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Samsungs virtuelle Realität Gear VR macht rundherum Spaß

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Technische Zukunft oder Spielerei? Die Samsung Gear VR.

(Foto: kwe)

Virtuelle Realität könnte das nächste große Ding sein. Samsung ist mit der Gear VR früh auf den Zug aufgesprungen, das Gerät ist jetzt auch in Deutschland erhältlich. Was genau sie kann und ob sie das gut macht, zeigt die futuristische Brille im Test.

Mit dem Ansatz, für eine VR-Brille als Bildschirm ein Smartphone einzusetzen, ist Samsung nicht alleine. Es gibt beispielsweise die der Gear VR nicht unähnliche VR One von Zeiss oder die günstige Archos VR Glasses. Die Koreaner haben sich aber mit Oculus zusammengetan, dem US-Unternehmen, das mit der Rift die VR-Hoffnung der Spielebranche ist. n-tv.de hat ausprobiert, ob die Gear VR die hohen Erwartungen erfüllen kann oder auch nur ein besserer Prototyp ist.

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Für die virtuelle Realität bilden Samsungs Galaxy Note 4 und Gear VR ein starkes Team.

(Foto: kwe)

Um die Virtual-Reality-Brille testen zu können, musste die Redaktion auch ein Galaxy Note 4 mitbestellen, da das Gerät nur mit diesem Smartphone funktioniert. Das ist der größte Nachteil der Gear VR, da sie so für einen Großteil der Smartphone-Nutzer nicht infrage kommt. Es sei denn, man ist bereit, zusätzlich zur 200 Euro teuren Brille noch Samsungs Phablet für knapp 600 Euro zu kaufen. Dann allerdings kann man die virtuelle Realität völlig losgelöst erleben, ohne Kabelanschluss an einen Computer.

Die Gear VR alleine sieht wie eine Mischung aus Skibrille und Nachtsichtgerät aus. Kernstück sind die beiden Vergrößerungslinsen, über die der Träger mit einem Sichtfeld von 96 Grad auf das Display des Galaxy Note 4 blickt. An der rechten Seite hat das Gerät für die Menüsteuerung ein Touchpad, darüber sitzt eine Zurück-Taste, davor eine Lautstärke-Wippe. Die Schärfe stellt man ein, indem man den Bildschirmabstand über ein Rad verändert, das über der Nasenwurzel sitzt. Um größere Sehschwächen auszugleichen, reicht der Regelbereich aber nicht aus, Brillenträger sollten also für den VR-Genuss Kontaktlinsen haben. Ansonsten ist das Gerät recht angenehm zu tragen. Per Klettverschluss lassen sich die Haltegurte an jede Kopfform anpassen, weiche Polster verhindern Druckstellen im Gesicht. Bei längeren Gear-VR-Sitzungen wird das Galaxy Note 4 allerdings sehr heiß, was auch unter der Brille zu spüren ist. Manchmal verlangt das Gerät sogar wegen Überhitzungsgefahr eine Pause.

Einfache Bedienung

Der Anschluss des Note 4 ist ein Kinderspiel, man verbindet es einfach mit dem Micro-USB-Stecker der Gear VR und lässt es einrasten. Ist die Oculus-App installiert, startet sie automatisch und weist den Träger in die grundsätzliche Bedienung ein. Auch das ist kein Hexenwerk: Zum Auswählen blickt man auf ein Objekt und bestätigt durch einen Tipper auf das Touchpad, Menüs werden per Wischer "durchgeblättert". Das alles funktioniert sehr flüssig und präzise und ist optisch hübsch aufbereitet.

An der Innenseite hat die Gear VR einen Näherungssensor, der erkennt, wenn die Brille ab- oder aufgesetzt wird und entsprechend das Display ein- oder ausschaltet. Das spart Strom, aber trotzdem leert sich der Akku des Galaxy Note 4 beim virtuellen Zeitvertreib schnell, im Test war nach rund drei Stunden Schluss. Während das Smartphone in der Gear VR sitzt, kann man es nicht laden. Etwas unbequem ist es, zusätzlich zum Gerät Bügel-Kopfhörer zu tragen, gute In-Ears mit aktiver Geräuschunterdrückung sind ideal für die gelungene VR-Illusion.

