eine neue Technik, von der alle profitieren. Der neue Powershot ist eine gelungene Ergänzung für das Gameplay als auch für die Optik. Denn bei diesem kraftvollen Schwinger zoomt die Kamera leicht auf den ausführenden Spieler, ehe dieser einen kraftvollen, dafür aber weniger platzierten Schuss loslässt. Da die Schussanimation deutlich länger angesetzt ist und der Spieler sehr offen zum Ball steht, können Verteidiger hier leicht eingreifen. Wenn man aber Platz hat, kann man die ein oder andere Rakete Richtung Tor abfeuern. Das erinnert schon stark an "Super Mario Strikers" mit seinen Superschüssen.

Ultimate Team bleibt Schwerpunkt

Der volle Fokus der Entwickler lag in diesem Jahr wieder auf der Cash Cow, dem Ultimate Team (FUT) Modus. Immerhin fährt EA viermal so viel durch die Mikrotransaktionen ein, wie durch den Verkauf des Spiels selbst. Und weil sich hier auch wenig getan hat, gibt es für die FUT-Daddler eine Beschäftigungstherapie.

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Zum einen führt EA ein neues Chemiesystem ein, also Kombinationsmöglichkeiten, wie man sein Dream Team am besten zusammenstellen kann - abhängig von Ligazugehörigkeit, Nation und Position. Alles neu, jeder Spieler muss sich erst einmal daran gewöhnen. Die Entwickler anscheinend ebenfalls. Bereits vor Beginn des Spiels kann man sein FUT-Team über eine Web App managen. Dort gibt es dann auch die sogenannten Squad Building Challenges (SBC) - Puzzleaufgaben, bei denen man Spieler gegen Überraschungspacks eintauscht. Bei zwei dieser SBC waren die Aufgaben unlösbar, aufgrund des neuen Chemiesystem und der Vorgaben von EA. Alle Spieler mussten genau zwei von drei Chemiepunkten haben, insgesamt muss die Teamchemie 24 betragen. Bei 11 Spielern ist klar, dass diese Rechenaufgabe nicht aufgeht.

Einen frischen Modus bringen die Entwickler mit "Moments". Hier kann man die Karriere von Spielern und Trainern nachspielen, besser gesagt deren denkwürdigste Momente. Damit gelingt den Machern ein kurzweiliger und teilweise kniffliger Modus, in dem man nur wenige Minuten Zeit hat, um in bestimmten Szenarios ein Tor zu schießen, Dribblings durchzubringen oder Zweikämpfe zu gewinnen. Zu Beginn kann man die Highlights des noch jungen Kylian Mbappé nachzocken. Die Belohnungen sind dann mal wieder Überraschungspacks, um die Spieler bei Laune und im FUT-Modus zu halten. Erstmals kann man nun online auch gegen Spieler unterschiedlicher Konsolen oder PC antreten. Crossplay ist allerdings nicht zwischen unterschiedlichen Konsolengenerationen.

Und was ist mit dem Rest?

Der Streetsoccer-Modus "Volta" bekommt ein paar neue Arenen und ein neue Spezialfähigkeiten. "Harter Schuss", "Overdrive" für einen Geschwindigkeitsboost, "Durchsetzungskraft" und "Abheben" für akrobatische Lufteinlagen sorgen für mehr Arcade-Feeling. Bei "Pro-Clubs" gibt es Mini-Skillspiele, die allerdings wirken wie aus FIFA 21 zusammengebastelt. Vielmehr Neues gibt es in dieses beiden Modi nicht. Immerhin: "Volta" und Pro-Clubs lassen sich verknüpfen und in beiden Modi kann man seinen Pro leveln. Das spart schon mal enorm viel Zeit.

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Die Kombination macht immerhin Hoffnung, dass es im nächsten Jahr bei "EA Sports FC", so soll der neue Ableger dann heißen, endlich auch wieder einen gescheiten Karrieremodus gibt. Die Elementen aus "Volta" und "Pro Clubs" könnte man mit einer guten Story kombinieren. Wie das geht, macht seit zwei Jahren die NBA2K-Serie vor. Ein reine Sportcity als Spielwiese muss in einer Fußball-Simulation ebenfalls möglich sein. In FIFA 23 wurde jedenfalls wenig Entwicklungszeit in Karriere- und Managermodi investiert.

An der Vorgabe "das beste FIFA aller Zeiten" zu liefern, scheitert EA, weil es eben zwei Versionen gibt. Auf der einen Seite ist das schade, denn das Spiel kostet für PS4 und Co. ebenfalls schlappe 60 Euro. Auf der anderen Seite lässt sich aus den "alten" Konsolen technisch nicht mehr herauspressen. Wenn man bedenkt, dass der größte Teil der Spieler noch die PS4 nutzt, geht der Fortschritt an vielen Zockern vorbei. Das beste FIFA aller Zeiten ist FIFA 23 irgendwie schon, allerdings nur für die neue Konsolengeneration - es gab bislang ja auch nur eine weitere. Die neuen Gameplaymechaniken sorgen auf diesen Plattformen für spannende Fußballunterhaltung.

Quelle: ntv.de

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