Technik
Dieses HTC U12+ ist schwarz, aber im Licht schimmert es eher silbern.
Dieses HTC U12+ ist schwarz, aber im Licht schimmert es eher silbern.(Foto: jwa)
Mittwoch, 13. Juni 2018

Vier Augen, keine Tasten: HTC U12+ lässt sich gerne drücken

Von Johannes Wallat

Das HTC U12+ ist ein mächtiges Gerät. Das trifft nicht nur auf seine Größe zu, auch technisch hat es einiges zu bieten: die beste Hardware, eine Spitzen-Kamera - und einzigartige Funktionen, die sonst kein Smartphone hat.

Die wichtigsten Flaggschiffe für das Jahr 2018 sind vorgestellt, fast alle großen Hersteller haben in diesem Jahr schon abgeliefert. Nur HTC hat sich mit einem Nachfolger für das U11 und das U11+ bislang zurückgehalten. Jetzt ist als alleiniger Erbe des U11-Duos das U12+ da, und es erfüllt die Erwartungen an ein Spitzenmodell in fast jeder Hinsicht. n-tv.de hat das taiwanische Flaggschiff ausprobiert.

Viel Platz gut ausgenutzt

Technische Daten
  • System: Android 8.0.0
  • Display: 6 Zoll, LCD, Quad HD+, 537 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: Dualkamera 12 MP, f/1.75, OIS; 16 MP, f/2.6
  • Frontkamera: Dualkamera 8 MP, f/2.6
  • WLAN ac, LTE Cat. 18, Bluetooth 5, NFC
  • USB-C 3.1 Gen. 1
  • IP68
  • Akku: 3500 mAh
  • Maße: 156,6 x 73,9 x 9,7 mm
  • Gewicht: 188 g

Klein und kompakt ist es nicht, das HTC U12+. Mit seinem 6-Zoll-Display ist es eines der größeren aktuellen Flaggschiffe, daran können auch die extrem dünnen seitlichen Displayränder nichts ändern. Immerhin: Obwohl der Bildschirm genauso groß ist wie beim U11+, ist das Gerät etwas kürzer und etwas schmaler, aber auch minimal dicker. Den vorhandenen Platz nutzt HTC also sehr gut aus - trotzdem muss man auf große Smartphones stehen, um mit dem U12+ rundum glücklich zu werden.

Für das Innenleben gibt es keine derartige Einschränkung, denn die starke Technik stellt garantiert jeden Android-Nutzer zufrieden. Natürlich treibt der Top-Chip Snapdragon 845 das U12+ an, satte 6 Gigabyte Arbeitsspeicher gibt's dazu, der interne Speicher ist mit 64 Gigabyte ebenfalls groß genug und kann per microSD-Karte erweitert werden. Beim Display setzt HTC auf ein helles und knackig scharfes Super LCD 6 mit sehr scharfer UHD-Auflösung und HDR-10-Unterstützung.

Edge Sense verbessert

Besonders ist das HTC U12+ aber vor allem aufgrund seiner druckempfindlichen Seiten. Die Funktion "Edge Sense" hatte HTC mit dem U11 eingeführt - eine echte Weltneuheit, die in der Praxis aber weniger überzeugen konnte und weniger Funktionen bot, als im Vorfeld gehofft wurde. Auch das U12+ bietet diese Technik und "Edge Sense 2" kann jetzt etwas mehr. Nützlich ist zum Beispiel der Einhandmodus, den man durch Doppeltipp an der Seite startet und auch wieder beendet. Ein kräftiger Händedruck startet auf Wunsch die Kamera, ein weiterer Druck betätigt mit leichter Verzögerung den Auslöser.

Physische Tasten hat das U12+ nicht mehr, der Anschalter sowie die Lauter- und Leiser-Taste ragen zwar aus dem Rahmen heraus, sie dienen aber nur noch der Orientierung und sind lediglich druckempfindliche Sensorflächen. Wie bei Apples Touch ID simuliert ein leichtes Vibrieren den Tastendruck. Dadurch ist das U12+ besser gegen Flüssigkeiten und Staub geschützt und hat drei Verschleißteile weniger.  