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Die Linsen der Brille vergrößern das Display-Bild, weshalb trotz QHD einzelne Pixel deutlich erkennbar sind.

(Foto: kwe)

Seit der ersten Vorstellung der Gear VR im Rahmen der IFA in Berlin hat sich die Content-Auswahl für die Brille deutlich vergrößert, ist aber noch sehr überschaubar. Vor allem Spieleentwickler nutzen bisher das Oculus-Mobile-SDK, um neue Software für die Gear VR anzubieten. Hier gibt es einige interessante Titel oder Demos, unter anderem auch eine VR-Version von "Temple Run", bei der man in Ego-Perspektive der von Affen-Monstern Gejagte ist. Rasant, faszinierend und eine Belastung für den Magen! Dungeon-Fans kommen bei der Demo von "Dreadhalls" auf ihre Kosten, die eine schön unheimliche Atmosphäre bietet. Fast abendfüllend ist Oculus' erstes eigenes Spiel "Herobound", ein Third-Person-Adventure im Nintendo-Stil. Für die meisten Spiele ist ein Gamepad nötig, für das mindestens weitere 40 Euro fällig werden. Ohne kommt der gelungene Weltraum-Shooter "Anshar Wars" aus, allerdings gehen die wilden Kopfmanöver ziemlich auf die Nackenmuskulatur und Schwindelgefühle sind programmiert. Kein Spiel, aber beeindruckend: Im VR-Planetarium "Titans of Space" lernt man einiges über das Sonnensystem und hat ein intensives Gefühl von Raum und Tiefe.

Kino auf dem Mond

Eine Gear-VR-Paradedisziplin sind 360-Grad-Filme, wovon sich die beiden besten auf der mitgelieferten microSD-Karte befinden. In einem Clip erlebt man eine Akrobatiknummer des Cirque du Soleil auf der Bühne mit, im anderen sitzt man gemeinsam mit dem Singer-Songwriter Patrick Watson und dessen Hund im Proberaum. Nur die Schärfe lässt bei den Videos etwas zu wünschen übrig. In Zukunft will Samsung über die Plattform "Milk VR" noch mehr 360-Grad-Filme zur Verfügung stellen. Ziemlich groß ist bereits die Auswahl an 360-Grad-Fotos, die es Nutzern ermöglichen, virtuell spektakuläre Landschaften oder exotische Städte fast so zu sehen, als wären sie tatsächlich da. Herkömmliche (stereoskopische) 3D-Videos, eigene Fotos oder Filme sieht man durch die Brille auf einer virtuellen Leinwand. Dabei beeindrucken die Kinosäle, unter anderem kann man es sich in einem Sessel auf dem Mond bequem machen. Herkömmliche Säle sehen verblüffend realistisch aus, allerdings fehlen die Zuschauer.

Insgesamt bietet Samsungs Brillen-Smartphone-Kombination das derzeit beste VR-Erlebnis, was frei im Handel verfügbar ist. Manchmal hat man tatsächlich das Gefühl, mittendrin zu sein, einige Demos zeigen eindrucksvoll, was für ein Spielspaß die virtuelle Realität künftig bieten kann. Der Chip des Galaxy Note meistert die hohen Anforderungen bravourös, doch trotz der QHD-Auflösung sieht man durch die Vergrößerungslinsen noch deutlich jeden einzelnen Pixel des Displays. Kontrast und Helligkeit der VR-Kombi sind allerdings prima. Wer bereits ein Galaxy Note 4 besitzt, kann mit der Gear VR sicher viel Spaß haben und künftig dürfte auch das Angebot an Filmen, Spielen und anderen Anwendungen interessanter werden. Wer mit der Technik liebäugelt, aber Samsungs aktuelles Phablet noch nicht hat, sollte sich vielleicht noch etwas gedulden.  Denn eventuell bietet Samsung auch für das kommende Galaxy S6 eine passende Gear VR an.

 

Quelle: n-tv.de

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