In den Einstellungen kann man Edge Sense noch weiter konfigurieren. Klasse: Über "In-App drücken" kann man für jede App Aktionen festlegen, die bei einem kurzen Druck oder durch Drücken-und-Halten ausgelöst werden. Leider geht das bisher aber nicht über mehrere Ebenen, also nur mit Aktionen, die von der Startseite einer App nicht mehr als einen Tipper entfernt sind. Echte Abkürzungen kann Edge Sense damit noch nicht bieten - hier wird hoffentlich per Update noch nachgerüstet.

Das HTC U12+ hat extrem schmale seitliche Displayränder.
Das HTC U12+ hat extrem schmale seitliche Displayränder.(Foto: jwa)

Bei der Einrichtung von Edge Sense kann man auch festlegen, wie stark man drücken muss, um Edge Sense zu aktivieren. Das ist gut, denn so können auch schwache Hände das Feature ohne Krampf nutzen. Ganz fehlerfrei ist die Druckerkennung aber nicht, im Test kam es manchmal vor, dass die Lautstärke ungewollt verändert wurde.

Kamera gelungen

Auch die Kamera-Ausstattung ist beim U12+ besonders. Zur Dual-Kamera mit zweifachem optischem Zoom kommt eine Dual-Frontkamera, die schöne Porträts mit einer fein berechneten und optisch ansprechenden Unschärfe aufnimmt. Kleines Manko: Leider kann man im Porträt-Modus nicht zoomen, und mit 8 Megapixeln bleibt auch wenig Spielraum für nachträgliche Zuschnitte.

Die Hauptkamera kann in fast allen Bereichen überzeugen. Sie macht tolle Fotos bei Tageslicht mit beiden Kameras. Der Zweifach-Zoom lässt sich per Tastentipp aktivieren, im Porträtmodus wechselt die Kamera automatisch zur Tele-Linse. Gut so! Der Unschärfe-Effekt sieht sehr gut aus, der Autofokus ist meistens sehr schnell und treffsicher, Belichtung und Weißabgleich beherrscht das U12+ sicher. Die Experten von Dxomark bestätigen mit ihrem ausführlichen Test den sehr guten Eindruck: Das HTC U12+ landet im Ranking der besten Smartphone-Kameras auf Platz zwei hinter dem Huawei P20 Pro.

Damit liefert das U12+ in der wichtigsten Kategorie gut ab. Aber auch Musik-Fans kommen auf ihre Kosten, denn das beiliegende Headset unterstützt die aktive Geräuschunterdrückung an Bord des U12+ und der Sound lässt sich im Nu ans eigene Gehör anpassen - für jeden Kopfhörer wird im Smartphone ein Profil hinterlegt.

Nettes Bedienungs-Extra: In der Navigationsleiste lassen sich zwei weitere Tasten hinzufügen, per Seitwärtswisch wechselt man zu einer zweiten "Seite" mit zusätzlichen Schaltflächen. Der Software-Gehilfe "Sense Companion" gibt dem geneigten Nutzer zudem Tipps zur Nutzung, zählt die zurückgelegten Schritte oder gibt Verkehrsaktualisierungen durch - wie nützlich er ist, hängt davon ab, wie sehr man solch einen Assistenten braucht. Gar nicht? Dann kann man ihn auch einfach abschalten.

Preis hoch angesetzt

HTC ist mit dem U12+ ein hervorragendes Gesamtpaket gelungen, das fast nichts vermissen lässt. Wer kein Problem mit großen Smartphones hat und die Displaygröße sogar gut findet, kann mit dem U12+ leicht glücklich werden. Dass HTC auf die derzeit omnipräsente "Notch" beim Display verzichtet, ist nicht weiter schlimm, denn 6 Zoll reichen aus für viel Bildschirminhalt. Mit Edge Sense 2 hat das U12+ zudem eine Technologie mit viel Potenzial an Bord, die hoffentlich durch Updates Schritt für Schritt besser wird.

In den Verkauf geht das HTC-Flaggschiff für 800 Euro, Mitglieder im HTC Club bekommen 10 Prozent Rabatt - das ist zwar nicht günstig, aber auf einem Niveau mit der Konkurrenz. Das U12+ könnte aber das gleiche Problem bekommen wie das LG G7: Weil die direkten Konkurrenzmodelle wie das Samsung Galaxy S9 oder das Huawei P20 Pro schon länger auf dem Markt sind, kosten sie inzwischen teils deutlich weniger. Und je günstiger diese Spitzenmodelle werden, desto schwerer lassen sich hohe Preise rechtfertigen. 

Quelle: n-tv.de